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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Zur Moses Mendelssohn-Ausstellung in Dessau
Date
1925-10-01
Page
Seite 215 (sequence 1)
Language
German
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M E N O R A H 215 Zur Moses M e n d e 1 s s o h n - A u s s t e 11 u n g in Dessau VON DR. J. JACOBSON-HERMSDORF GESTOCHEN VON CHODOWIECKI Soweit man bisher in Deutschland Ausstellungen mit irgendwie anklingendem jüdischen Charakter veranstaltet hatte, gaben sie entweder, wie die Sonderabteilung aut der Hygiene-Ausstellung in Dresden — die bald in Düsseldorf ihre Parallele finden wird einen Ausschnitt aus der Gesamtheit jüdischen Lebens, oder wie die jüngst veranstaltete Frankfurter Ausstellung einen Überblick über die Geschichte einer jüdischen Gemeinde, aber nur ganz selten gruppierten sie sich um eine Einzelpersönlichkeit. Darum ist (;>' f i > / ' Jl c^Kr<j es wor»l angebracht, der wohl- V/:'Ja %'.-J^a--tY~J'*~r J^jki\ gelungenen Moses Mendelssohn-Ausstellung zu gedenken, die jüngst in Dessau von der staatlichen Bibliothek, der Landesbücherei, zusammengestellt und gezeigt wurde. Nicht isoliert und plötzlich war in Dessau der Plan zu dieser Ausstellung aufgetaucht, sondern organisch und wohlbewußt war er entstanden. Eingegliedert in einen Kranz alternierender Aufstellungen, die die anhaltinische Geschichte veranschaulichen und Leben und Lebenswerk der Männer darstellen sollten, deren Dessau sich gern als seiner großen Heimatgenossen rühmt, war diese Moses Mendelssohn-Ausstellung erwachsen. Diese Ausstellung war also — das begreift sich leicht — nur mittelbar eine jüdische Ausstellung, sie betonte das — wenn auch ungewollt — noch dadurch, daß sie Moses Mendelssohn vornehmlich als einen Exponenten der Philosophie seines Zeitalters herausstellte und sich auch noch, wenn auch nur andeutungsweise, auf die wichtigsten Vertreter der Aufklärungsphilosophie erstreckte, mit denen er in freundliche oder feindliche Berührung gekommen war. Gerade dadurch aber trat dem nachspürenden und unterrichteten jüdischen Besucher dieser Ausstellung die Bedeutung Moses Mendelssohns und ihre Besonderheit ins rechte Licht. Denn durch diese Zusammenstellung wurde man fast unwillkürlich dahin gebracht, Mendelssohn seinen gebührenden Platz im Kreise der Lessing, Nicolai, Thomas Abbt, Garve, I. I. Engel, Sulzer, Ramler, Lavater u. a. einzuräumen, ihn in dem großen Zusammenhang der allgemeinen Bildungsbestrebungen seiner Zeit zu sehen, in dem ihm die Geschichte nur seine Sonderstellung zugewiesen hatte. Diese Sonderstellung nun rührte — und das ist das Entscheidende — nicht von Mendelssohns philosophischen Werken als solchen her, wenn sie allein auch Anlaß genug für eine Heimatausstellung geben mochten, sie ist vielmehr einzig und ( allein darin begründet, daß der Jude Mendelssohn diese Werke geschrieben hat und erklärt sich aus der historischen Situation, in der das geschah. Es bedeutet ein hohes Lob für die Dessauer Ausstellung, daß sie die Erwartungen, die man ihr, erfüllt von dem Wissen um diese besondere historische Situation, gewissermaßen aus einer doppelten Sphäre her, entgegenbrachte, in erfreulicher Weise erfüllte. Die Schaffensfröhlichkeit des jungen Leiters der anhallinischen Landesbücherei, des Herrn Dr. Paul Wahl, der mit dem Eifer des modernen Bibliothekars die gerade für das I 8. Jahrhundert in glücklicher Reichhaltigkeit vorhandenen Schätze der Dessauer Staatsbibliothek für seine Ausstellung nutzbar und lebendig machte, das verständnisvolle Interesse der jüdischen Gemeinden von Dessau und Berlin und das pietätvolle Entgegenkommen von Nachkommen Mendelssohns und von privaten Sammlern haben in schönem Zusammenklingen es zuwege gebracht, daß diese kleine Musterausstellung den Begriff von dem vermittelte, was Mendelssohn war und was er uns ist — vermittelt, soweit überhaupt auch die best organisierte Ausstellung solches vermag. Als Sohn des Thoraschreibers Mendel wurde Moses Mendelssohn am 6. September 1 729 zu Dessau in jenem niedrigen Zimmer des kleinen Häuschens schräg gegenüber der allen Judengasse geboren, das auch heute noch den Eindruck der Dürftigkeit und Kümmerlichkeit wachhält, die Mendelssohns erste Lebensperiode umfing. An den Beruf des Vaters erinnerte in sinniger, hauptsächlich auf die christlichen Besucher wirkenden Weise eine Thorarolle, die die Dessauer Gemeinde zusammen mit anderen, zum I eil sehr bemerkenswerten Kuligegenständen hergeliehen hatte. Von Dessau aus zog der Vierzehnjährige seinem Lehrer Rabbi David Fränkel, dem berühmten Kommentator des jerusalemitischen Talmuds, im Spätherbst des Jahres 1 743 nach Berlin nach, getrieben von dem Drang nach geistiger Ausbildung, den keine Schwierigkeit noch Not erschüttern konnte. Und nun begann der Jugendkampf, der uns allen bekannt ist. Mit der vom Vater ererbten schönen Handschrift durch Abschreiben hebräischer Manuskripte sich kaum das Allernötigste zum Leben erwerbend, verwandte er all seine freie Tag- und Nachtzeit auf das „Lernen" und auf die Aneignung profanen Wissens, das er auf mannigfach verschlungenen Wegen errang. Endlich Hauslehrer bei dem reichen £eidenfabrikanten Bernhard geworden, konnte er dann in Muße sein allgemeines Wissen abrunden und langsam in seriösen Kreisen der Berliner Gelehrtenwelt Zutritt finden. Das Jahr 1 754 brachte dann die bedeutungs- und zukunftsschwere Bekanntschaft mit Lessing, der damals als „Zeitungsschreiber" in Berlin sich kümmerlich durchschlug. MOSES MENDELSSOHN ROTEl.l'ORTRAT VON CHODOWIECKI

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