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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Von unseren jungen Künstlern
Date
1925-10-01
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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MENOR AH 211 „Laßt uns eine Stadt und einen Tann bauen ..." Aus H.-rm;..... I-Vcl.riik.di: Di.- Bil.,-1 in ihren Elementen. 6. „Mit Herrlichkeit und Schönheit krönst Du ihn, machst ihn zum Herrn über Deine Werke" (ausnahmsweise aus einem Psalm, 8, 6—7) : Am blumigen Hügel, vor dem mit allerhand Getier belebten Ackerland die ersten Menschen. 7. „Er vollendete sein Werk mit dem siebenten Tag und segnete ihn": Das Menschenpaar in feierlicher Gebärde, über der ruhenden Erde die zarte Krone des Sabbaths. 8. „Es sah das Weib, daß gut der Baum": Eva langt nach dem Apfel, am Baumstamm die Schlange, auf der Erde der schlafende Adam. 9. „Gehört habe ich Deine Stimme und fürchtete mich": Die Schlange ringelt sich abwärts, das Paar verbirgt sich im Gebüsch, ein Blitz fährt nieder. 1 0. „Er vertrieb den Menschen und stellte den Cherub auf, mit flammendem Schwerte": Bedroht von einem sphinxhaften Wesen, beschreiten die Menschen die dornige Erde. 1 1. „Gott wandte sich zu Abel und seiner Gabe, aber zu Kain und seiner Gabe wandte Er sich nicht": Gerade steigt der Rauch des Opfers vor dem knieenden Abel als Ausdruck seiner Huldigung, krumm ziehen die Schwaden aus den Garben Kains, der sich mit neidvoller Wendung nach dem Bruder umblickt. 1 2. „Wo ist Abel dein Bruder?": Unter flammendem Gewölk liegt der Tote auf dem Sandhügel. 13. „Verflucht bist du vom Boden, der getrunken hat deines Bruders Blut": Kain flieht mit zerrissener Gebärde durch die überall in Schründen geöffnete Erde. 1 4. „Er baute eine Stadt und nannte sie nach seinem Sohne Chanoch": Im Hintergrunde eine starke Festung, vorn schwingt der erste Städtebauer den Hammer über dem Schlußstein seines Werkes. 15. „Jabal, der in Zelten wohnende Hüter von Herden": Der Hirt mit seinem Hündchen, auf dem Hügel die Herde, im Tale das Zeltlager. 16. „Der Bau der Arche": Hinter dem Gerüst der Schiffskörper, im Vordergrund der staunende und spottende Pöbel. 17. „Je zu zweien kamen sie zu Noah in die Arche": Den Hang hinauf ziehen geordnet die Paare der Tiere über einen Steg zur offenen Schiffstür, oben schwärmen die Vögel in die Lücke. 18. „Alles, was Lebensodem in seiner Nase hatte, starb": Unter den schweren Regengüssen, vor den andrängenden Fluten türmt sich links das Gewimmel der rettungsuchenden Menschen. 19. „Er schickte die Taube von sich, um zu sehen, ob leichter geworden die Wasser": Vor dem schrägen Fenster hält Noah Ausblick auf den wüsten Raum, in dessen lichteren Teil die Taube entfliegt. Das ist der Inhalt der Szenen, die Fechenbach auf ihre markantesten Augenblicke hin abgesucht, die er meist in prägnante, immer in einfache Fassungen gebracht hat. Denn die beste Eigenschaft seines Werkes ist — man mag an den religiösen Antrieb oder an die bildhafte Gestaltung denken — Naivität. Wie immer es gerät, es kommt aus dieser reinen Quelle. Das Einfach-Einfältige gilt schon für sein Handwerk. Es sind durchwegs Vignetten, also Bestandteile des Buchschmuckes, die den Text begleiten, darin nicht weniger deutsch wie in der deutschen Technik des Holzschnittes. Allesamt Quadrate, halten sich die ersten acht im gleichen kleinsten Format, womit schon die Szenen „liehe deine Augen und sieh ..." der Schöpfungsgeschichte als eine geschlossene Gruppe hervortreten, die späteren brauchen für die dramatischen Schicksale der Menschen, von denen sie erzählen, größeren Raum. Aber auch der bleibt so knapp bemessen, daß die Hand zum sparsamsten Haushalt mit dem darstellenden Mittel zum bündigsten Ausdruck gezwungen wird. Die Schwarz-Weißkunst Fechenbachs verzichtet von vornherein auf die Details der Schilderung, auf die Intimitäten des seelischen Vorganges. Das mag an den urtümlichen und heroischen Gegenständen liegen, die sie behandelt, es liegt aber auch an ihrer Auffassung des Holzschnittes. Am Anfang — etwa in der Sammlung der Gewässer, in der Erschaffung der Vögel und Fische und in der oberen Hälfte des Sabbaths — kommen noch Blätter mit scharfen, fadendünnen Partien vor, die von der Nadel geritzt sein könnten. Aber je später je mehr hält sich der Künstler an die ursprünglichen, derberen Eigenschatten von Block und Messer, er bevorzugt den kräftigen Splitter, das breite Bett für den Farbstoff. Und gewinnt auf diesem Wege die Möglichkeit, die altdeutsche Technik mit modernen Spannungen zu füllen. Von Beginn an will er nicht die naturlich erzählende Illustration, sondern vielmehr ihre Stilisierung, wodurch schon der Gegenstand dem liebenswürdig-gefälligen Genre entrückt und in eine erhabene Sphäre gebracht wird. Schon von Beginn an will er das Ornament. Aber er ist seiner Form noch nicht sicher. Denn er gleitet gelegentlich ins Dekorative. Dafür bietet das zierliche Blatt mit dem Seegetier ein erstes Beispiel, das flach ausgebreitete Blätterpaar nach dem Sündenfall (Nr. 9 und 10) ein zweites. Doch seither ist diese schmuckhafte Form endgültig abgetan, die andere: das expressive Ornament obenauf. Bis zuletzt bleibt es nicht frei von jenen Unzulänglichkeiten, die das Gebiet der menschlichen Figur betreffen. Der große, beredte Umriß der Gebärde, den er immer sucht, wird nur zuweilen ganz — etwa im betenden Abel und im landflüchtigen Kain — getroffen. Sonst leiden die Gestalten noch an allerlei Ungeschicktem oder Unklarem, namentlich in ihren Gliedern und bei ihrem wimmelnden Gemenge. Doch auch dann entschädigt der Künstler durchs Ganze, durch die Ökonomie und Energie der Komposition. Übrigens ist er ja noch auf dem Wege, nein, auf der ersten Strecke seines Weges. Und die reinen, starken Blätter Nr. 1, 4, 11, 13, 14, 16 und 17 bekunden schon zur Genüge, daß dieser Weg gut ist, daß er gerade aufwärts führt. Für das Unternehmen einer würdig geschmückten Judenbibel, das nach so vielen Versuchen noch immer eine offene Frage geblieben ist, bringt der junge Fechenbach neben der klaren Einsicht in seine Aufgabe, neben der reifenden Gestaltungsgabe seiner Hand als Köstlichstes die edle Innigkeit seines Glaubens mit. So ausgerüstet, braucht er nur noch den Boden unserer Väter unter sich, um zu geben, was wir und tausende mit uns schon seit langem wünschen: eine schlichte, volkstümliche Begleitung der heiligen Schriften durch eine charaktervolle Kunst des Bildes. Max Kislvr

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