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Menorah · 1925-12-01 · Heft 12 (Dezember 1925) · p. Seite 261

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 12 (Dezember 1925)
Article
Der Traumsiedler
Date
1925-12-01
Page
Seite 261 (sequence 1)
Language
German
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MENORA H 261 V. DIE KINDER VON BABEL (Schluß) Die Hitze wird immer drückender, kaum mehr zu ertragen. Auch der Graben gibt keine Kühlung. Jetzt hat der Süden den Mund geöffnet und heiße, schwüle Winde entströmen ihm. Wir steigern noch die erstickende Wärme, indem wir beim Damm ein Feuer aus Torf machen. Es knistert als würde Fett verbrennen. Iljitschka erfand es zur Abwehr gegen die Mücken. Zuweilen sieht man, wie die Gelsenwolke wie schwarzer Dampf dem Pfühl entsteigt, uns entgegenschwirrt, mit der Wolke unseres Feuers zusammenstößt, sich dann auflöst und zurückströmt. — Seid auf der Hut vor den Gelsen — sagt Iljitschka — sie sind eure schlimmsten Feinde. Ezekiel begeistert sich für den Torf. — Ein Schatz! Wie seine Augen sprühen! Ich muß lächeln. Einst spürte er in Kaplands Staub Diamanten nach. Wenn er jetzt das Wort ,,Schatz" sagt, scheint er ein bißchen an jenen Schatz zu denken. Denn er fügt noch hinzu: — Mehr wert als alles. Ich verstehe: mehr wert als Diamant. Der ältere Song, der Kalifornier, stimmt bei: — Ja, kostbar wie Gold. Der jüngere Song heizt schon den kleinen Zug, der das Tal von rel-Chalom durchrast. Alfieri erhebt sein olivenbraunes Gesicht und spricht: — Bis dein Zug einläuft, wird Penina mit diesem Torf noch mehr als ein Mittagmahl kochen. Der Eukalyptus, den Iljitschka pflanzt, gibt noch lange kein Holz zum Fleizcn. Ich denke an Beracha, die das Reisig zum Kochen mit schwerer Mühe auf dem ,,PIonigkuchen" sammelt und nachhausc trägt. Die wird ihre Freude haben, wenn ich ihr das Reisig in vollen Säcken bringe. Schade, daß es hier keinen Sack gibt. Kommt Zipporah mit dem Mittagessen, so sage ich ihr, sie soll mir einen bringen. Das Mittagessen. Diesmal keine Klciensuppe. Sie hätte jetzt keinen Sinn, man spart sie auf für den Abend, wo ich mit der Frau und den Kindern beim Tisch silze und aus Tellern mit Löffeln esse. Hier braucht man nur Erfrischung. Zipporah treibt die Ziegen vom Berge herunter, bringt ein I öpfchen und ein Stück Gerstenbrot. Im Töpfchen frischgemolkene Ziegenmilch. Rüben, der Sehn Ezekicls folgt mit drei jüngeren Brüdern und der flachhörnigen Angoraziege. Nachmens T öchterchen, Naomi, kommt mit den Schafen. Da sind auch die vier Kinder Znels und die des älteren Song, denn der jüngere hat keine Kinder und die übrigen bis auf Alfieri sind unverheiratet. Man bringt auch die Ziegen der Amazonen, denn jetzt sind sie unbewacht: Iljitschkas Kuh und die zwei Dickschwänze Zebuions sind in der Herde. Alfieris Milchkuh wird von Penina selbst, seiner schönen Frau, getrieben. Hallo! Hier ist das Essen! Es kam herunter vom Flügel. Laßt alle die Arbeit beenden! Nun sitzen wir auf der Erde, beißen in das Schwarzbrot und schlürfen die duftige Milch: sie hat den Wohlgeruch und die fette Süßigkeit der Flügel Tel- Chaloms. Kaum ist die Herde fort, machen wir uns mit erheiterter Kraft an die Arbeit. Wir zerhacken Steine, binden das Rohr und schneiden Ruten von den Wassersträuchern. Wir tragen den Stein — ein Glück noch, daß die Sandhügel steinig sind! —- und den Torfschutt zu den Enden des Grabens und bauen einen Damm. Die Mädchen bringen das Riedgras in Garben. Jetzt ist Zebuion in seinem Element. Er wirft die Felsen über seine gewölbten Schultern, als wären sie Reisekoffer. Niemand hat einen so sicheren Griff und niemand kann so schwere Gewichte heben wie er. Er weiß, daß wir ihn bewundern; er lacht in seinen roten Schnurrbart hinein und, beladen wie ein Kamel, sagt er noch zu Zriel, so daß es auch Dinjuschka hört: — Na Zriel, den Kies kannst du mir noch dazu auf den Buckel laden, wenn du ihn aufheben kannst. Wunderbar ist dieser Schleusenbau! Niemand von uns versteht sich auf die Arbeit, aber wir bewältigen sie. Hätte ein einzelner es in Angriff genommen, so wäre es mißlungen; so aber geht es gut. Jetzt ist der natürliche Damm zwischen dem Sumpi und dem durchschnittenen Flügel da; doch müßte man etwas weitergraben, damit das Wasser sich über den Graben ins 1 al ergieße. Aber noch darf man es nicht. Wir müssen einige Balken als Wassersperre an beiden Mündungen des Kanals anbringen, um die durchströmende Wafi'crmenge zu regeln. Wer weiß, vielleicht ruht ein Meer m diesem endlosen Becken, wir dürfen nicht unvorsichtig sein, wenn wir es hinüberleiten. Ich messe mit den Augen die Richtung, die es einschlagen wird, -wenn wir es in Bewegung setzen. Einen Kanal graben wir nicht. Wir lassen nur eine Ader durch die Schleuse rieseln. Wo sie sich ein Bett sucht, dort wird der Kanal sein. Ist das Bett seicht, so steht es jedem einzelnen frei, sein eigenes zu verlielen.

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