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Menorah · 1925-05-01 · Heft 5 (Mai 1925) · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 5 (Mai 1925)
Article
Ein Besuch bei den Juden Hollands
Date
1925-05-01
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 MENORAH Unterfertigung der Installationsurkunden und Proklamierung des Oberrabbiners besteht und nach Verabreichung des Ehrenweines an die Ehrengäste fand die religiöse, prächtige Feier in der wunderschönen, herrlich dekorierten, hundertfünfzig Jahre alten, doch glänzend renovierten Synagoge statt. Außer jüdischen Honoratioren waren Bürgermeister, Provinzgouverneur, königlicher Kommissär und andere Würdenträger zugegen. Ich kann es mir nicht versagen, das hebräische Willkommenchorlied, das gesungen wurde, hier zu veröffentlichen: WIK Y> r^zr.n n*z r,t >s;2 c^tr -n a::)P2 x*tr:n wix n^-r, ncr-nx >rt^ J[^}£™^ ^2: Tm rr-~2 rn mSti' t; övvtS P- '■• il>' Dieses Lied wird seit langen Jahren bei Oberrabbiner-Installationen gesungen. Die ganze Feier, verherrlicht durch die Rede des Installators und die Programmrede des Neuerwählten, verlief ungemein schön und machte auch auf mich, der von Wien aus an große und schöne Veranstaltungen gewohnt ist, mächtigen, nachhaltigen Eindruck. Vorsteher der Gemeinde und Kirchenrat hatten ihr Bestes geleistet und ernteten reichlichen Dank. Besuch bei regulärem Sabbat- Gottesdienste, in Versammlungen verschiedener Vereine dieser jüdischen Provinzgemeinschaft überzeugten mich, daß nicht nur gehobene Festesstimmung, sondern tief innewohnender Sinn für jüdische Würde die Quelle so hochstehender Leistungen sei. Noch immer ist also das niederländische Judentum der Achtung wert, die ihm zuteil wird, ein fruchtbarer Boden für gute jüdische Arbeit, die nach alter und neuer Weise geleistet werden muß. Natürlich gibt es auch in Holland alle Parteischattierungen von streng Orthodoxen bis zu rein Nationalen, Misrachisten, Agudisten und Zionisten. Den Grundzug aller macht einfach das Jüdische aus. Geist muß in alle kommen, um Starre zu verhüten. Das versuchen die Jüngeren zu erreichen; die jüdische Publizistik steht nicht auf besonderer Höhe; am besten wirkt in diesem Sinne der junge ,,Freitagabend". Es wird tüchtigen Aufraffens bedürfen, um gründlich abzuhelfen. Die Mittel sind vorhanden; junge Kräfte müssen ans Werk, nicht, um zu zerstören, sondern aufzubauen. FRITZ GROSS Privatbesitz Hamburg MUTTER UND KIND D e r Mal e r ritz r o ß SILBERNE UNTERSATZSCHALE FÜR DIE PRIESTERKANNE Das „jüdische Sujet" allein macht niemand weder jüdisch noch überhaupt zum Maler; sofern es aber mit kalten Händen arrangiert wird, und das Nationale, anstatt in der Malart in der Wahl des 1 hemas zum Ausdruck kommt, kann es sogar ernsten Talenten gefährlich werden. Eine andere Binsenwahrheit: ein Maler muß das Handwerkliche beherrschen, zeichnen können, den Stift in der Hand halten, Farben sehen und sie behandeln, dann erst darf er seinem persönlich und national bestimmten Temperament sich auszudrücken gestatten. Dies zu wiederholen ist heute wichtiger als je. Die äußeren und inneren Bedingungen des Kunstschaffens sind für lange vernichtet. Hat Kunst in solchen Zeitläuften überhaupt Sinn und Berechtigung? Das geistige Leben ist verkommen. Was soll sie eigentlich zum Ausdruck bringen? Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es lange keine Kunst. Ein solch verkommenes Geschlecht verwendet alle vorhandenen Kräfte auf die vorläufige Wiederherstellung. Und wer weiß, ob nicht der künstlerische Ausdruck überhaupt als eine Art der Manifestation des geistigen Lebens nunmehr für alle Zeiten ausscheiden wird? Liegt dies in der Entwicklungstendenz, so wird keine Anstrengung nützen. Das künstlerische Leben ist ebensowenig zeitlos un'd ewig fortwachsend wie irgend eine andere Ausdrucksart des Geistes, deren schöpferische Zeit unwiderruflich an einmalige geschichtliche Bedingungen gebunden ist. Was ein ehrlicher Künstler gegenwärtig tun kann ist wie ein aus schweren Krämpfen Erwachender, dessen Glieder nach allen Seiten hin geschüttelt und verrenkt wur'den, diese zunächst wieder sammeln und einfügen. Er muß die einfachsten Funktionen wieder aufzunehmen, die einfachsten Laute wieder zu sprechen versuchen. Nach den maßlosen Exzessen, die so wenig Genialisches an sich hatten und nichts anderes waren als der Ausdruck der Öde und Verzweiflung eines zerquälten Menschengeschlechtes — was kann ein Lebenswilliger anderes tun, als zunächst wieder von Anfang an wieder beginnen, ,,naturalistisch" sehen und malen, jedem bewußten Streben nach

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