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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Zur Moses Mendelssohn-Ausstellung in Dessau
Date
1925-10-01
Page
Seite 217 (sequence 3)
Language
German
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MENORAH 217 sophe niauvais protestant de donner 1c privilege a un philosophc mauvais juif. II y a trop de philosophie dans tout ceci que la raison ne soit pas du cote de Ja demande." Was jedoch die meisten Besucher dieser Ausstellung am höchsten interessiert haben mag, das war zweifellos das Stammbuch von Herz Homberg, dem von Mendelssohn sehr geschätzten Hauslehrer seiner Kinder und späteren nicht gerade sehr mendelssohnisch auftretenden Organisator des jüdischen Schulwesens in dem josephinisch beglückten Galizicn. Dieses Stammbuch enthält die Silhouetten von Moses Mendelssohn, seinen Familienangehörigen und seinem Freundeskreis, sowie Eintragungen von Mendelssohn, Fromct, David Friedländer, Hartwig Wessely, Markus Herz, dem Mann der Henriette Herz, und anderen Zeitgenossen und machte gerade deshalb dem, der es durchblättern durfte, diese Epoche der jüdischen Geschichte, der Mendelssohn den Namen gab, geradezu greifbar lebendig. So gelangte man, nicht zuletzt durch dieses Stammbuch, zu einem die Einzeleindrücke dieser Ausstellung zusammenfassenden Urteil über die Persönlichkeit Moses Mendelssohns, das nahe herankommt an die Auffassung, die sein Thronfolger im Lager der jüdischen Aufklärer, der Berliner Stadtrat David Friedländer, einst in, die geplante Denkmalsaufschrift zusammengepreßt hatte: MOSES MENDELSSOHN Unter allen selten Unternien Scinigcn der Einzige. DER MÖRDER VON EUGEN HOEFLICH (M. j. ben Gawriel) i. i-v.riSrizn.i<: Als Maschinenreisender und dessen Frau überschritten wir zwei Monate später mit wichtigen Aufträgen der Kampforganisation die russische Grenze kurz nach Ausbruch des Krieges. Nun, meine Herren, trat einer jener Zufälle ein, die wir unglaubwürdig finden, wenn wir von ihnen in Romanen lesen, auf die wir aber im Innersten unseres kindhaften, phantasiereichen, ewig hoffenden Herzens stets ein wenig warten, wenn wir dem Rande der Verzweiflung nicht mehr fern sind. Nun trat jener Zufall ein, der meine sonst ruhigen Nerven mit einem schier zum Wahnsinn aufriß. Ich war in Kiew angekommen und ging vom Bahnhof in die Stadt, als eine Gruppe von Offizieren mir entgegenkam. Ich blieb stehen, um sie auf dem schmalen Gehsteig vorbeizulassen. Da ließ mich der Klang einer Stimme aus dieser Gruppe aufsehen und ehe ich meine Gedanken noch orden konnte, erkannte ich in einem dieser Männer den Mörder. Das Bild des Pogroms stand im Augenblick wieder vor mir und ich wußte im nächsten Moment mit vollendeter Sicherheit, daß ich mich nicht täuschte. Ein wenig älter geworden war er wohl, aber seine Flaltung war dieselbe und seine Stimme war dieselbe geblieben, die ich im Ohr getragen hatte alle die Jahre hindurch. In meiner Erregung stieß ich einen Schrei aus und ließ meinen Koffer fallen. Die Offiziere blickten auf und einer von ihnen sagte wegwerfend: „Ein betrunkener Jude." Der Schrei aber hatte mich wieder zur Besinnung gebracht. In einer gewissen Entfernung folgte ich den Offizieren. Sie betraten ein vornehmes Hotel, dessen Portier mir den Eintritt mit einem verächtlichen Blick, der meinem abgetragenen Anzug galt, verwehrte. Ich lächelte, trotz meiner Erregung, über diese Abweisung. MOSES MENDELSSOHN-DENKMAL VON H. 1IOITMLIS7 ER IN DESSAU Wie toll rannte ich zum Tclcgraphcnamt und rief Nadja, die in Warschau geblieben war, nach Kiew. Ein dunkles Gefühl sagte mir, daß ich ihre Hilfe brauchen würde. Es gelang mir in der Nähe des Hotels ein Zimmer zu bekommen. Zwei Tage trieb ich mich vor dem Eingang herum, vergaß Speise und Schlaf und einmal glaubte ich den Offizier zu sehen, doch che ich mich ihm nähern konnte, hatte er ein Auto bestiegen. Endlich kam Nadja. Sie war augenblicklich einverstanden, etwas zu unternehmen, dech konnten wir über die Art der Ausführung nicht schlüssig werden. Endlich beschlossen wir, daß Nadja sich dem Offizier nähern sollte. Am nächsten Morgen ging sie in das Hotel, um unter einem Vorwand nach ihm zu fragen. Ich wartete ungeduldig an der nächsten Straßenecke. Nach kurzer Zeit kam sie zurück und wiederholte mechanisch die Worte des Portiers: ,,Der Herr Oberstleutnant Popow ist heute nach Warschau abgereist." Ich taumelte an die Hausmauer und ein scharfer Schmerz fuhr mir in den Kopf. Nadja ergriff meinen Arm und zog mich in die nächste Seitengasse. ,,Die ganze Stadt ist voll Spitzeln", flüsterte sie mir zu. Schweigend, ohne Überlegung, gingen wir dem Bahnhof zu. Am folgenden Tag waren wir in Warschau. Die Stadt bedrückte mich, ich weiß nicht warum, und gerne hätte ich sie verlassen. Aber die Hoffnung ließ mich alle anderen Gefühle unterdrücken. Ich sprach zu Nadja nur das Allernctwendigste, eine erbärmliche Unruhe hatte mich erfaßt und ich dankte ihr kaum, als sie mir am Abend mitteilte, daß er dem Hauptquartier zugeteilt sei und in einem Hotel auf der Nalewka wohne. Ich verbrachte die Nacht schlaflos. Am nächsten Morgen vor dem Hotel, das mir Nadja bezeichnet hatte, auf und ab gehend, überdachte ich alle Möglichkeiten und unablässig mit mir beschäftigt, übersah ich es, daß zwei Leute mir Schritt auf Schritt folgten, bis sie plötzlich, mich in die Mitte nehmend, auf mich zutraten und mich nach meinem Paß fragten. Es war dies in jener Zeit, da jeder zehnte Mensch ein Deserteur oder Spion und jeder Fünfte ein Agent der Militärpolizei war, keine Seltenheit. Uninteressiert reichte ich ihnen meinen Paß hin. Der eine von meinen Begleitern begann ihn zu untersuchen, während der andere mich nicht aus dem Auge ließ. Ich hingegen betrachtete ununterbrochen den Hoteleingang, bis plötzlich der Erste meinen Paß in die Tasche steckte, auf mich zutrat und mich für verhaftet erklärte. Ungläubig schaute ich ihn an, dachte an eine Verwechslung und -wollte mit einem Achselzucken weitergehen. Im nächsten Augenblick aber packten sie mich an den Händen und der, der meinen Paß eingesteckt hatte, sagte: ..Euer Hochwohlgeboren gefallen mir nicht! Komm mit aufs Polizeiquartier, wir wollen sehen wie es mit dir steht." Ohne Widerstand ging ich mit, denn ich war sicher, daß mein Paß in Ordnung war, aber ich hatte in der Aufregung der letzten

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