Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1925)
- Article
- Chassidische Fragmente
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH 131 MANE KATZ rückzufahren. — Da hilft nichts. Befehl ist Befehl. — Aber womit fährt man nach Hause? — Wovon dann die ganze Zeit zehren? — Rabbi Sussi bat um Erbarmen. — Da sprach der Maggid zu ihm: „Mein Beschluß ist fest, du mußt sofort nach Hause; aber ich werde dir etwas mitgeben, was dir für die drei Monate genügen wird. Lerne drei Dinge von einem Kinde und sieben von einem Diebe. Ein Kind ist immer munter, sitzt nie müßig und wenn ihm etwas fehlt, da weint es sofort. Ein Dieb verrichtet seine Arbeit bei Nacht. Vollendet er sein Werk die eine Nacht nicht, so ergänzt er sie in der folgenden Nacht. Ein Dieb ist zu jedem Opfer bereit, um nur ans Ziel zu gelangen; er schätzt seine Erfolge nicht zu hoch ein; wird gefoltert, läßt aber doch nicht von seinem Geschäfte ab. — Diebe verachten nie ihr Geschäft und leben in Verbrüderung miteinander. # Der Ruziner Zaddik kam in eine Stadt gefahren. Es strömten dort Tausende von Chassidim zusammen und es entstand ein großes Gedränge um den Rabbi. Da meldete man die Ankunft des Rabbi Jakob Schimson, eines Sohnes des Koretzer Zaddik. Der Ruziner befahl, ihn sogleich vorzulassen und Rabbi Jakob Schimson hatte Mühe durch die dichte Menge zu passieren. Ganz erschöpft kam er heran, reichte dem Ruziner die Hand zum Gruße und sprach: „Soll schon die wahre Erlösung kommen?*' „Und was wird sein?" fragte der Ruziner. — „Da wird die PORTRÄT ILIA EHRENBURG Erkenntnis Gottes die Erde ausfüllen, wie das Wasser das Meer überflutet und man wird sich nicht drängen müssen." „Dann aber", erwiderte der Ruziner, „wird man erst erfahren, um was man sich einmal gedrängt hat." * Der Ruziner sollte seine Tochter dem Sohne des Rabbi Hirsch aus Rymanow anvertrauen. Während der Ruziner seine Herkunft von großen Ahnen herleitete, war Rabbi Hirsch aus einfachem Hause, er selbst war ja ein Schneider gewesen, bevor er anerkannt und berühmt wurde. Nun kamen die Mechitonim (die Väter) zusammen, da tat der Ruziner seinen Mund auf und sprach: „Es ist bei uns Brauch, bevor man zur Verlobung schreitet, daß ein jeder der Väter seinen Jichxis (Adelstamm) kundgibt. Also ich bin der Sohn des Rabbi Schalom, des Rabbi Abraham, des Rabbi Baer aus Mesericz usw. Nun gebt auch Ihr Euren Stand an." „Ich", erwiderte Rabbi Hirsch, „bin mir eines Adelsstammes nicht bewußt. Mein Vater war ein frommer aber einfacher Mann. Er starb früh und ich blieb allein als junges Waisenkind zurück. Ich kam zu einem Schneider in die Lehre und wurde dann selbst Schneider. Habe aber mein Werk gut und ehrlich ausgeführt. Das Alte pflegte ich auszubessern. Das Neue aber habe ich nie verdorben." „Genug," sagte der Ruziner, „man kann den Verlobungsbrief schreiben. Das Alte verbessern und das Neue nicht verderben ist wahrlich ein großer Jichusbrief."