Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1925)
- Article
- Der Anteil der Juden an den Naturwissenschaften
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 141 (sequence 2)
- Language
- German
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in 4 Bänden), war auch ein tüchtiger Mathematiker und verfaßte mehrere Lehrbücher der Algebra, darstellenden Geometrie, sowie ein sehr interessantes Werk ,,Versuch über Parallelentheorie". — Sein Sohn war der Dichter Theodor Creizenach und dessen Sohn wieder der bekannte Germanist und Literarhistoriker Wilhelm Creizenach, der besonders über das deutsche Drama grundlegend gearbeitet hat. Am Litauen stammte Hermann Schapiro (1840—1898), der zuerst Rabbiner war, dann in Odessa als Arbeiler und Angestellter sich fortbrachte, schließlich nach Heidelberg ging, wo er den Doktor machte und 1887 sogar Professor der Mathematik wurde. Man kann sich denken, daß die Ernennung eines russischjüdischen „Zugereisten" zum deutschen Professor, die heute, im Zeitalter des republikanischen Mitteleuropas, ein Ding der Unmöglichkeit wäre, auch im kaiserlichen Deutschland nur auf Grund besonderer Befähigung stattfinden konnte. Jedenfalls spielte damals die Befähigung noch eine gewisse Rolle, heute spielt sie keine mehr. — Dieser Schapiro arbeitete besonders über die Funklionstheorie, bekanntlich ein außerordentlich interessantes und schwieriges Kapitel der höheren Mathematik. Als tüchtiger Hebraist gab er auch ein jüdisches Werk ,,Mischnath Hamicloth" nach einer alten Münchener Handschrift heraus. Außerdem war er als eifriger Zionist propagandistisch tätig. (Schluß folgt.) AN MEHRERE EINSENDER! In der in unserer Märznummer erschienenen Folge des Aufsatzes „Die Juden in den Naturwissenschaften" wurde seitens des Autors Wilhelm Löwinger der Erfinder des Telephons Philipp Reis als Jude bezeichnet. Nach einer Mitteilung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Gelnhausen stammt Philipp Reis Ton christlichen Eltern und ist als Christ gestorben. Der Autor des Aufsatzes Herr Wilhelm Löwinger verweist darauf, daß sowohl bei Kohut: ..Berühmte jüdische Männer und Frauen" Reis ah; Jude erwähnt wird, als auch Thompson in seiner im Aufsätze erwähnten Monographie von seiner „jewish origin" spricht. Reis dürfte demnach von schon getauften Ekern stammen. Ein Irrtum ist natürlich möglich, für diesen wäre der Biograph Reis' Thompson verantwortlich. Die Redaktion. AUSSTELLUNG IN FRANKFURT a. M. In den übersichtlichen Räumen des Kunstvercincs hat die Venvaltung des Museums jüdischer Altertümer, das der Israeli tischen Gemeinde angegliedert ist, im April eine höchst interessante Ausstellung zur Geschichte der Frankfurter Gemeinde veranstaltet. Das Zustandekommen der Ausstellung ist im wesentlichen das Verdienst des rührigen Museumsleiters. In wohlgeordneter Folge wurden Urkunden, Flugschriften, Abbildungen und Porträts gezeigt, die in ihrer Gesamtheit einen zwar nicht lückenlosen, aber doch charakteristischen Ausschnitt aus der Geschichte der alten Gemeinde von ihren Anfängen bis etwa in die Mitte des 1 9. Jahrhunderts darboten. Ein erster Versuch, der besondere Anerkennung verdient, und der gleichzeitig eine geeignete Ergänzung der zahlreichen Veranstaltungen darstellt, die im Laufe dieses Sommers aus Anlaß der 1000jährigen Zugehörigkeit der rheinischen Lande zu Deutschland stattfinden. M E N O R A H Wenn auch die Frankfurter Gemeinde nicht zu den ältesten Gemeinden Deutschlands gehört, so führt ihre Geschichte doch in den Anfang des I 2. Jahrhunderts zurück und entwickelt sich von da ab mit den durch Judenverfolgungen und Austreibungen veranlaßten Unterbrechungen stetig zu immer größerer Bedeutung. Der Anteil der Juden am kulturellen und Avirtschaftlichen Leben Frankfurts wird übrigens in dem demnächst erscheinenden ersten Band des Werkes „Geschichte der Frankfurter Juden" von K r acauer zu umfassender Darstellung gelangen; aber auch ein Blick in das bekannte „Stammbuch der Frankfurter Juden" von D i e t z gibt bereits aufschlußreiche Flinweise auf diesen Zusammenhang. Die äußere Geschichte der Frankfurter Juden, wie sie sich in den ausgestellten Urkunden spiegelt, ist zumeist wenig erfreulich. Da werden in säuberlichem Pergament von 1 246 die Frankfurter Bürger von jeglichem Schadenersatz für die Ermordung der Juden befreit, eine Verordnung von 1441 verpflichtet die Juden zum Tragen des gelben Abzeichens, eine päpstliche Bulle von 1 462 verweist sie aus ihren Wohnungen in der Nähe des Doms in ein neugcbilclctcs Ghetto, das für drei Jahrhunderte ihre Heimat bleiben sollte. Auch andere, auf den eisten Blick freundlicher scheinende Dokumente, wie die Schutzverordnung Ludwigs des Bayern von 1331 oder ein aus dem Jahre 1 738 stammendes Verbot von Drohungen und Tätlichkeiten gegen die Juden beweisen im Grunde doch nur die immer gefährdete Stellung der jüdischen Bevölkerung. Ihre Entrechtung wird besonders deutlich^ wenn man liest, wie Kaiser Karl IV. am 25. Juni 1349 die gesamte Frankfurter Judenschaft kurzerhand an den Rat der Stadt verpfändet. Der Bedeutung, die der Fettmilchaufstand von 1614 und die mit ihm verbundene große Judenschlacht in der Geschichte der Frankfurter Gemeinde spielt, entspricht es, daß diesem Ereignis besonders viel Raum gewährt ist. Einblattdrucke und Bildnisse der Führer, sowie Abbildungen von einzelnen Vorgängen sind durchwegs von größtem zeitgeschichtlichem Interesse. Dazu treten für clie folgenden Jahrhunderte zahlreiche Dokumente mit Verordnungen über die Rechtsstellung der Juden und ihre „Stättigkeit", bis der Beginn des 1 9. Jahrhunderts die Kämpfe um die Gleichberechtigung bringt, die ebenfalls durch Sendschreiben und Druckschriften aller Art reich belegt sind. Die ausgestellten Bilder zeigen hauptsächlich Ansichten der Judengasse, ihrer hervorragendsten Gebäude und auch ihrer Plünderungen und Brände. Porträts bedeutender Persönlichkeiten, Rabbiner und Gelehrte. Großkaufleute und Bankiers schließen sich an und es mag für die Besucher besonders reizvoll gewesen sein, in diesen aus Frankfurter jüdischen Patrizierhäusern entliehenen Bildnissen die „Züge des Ahnherrn" so mancher Familien zu erblicken, die auch heute noch Träger bedeutender Namen sind. Daß dabei die Rothschilds mit Frau Gudula an der Spitze besondere Beachtung finden, bedarf kaum der Erwähnung. Aufs glücklichste wurde die Ausstellung ergänzt durch farbige Tonmodelle alter Trachten und Gedenkmünzen. Kultusgegenstände wurden dagegen mit Absicht in dieser ausschließlich der weltlichen Geschichte gewidmeten Ausstellung nicht gezeigt. Dr. Eugen Mayer. 141 SCHACH Geleitet von Richard Reti Nachfolgende hübsche Partie wurde in der XV. Runde des Turniers in Baden-Baden gespielt. Unregelmäßige Eröffnung Weiß : Niemzowitsc h. Schwarz: R o s s e 11 i. 1. Sgl —[3 d7 d5 2. b 2 - b 3 c 7 - c 3 3. Lei - b2 Sb8 c6 4. e2-e3 .......... Dieses Eröffnungssyslem hat Nicmzowitseh öfters mit Erfolg angewandt. 4........... Lc8--g4 Kein guter Zug; viel natürlicher war Sgö f 6. 5. h2-h3! .......... zwingt den Läufer sofort zur Erklärung Dieser Vorstoß sämtlicher Mittelbauern ist verfrüht und wird von Niemzowitsch in sehr hübscher Weise ausgenützt. 7. Lf 1 ~ b3 Dd8c!6 8. e 3 «> 4! ......... Sehr gut! Die schwarzen Mittelbauern werden jetzt entwertet. 8.......... d 3 d 4 Erzwungen, wenn Schwarz einen isolierten Doppelbauer auf der c-Reihe vermeiden will. 9. Sb 1 -a 3 £7 — f G Weiß drohte Sc4 nebst 1. X c 6 -fworauf Schwarz mit dem Bauer zurückschlagen müßte. 10. Sa3-c4 DdG--d7 11. Di 3 h 5 ••- .......... Dieser und der folgende Zug sind tief durchdacht, bezwecken eine Schwächung des Bauern f 6, wodurch Schwarz nicht zur langen Rochade kommt. IL ......... «7 g(> 12. Dh3 - 13 Dd7 c7 Falls nämlich jetzt 12. 0 0 0 so 13. Sa 3 und Schwarz kann nicht Sge7 spielen, da er sonst den Bauern f 6 verliert. Zieht aber Schwarz 12.... L g 7, so folgt 1 3. a 4 nebst a 3 und L a 5. 13. Df3 g4 .......... Droht mit De 6 -- den Doppeibauer c 6 und c5 zu erzwingen. 13........... Kc8-f7 14. (2 14! ......... Beginn eines sehr präzis geführten weitberechnelen Angriffs; die schwarze Stellung wird von allen Seiten aufgerollt. 14.......... h 7 h 5 15. Dg4 13 c5 14 16. Lb5 >.c6 b7 c6 Auf D >; c6 folgt I 7. D X f 4 droht Sc5 -■,-) Te8. 18. 0~0! und mm darf weder T e4 wegen 19. Se5-- und Qualiwitsgewinu, noch D X e 4 wegen 19. D c 7 -! T e 7 auf andere Züge gewinnt 20, S d 6 -t- 1 20. D c5 geschehen. Auf 18. d3? dagegen würde sich Schwarz mit b 3 verteidigen. 17. 0 0 g 6 — g 3 18. c2- - c3! T a tt - d 8 19. Tal - -e 1 Sg8 e7 20. e4 e 5 Sc 7f5 21. c 3 ~ ■ . d 4 Sf 3 X d4 22. Df3- - e4 LfH o7 «11s 22. . .. f3 so 2 3. Db 1! Reb eventuell Sd6 mit vernichtendem 23. Ii 3 h4!! ......... 24. h4 Angriff. Dagegen gibt es keine Rettung. Auf 2 3. . f 3 folgt wieder 2-4. Dbl usw. 23. De 7 d 7 24. e:3 f (i i.t- 7;• f 6 23. h.4 V g5 Aufgegeben; auf 23. . .. L g 7 folgt 26. Se 5 + Lx S. 27. D < c 5 usw. Weiß hat den Angriff mustergültig geführt.