Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1925)
- Article
- Warum Moses nicht lachte, als er klein war
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
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MENORAH 199 sprang auf, faßte die Prinzessin an der Hand und zog sie mit sich fort. „Komm!" Leichtfüßig eilte er an der Wand entlang, bis zu einer Stelle, wo an Ringen schwere Portieren niederhingen, und schnell zerteilte er die Vorhänge . . . Ein unterdrückter Schrei — leises Rascheln — die Prinzessin tritt hinter den Vorhang und sieht, wie eine Frau in ärmlichen Kleidern, scheu, mit gesenktem Kopf nach der Wand zurückweicht. „Wer war das?" „Meine Mutter." „Deine Mutter? — Was hat sie hier getan?'* „Sie kommt, um mir heimlich zuzusehen, wenn ich spiele." Kaum hörbar hatte Mose gesprochen, dann hob er langsam den Kopf und sah die Pharaotochter an. Und diese Trauer in den klaren, tiefen Kinderaugen konnte sie nicht ertragen. Sie schlug die Hände vors Gesicht und eilte aus dem Zimmer. (Autorisierte Übersetzung a. d. Russischen von Berta Sohiratzki.) C H A C H Geleitet von Richard Re'ti AKIBA RUBINSTEIN Wir haben in unserem Bericht über das Marienbader Turnier darauf hingewiesen, daß Rubinstein, der nach dem Kriege nur geringe Erfolge hatte, in den beiden letzten Turnieren (Baden-Baden und Marienbad) sich seiner einstigen Größe wieder genähert hat. Wir haben hervorgehoben, da« dies vom schachsportlichen Standpunkte aus wohl das bemerkenswerteste Resultat dieser Turniere ist, denn ein Rubinstein redivivus ist ein neuer Anwärter für die Weltmeisterschaft, ein Rivale Capablancas und Laskers. Dies ist um so bedeutungsvoller vor dem großen Moskauer Turnier, welches am I. November beginnen wird, da hier nach langer Zeit wieder einmal alle erstrangigen Meister zusammentreffen dürften, und so eine Generalrevue über das gegenwärtige Können abgehalten werden wird. Für uns, die wir nicht den sportlichen, sondern den rein schachlichen Standpunkt obenan stellen, ist die Bedeutung Rubinsteins längst unabhängig von momentanen Erfolgen oder Mißerfolgen. Nach Stein itz und Lasker ist er der dritte große Meister, den das Judentum der Schachwelt geschenkt hat. Wir wollen versuchen, im folgenden Rubinstein, den Menschen und Schachspieler, zu zeichnen. Rubinstein ist ein Ostjude, in Lodz geboren und erzogen. Seine Bildung war aber nicht die praktische des dortigen Handelslebens, sondern die weltfremde des ostjüdischen Geisteslebens. Sein Studium war der Talmud. Die Ostjuden, die das Schicksal aus ihren so anders gearteten Traditionen und Milieu weg nach Mittel- und Westeuropa führt, haben es wohl alle nicht so leicht, sich hier zurechtzufinden, sich anzupassen. Und so kann man oft zwei Extreme beobachten: Die einen, die sich dazu entschlossen haben, stolz und unbekümmert an ihrer heimischen Eigenart festzuhalten; die anderen, die ängstlich jeden Anstoß vermeiden wollen und sich deshalb scheu in sich zurückziehen. Es ist selbstverständlich, daß Rubinstein, der Schachspieler, der Künstler, zum zweiten Typus gehört. Immer zurückgezogen, vermeidet er alle Geselligkeit. Da er in seinem Wesen nichts Heftiges, Scharfes hat. hat jeder ihn gern und doch hat er keine nahen Freunde; dazu ist er zu wenig zugänglich und scheut vor jeder seelischen Annäherung zurück. Diese Charakteristik bringt uns auch dem Schachspieler Rubinstein näher. Steinitz war mindestens ebensosehr Lehrer als Schachspieler, d. h. sein Leben erschöpfte sich nicht darin, unvergängliche Schachpartien zu spielen, mindestens ebenso wichtig war es ihm, seine neuen Theorien auszubauen, zu lehren und anerkannt zu sehen. Für Lasker, den vielseitigen Mathematiker und Philosophen ist das Schach ein Stein in einem großen Gedankengebäude, an dem er arbeitet. Für Rubinstein, der sich vom Leben scheu abgewendet hat, ist das Schach sein Leben, sein Universum. Und darum wirken viele Partien Rubinsteins mehr als die anderer Meister als Kunstwerke, als Mikrokosmen, in denen jedes kleinste Detail mit unendlicher Liebe und Hingebung ausgearbeitet und zum Leben erweckt ist. Wir bringen nun zum Abschluß eine Partie Rubinsteins aus dem letzten Turnier zu Marienbad. Wir wählen absichtlich keine echte Rubinsteinpartie, keine jener tief angelegten Positionspartien, da diese auch nur sehr schwer verständlich sind. Die folgende Partie, die mit einem Brillancypreis ausgezeichnet wurde, zeigt uns vielmehr, daß Rubinstein gelegentlich auch Kombinationsparlien im Stile Andersens und Morphys spielen kann. Weiß: Rubinstein. Schwc irz: }s 1. c2 - c4 Sg8 f6 2. d2 d4 b7 b6 3. Sbl c3 Lc8 b7 4. Ddl c2 e 7 e6 5. e2 c4 Lf8 b4 6. Lf 1 - -d3 c7 c5 Dies ist nicht gut, da Weiß nun rainübergewicht erhält. 7. d4 d5 e6 X d5 8. e4 X d5 b6 ■~b5 9. b2 b3 0 0 10. Sgl e2 d7 d6 t 1. 0 - 0 b5 Xc4 12. 13. b3 X c4 f2 f4 Sb8 d7 Sonst befreit Schwarz sein Spiel durch Se5 14. Se2 g3 Lb7 —a6 Janowski greift in dieser Partie auf dem Damenflügel an, ohne am Königsflügel gesichert zu sein. Dadurch erhält Rubinstein bald Gelegenheit zu entscheidenden Angriffswendungen. 15. Sc3 e4 Sf 6 16. Sg3Xe4 Sd7 e4 b6 Für unsere Joseph Die Fortsetzung der erwähnten falschen Strategie. Geboten war Sf8, um den Königsflügel zu schützen. 17. Lei b2 ......... Hier scheint 17. Sg3 oder 17. Sg5 eine präzisere Angrirfsforlsetzung zu sein. Denn nach dem Textzuge könnte Schwarz durch das chancenreiche Qualitätsopfcr T X e 4 nebst SXc 4 Gegenspiel bekommen. 17.......... f7 f6 18. Tf 1 -13 Te8 f8 Es gibt nun wohl mehrere Wege zum Siege. Der von Rubinstein gewählte ist ebenso klar ,ils schön. 19. Se4 g5 t6Xg5 20. Ld3Xh7-i- Kg8 h8 21. Lb2 X g7 4- Kh8X g7 22. Dc2 - g6 t- Kg7 h8 23. Tf3 h3 Dd8-- d7 24. Lh7 - g8-|- Dd7Xh3 25. g2Xh3 ......... Schwarz gibt auf, da auf TXg8 mit Dh6 ein hübsches Matt erfolgt. Kleinen und seine Brüder ''Fortsetzung und Schluß) III. AKT. Ti und Juda, später Benjamin. Ti : Hebräer, hör', ich muß Dich schelten. Mit Bösem Gutes zu vergelten Ist Deine Art, die Deiner Bruder! Drum brachte ich hierher Euch wieder! Ich mußte jetzt zurück Euch holen, Denn Ihr habt meinen Herrn bestohlen. Ja, seinen Silberbecher, den Er stets benutzet, prächtig schön. Habt ihr genommen, hört's Hebräer, So ist es doch! Nun schnell, gesteh Er! Juda : Nein, niemand stahl Avas Deinem Herrn. So etwas liegt uns gänzlich fern. Hör nur — sehr groß war unser Schrecken. Als unser Geld in unsern Säcken, Wir brachten Dir es — höre an Zurück mit uns aus Kanaan. Wie sollten wir da Becher stehlen?! Laß ab, laß ab, uns so zu quälen! T i : Wer weiß, was mit dem Geld geschah? Nun gut! Es ist jetzt wieder da! Das aber ist ein mächtig Frecher, Der meinem Herrn gestohl'n den Becher! Ich sagte gleich dem Herrn: Nur Späher Und Diebe sind die Kananäer, Gesteht! Benjamin kommt. Benjamin : Was will der Haushofmeister? F i : Du kleiner frecher Mann, Du dreister! Hast Du den Becher? schnell ihn gib! Benjamin : Ich bin gewiß kein Silberdieb. Juda: Genug des Schimpfens und der Reden, Durchsuch' den Sack jetzt eines jeden Von uns; wird sich der Becher zeigen. So sei der Dieb dem Herrn leibeigen. Sein Sklave sei er allezeit. Ti : So sei's! Die andren sind befreit. Zu Benjamin. Gib Deinen Sack, ihn aufzubinden! Benjamin : Such', suche nur! Du wirst nichts finden! T\ : Ich suche schon. - Benjamin : Gib Mühe Dir! Ti : Oho! den Becher find' ich hier! Nimmt den Becher heraus. Benjamin (umarmt Juda) : Unmöglich, Bruder, glaub' es nicht! T lX Was, immer noch der Kleine spricht? Zu meinem Herrn, ihm dies zu künden, Schnell, schnell! Ihr büßt für Eure Sün den! Juda : Was tun? Kommt's Deinem Herrn zu Ohren, So sind wir allesamt verloren.