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Menorah · 1925-06-01 · Heft 6 (Juni 1925) · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 6 (Juni 1925)
Article
Unsere Mutter
Date
1925-06-01
Page
Seite 143 (sequence 2)
Language
German
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MENORA H 143 vormittags revidierte Mutter unsere Kasten und Laden, und da bekamen wir oft zu hören: „OicIiuiiyj, machen ist nicht schwer, eine Lade ist schnell aus- und wieder eingeräumt, aber Ordnung h alte n, das ist etwas ganz, anderes!" Die Angst vor diesen Revisionen lag uns in allen Gliedern, so zwar, daß ich als junge Frau, als ich plötzlich die Nachricht bekam, Mutter käme morgen, in größter Aufregung alle meine Kasten und Laden aufs sorgfältigste nachsah. Übrigens wäre es unrichtig, aus diesen Beispielen zu folgern, daß wir uns vor der Mutter fürchteten. Keine Spur! Sie war streng, aber sie war die liebevollste, aufopferungsfähigste Muller unter der Sonne. Und wir talen ihr nur sehr ungern weh. Das bewiesen wir schon durch unsere ,,Verzeihungsbriefe", d. h. Briefe, in denen wir um Verzeihung baten. Ich erwähnte, daß die Litern in den ersten Jahren ihrer Lhe zuweilen in das Kunzsche Bielhaus gingen, wo sie mit anderen Freunden zusammentrafen. Das geschah aber immer erst nach, dem Abendessen, und sie blieben nur eine, höchstens anderthalb Stunden fort. Diese Zeit benül/.len wir. das große Kinderzimmer sehr n- U aufzuräumen — gekehrt und gelüftet wurde es während des Abendessens — jedes Kind bekam die Kleider, von der Schürze bis zu den Strümpfen, ordentlich auf dem Sessel neben den) Bett geordnet, und so weit ging unsere Ordnungsliebe, daß wir die Kleinen verhielten, wie Puppen im Bett liegen zu bleiben, die FIäiide gerade auf der Decke ausgestreckt. Und dann schrieben Rosa, Jelly und ich rasch die „Ver/cihungsbriefe" und beflissen uns darin einer sehr gewählten Ausdrucksweise. Und heule noch lachen wir unter f ränen, wenn wir unsere älteste Schwester Rosa necken, die einen unvergeßlichen Brief folgendermaßen begann: „Unser rücksichtsloses, bis in das lange Leben zurückdenkende Treiben wird hoffentlich bald aufhören dieses ciueinal verzeih' uns noch. Mutterle!" Die Briefe -— manchmal war es nur ein Kollektiv!;»ier ----- wurden dann auf Muttevs Bett gelegt, und frühmorgens blinzelten wir ihr zu und sie uns. Das war alles. Se'len wurde der Briefe Erwähnung getan. KLEINE MODENOTIZEN. Das. im Sommer für den Vormitta*-' bis K.-.|c I .einen- oder .\Lrqms-!tel diese. Jahre durch das einfache Crepe de chine-Kleidchen verdräng. In \u<\\m Farben, besonder, in leuchtendem Braun, LiF oder einem matten Grün, als Jumpcrkleid oder in sc:ns'.i<*er streng betonter si ertlichen Fasson wirkt es immer cliir und ele»ant sowohl in der Stadl als aueli im Kurort. Daß man /u einem so sehr einfachen Kleid ein ver- Filfm'smäfii« kosts.i.'eth'es Material nimmt, hat seine unten Gründe. Bei den Herstelhm-kosten en.es KFides spielt heule der »Vis des M tterials an der I lohe des Arbeitslohnes gemessen eine beinahe nebensächliche Rolle. Der Macherlohn eines Seiden- oder Waschkleidchens ist derselbe, bleibt also nur die Differenz /wischen den Materialpreisen. So ist es nur zu begreiflich, wenn di" Frau, die gut gekleidet sein will, jedoch über keine sehr bedeutenden Mittel verfügt, vor diese Wahl gestellt, das (Vpe de chiiie-Kleicl bevorzugt. Diese Wahl erweist sich, wenn es auch im ersten Augenblick paradox klingen mag, als eine sparsame, denn dieses Kleid wird bei den verschiedensten Gelegenheiten gute Dienste leisten. „Knöpfe" säul clei Kostüme, Kleidei Mantel aus schwarzem Rips beliebteste Put/, für Mäntel,;rd Blusen. Auswahl hinsichtlich Material und Farbe ermöglicht es, dem leinsten Geschmack /u genügen. Am häufigsten sieht man den kleinen Vierlochknopf in der Farbe des verarbeiteten Stoffesv Vier bis sechs Dutzend an einem einzigen Kleid angebracht, sind keine Seltenheit. Während noch immer und überall der kleine Mut führend ist, beginnt man vom g a n z großen Sommerhut zu flüstern: breitkrempig aus Florentiner- oder sonstigem hellen Stroh, mit Bändeln und Blumen reich geput/t. Ob diese Mode durchdringen wird und ob sie in gewissen Städten populär werden kann, ist eine Frage, auf die in den nächsten Wochen die Ant- Flei, wie rasch da die kleine Dina aus dem Betlchen sprang. ,,Das ist lustig!" rief sie. ,,Du wirst sehen, Nathan, daß ich viel mehr Blumen linde als du." Der etwas größere, dicke Nathan war ein wenig faul. Lr reckte sich, gähnte und wollte sich zur Wand umdrehen, um nochmals einzuschlafen. ,,Aut, auf!" rief nun aber die kleine Dina. „Wenn du nicht sogleich aufstehst, bringe ich allem so viel Blumen, daß man unsere Wohnung und das kleine Bethaus damit schmücken kann." hin wenig schämte sich der faule Nathan nun doch. Langsam, ganz langsam kroch er aus dem Bett. ,,Ach, wozu muß man Blumen suchen!" meinte er ärgerlich. ,,Das wirst du wohl schon selbst wissen", sagte die Mutter. ,,Ja, ich weiß es", erwiderte Nathan. ,,Schebuoth ist das best, an dem die Erstlinge der h rückte, besonders aber die Erstlinge der Gerste im 1 empcl geopfert wurden. Wir aber haben hier um diese Zeit noch keine krüehte, sondern nur erst wenige hrühhngsblumen und da es auch keine Opler mehr gibt, so schmücken wir das Fl aus mit. Blumen. Nur, daß gerade ich die Blumen suchen soll, das ärgert mich." woTt erfolgen dürfte. F. Fl. Fii ur unsere Klei) einen Die gute Mutter EIN SCFl EBUOT Fl MARCH EN aus Tains Reise durch die jüdische Märchenwelt VON SIEGFRIED AB EI .ES \. Am frühen Morgen weckte die Mutter ihre beiden Kinder. „Auf, Dina! Auf. Nathan! Seid doch heute keine Langsehläfei. Abends geht Sehebuoth ein!" Dt Ludwig Mann $ar%atclium(Rc£hau3 ^Wityuhtj un JMviSyuu. PEsicites ( ic| DIE BIBEL DAS ERSTE BUCH MOSES Holzschnitte von Hermann Fechenbach Sommerneuheiten in Rohseide, Etaminen, Epongen und modernen Stoffen infolge kleiner Regien zu sehr billigen Preisen bei Kann & Fried WIEN, VI., Linke Wienzeile 40 (im Hofe).

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