Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1925)
- Article
- Der "Chossen Bocher"
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH 159 GRIGORY GLÜCKMANN „AM TOR" (AUS DER FOLGE: IN EINER ALTEN STADT» schüttelte die Hand — „so etwas Feines ist nicht alle Tag zu haben", pries er die Partie an. „Noch drei Jahr' — dann wollen wir reden", beschwichtigte Reb Elie Mordche seinen Zorn ob der neuerlichen Absage. Davidl war bereits 15 Jahre alt. Dort saß er im Winkel mit seinem Rebbe, wie alljährlich um dieselbe Zeit. Es war nämlich „Tünche" im Dachstübl. Ein köstlicher Spätmärztag. Alles atmete Frühlingserwachen. Elie Mordche saß hinter dem Schanktisch und sah mit glückstrahlenden Augen auf den Sohn, hörte zu mit gespannten Ohren: „Und wenn zwei durchs Feld gehen und sprechen über die Lehre und der eine sagt: sieh, wie schön ist der Baum — dann hat er einen Mord begangen" (nämlich in demSinne: er hat durch die rein sinnliche Bemerkung einen Gedankengang unterbrochen, der vielleicht ein ungewöhnliches, heilbringendes Resultat gebracht hätte), sprach im üblichen Singsang, das Haupt über den Folianten gebeugt, Davidl. In demselben Augenblick erklang eine silberhelle Stimme vom Eingang her und mit einem resoluten „Gott mit Euch" betrat Marischka, die Dorfschönheit, das Lokal. Davidl erhob plötzlich den Kopf und seine Augen schienen wie gebannt von der Pracht der 18 Jahre, die Marischka so selbstbewußt und froh zu tragen schien. Eine tiefe Röte bedeckte langsam das Gesicht des Knaben und zum größten Entsetzen des Vaters und Lehrers fragte er mit seltsam vibrierender Stimme: „Was wünschest du denn?" Doch — als würde er sich der Ungeheuerlichkeit bewußt, die er eben begangen, — ließ er seinen Kopf auf den Folianten sinken, vergrub das Antlitz in den Blättern und begann am ganzen Leibe zu zittern. Der Rebbe saß da und schnappte förmlich nach Luft — so entrüstet war er über den geschehenen Frevel. Reb Elie Mcrdechai aber starrte eine Weile auf den Sohn — dann schlich er ohne ein Wort zu sagen hinaus, vor das Haus, durch den Vorplatz ... ins nahe Feld . . . weit ging er in tiefes Sinnen verloren. Nach einer Stunde kehrte er zurück und ließ einspannen. „Wozu?" fragte erstaunt seine Frau — du hast doch erst neulich einen größeren Einkauf besorgt! „Nicht deswegen. Es ist eine wichtige Sache. Ich muß noch heute im Städtchen sein" — damit rollte Elie Mordche auf seinem Wägelchen den Fahrweg entlang. „Reb Schlome — guten Morgen", grüßte er den Chasen ein wenig verlegen. „Boruch haba — ein großer Gast", bewillkommnete ihn erfreut und erstaunt zugleich der Gelegenheitsschadchen und wartete ehrerbietig, was ihm der Besuch zu sagen hätte. „Reb Schlome . . . ich habe mir die Sache von gestern überlegt." „Den Schiduch" — Schlomele sprang erfreut auf — ,,hab' ich nicht gleich gesagt, es ist ein goldener Schiduch", rief er triumphierend. „Ich glaub* ihr habt Recht gehabt", bestätigte Elie Mordechai. „Ich will mich noch genau erkundigen. Und wann alles paßt und jenes Zad wird auch wollen ..." „Ob sie werden wollen," ruft Reb Schlome eifrig, „warum sollen sie nicht wollen — so ein Illuj scheb'IIluim und Reb Elie Mordechais ben achad!" „Dann wird m'ruzah haschem Schabbath Nachmu Verlobung sein — und Schabbath Chanuka Hochzeit", fügte Schlomele hinzu. „Vielleicht! Vielleicht erst später — es wird sich zeigen — ich glaub' man kann mit der Hochzeit noch ein Jahr warten" damit empfiehlt sich Reb Elie Mordechai und kehrt sichtlich erleichtert und beruhigt nach Hause zurück.