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Menorah · 1925-11-01 · Heft 11 (November 1925) · p. Seite 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 11 (November 1925)
Article
Der Traumsiedler
Date
1925-11-01
Page
Seite 233 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 233 dem Ungarischen von Andreas Gasper -:N'" r^f^^t^ <■ F.ruflN Roman von ILLES KACZER Copyright 1925 by R. Löwit Verlag (Dr. Max Präger), Wien Nachdruckverboten IV. DIE VERSAMMLUNG DER ÄXTE Tel-Chalom, Schwüle. Wenn man fortwährend einen Punkt anstarrt, wird man leicht blind. So ergeht es schon fast auch mir; denn ich habe eine gute Weile nichts anderes angesehen, als das Reisfeld. Es tut mir weh, daß meine Arbeit zusammenschrumpft. Ich besehe mir bald diese, bald jene Stelle, frühmorgens merke ich mir einen Halm, der mit schwellender Kraft durch die Scholle drängt und abends beobachte ich, daß er entkräftet zu Boden sinkt, und tags darauf stehe ich vor ihm, da er dem Nachtreif zum Trotz nicht mehr vermag, das spitze Köpfchen zur Sonne zu erheben. Nein, mein Reis kann diese sengende, regenlose Dürre nicht ertragen. Und haben wir doch noch Frühling. Wie wird es hier im Sommer sein, wenn die Sonne noch wilder brennen wird! Gott wolle verhüten, daß selbst der kleine seichte Brunnen vor unserem Hause versiege. Es war gut, daß Beracha mich dem zwecklosen Hinstarren entriß und mit Gewalt zu den Kindern schickte. Wie anders sehe ich alles, seit ich dort war! Es bedurfte der Feier eines Nachmittags, seiner jauchzenden Sorglosigkeit, um mich aus der ratlosen Schwäche zu ziehen. Ich begegnete draußen keinem erwachsenen Nachbar. Doch ich vermißte ihn auch nicht. Meine Kinder waren so recht mein! Und auch die Nachbarkinder! Sie umhüpften mich mit verschlungenen Händen und zupften mich am Bart. Die Schafe und Ziegen tanzten mit im Kinderreigen, das Flachhorn rieb seine Seide an mir und Zeltchen brüllte mit den Gefährten um die Wette im sonnenbeglänzten Gras. Am Abend blies Rüben, der Hirt der Angoraziege, die Flöte, und Zipporah und Ezer und die kleine Naomi und noch einige Kleinen sansen dazu mit ihren dünnen Stimmen. Es war ein nie gehörtes Lied und dennoch so bekannt, als klinge darin meine eigene Kindheit. Doch nein! Meine Kindheit war bedrückend und schwül, hier aber sangen die munteren Träger der dreitausendjährigen Geschichte meines Stammes aus fröhlichem Herzen, die ureigene Sonne über dem Haupt, den väterlichen Rasen unter der Sohle. O glückliches Maifest, an dem meine Kinderjahre müde vorbeigefahren sind! Jetzt bist du endlich da. Meinen Kindern bist du zum Wochentag geworden auf meiner Traumsiedlung, die für sie des Lebens Siedlung wird. Als ich mich dann auf dem Heimweg befand, war die Hitze verschwunden, es herrschte kühler Abend. Der Viertelmond schaukelte am Himmel und die Sterne glühten gleich brennenden Pünktchen. Ich blickte seitwärts, das Auge ins Tal geheftet. An der Seite hinter den Hügeln ein schilfbewachsener Sumpf, Frösche singen traumhaft und hie und da läßt ein heinikehrender Wasservogel ein Schnurren ertönen. In der Ferne des Tales eilt ein Fluß dem Meer zu und wiegt in sich dem lichtentflammten Himmel. Ein Fluß! Wasser! Wie leicht wäre das, denke ich mir. Man brauchte nur ein paar Hügel zu durchbrechen und das Sumpfwasser ergöße sich in den Fluß. Ein Äderchen führte ich durch mein Feld und würde damit die Gerste, die Kartoffel begießen und den Reis, den Reis, so daß Abu Abdullah keinen Grund zun Lachen mehr hätte. In der Nacht fand ich keinen Schlaf. Das war die erste Nacht, die ich in der Stille Tel-Chaloms ruhelos verbracht habe. Wenn ich nicn Ohr dem Strohpolster entriß, vernahm ich ein Geheul. Schakale? Wie gedehnt sie heulten. Bis jetzt habe ich kaum gewußt, daß es eine Nacht gibt und daß sie so endlos sein kann. Ich habe mich einfach gelegt, streckte mich ein wenig, atmete tief und als ich die Augen aufmachte, graute bereits der Morgen. Von früh bis abends sah ich keine Sonne, vom Schlafengehen bis zum Aufstehen keine Nacht. Draußen auf dem „Mohnkuchen" wurde mir der Tag und zu Hause im Bett die Nacht zur Wirklichkeit. Warm war die Nacht und lang . . . mit hundertmeiligem Geheul maß sie der Schakal . . . lang war sie, entsetzlich lang. — - jischaj, schläfst du nicht? — fragte Beracha. — Nein. — Was fehlt dir? — Nichts. — Nicht wahr, es war schön draußen? ~ Ja- — Waren die Amazonen draußen? — - Ich habe sie nicht gesehen. — Auch Penina war nicht dabei? — Wer ist sie? — Aineris Weib. — Niemand war draußen, nur di —- Was also . . .? -— Mir fehlt nichts — sage ich wird sich doch erholen. Kinder, mir scheint, die Gerste

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