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Menorah · 1925-04-01 · Heft 4 (April 1925) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 4 (April 1925)
Article
Das Wadi W
Date
1925-04-01
Page
Seite 87 (sequence 2)
Language
German
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M E N O R A H 87 Das ist das Wadi W. im Sommer — — — — — — Im Winter grellen feurige Blitze, die Donner poltern und hallen wider zwischen den Bergen. Überm Hermon dröhnt es und der Ezmon antwortet zornerfüllt. Das Gebirge Kanaan flammt und die Gipfel des Golan sprühen entgegen. Ein kalter Wind pfeift vom Antilibanon und reißt an den Zelten. Der Regen prasselt nieder und die Erde saugt. Sie saugt und trinkt, doch der Regen rast sinnlos wie ein Freigelassener, fällt aus schwarzen Wolken — eine flirrende, zitternde, graue Wand, drückt die Zeltbahnen ein, sucht Spalten und Löcher in Bretterwänden und Blechdächern. Die Erde saugt und trinkt, läßt Pfützen stehen, überdrüssig des Übermaßes, läßt Bächlein rinnen in die Schluchten und Wadi, die schäumen und spritzen. Am Spätnachmittag ritt Kaspi in den Wirtschaftshof. Eine kurze Gumraipelerine militärischer Herkunft hatte ihn nur notdürftig vor den windgepeitschten Regenschauern geschützt. Seine Schenkel uncl Füße klebten in den durchnäßten Hosen und Schuhen. Sein Antlitz war naß und Tropfen vom Mützenrande glitten an den Wangen abwärts. Brust und Nacken waren feucht. Die Glieder schmerzten ihn in dumpfer Mattigkeit. Waschti, die Maultierstute, triefte; sie röhrte laut und blieb vor der Stalltür stehen. Kaspi sprang vom Sattel, zu dessen beiden Seiten je eine große leere Milchkanne hing, rechts noch zwei Kännchen, links ein tiefer Korb aus gespaltenem Schilfrohr geflochten, in dem eine Blechschüssel und eine Flasche aneinanderschlugen. Abrascha, der die Arbeit im Hofe versah, nahm Sattel und Kannen herab und führte Waschti in den Stall zur Krippe. Dort fand sie bereits Gerste und Strohhäcksel vorbereitet, doch warf sie sich auf die Dungstreu und versuchte, sich zu wälzen. Abrascha hatte den Halfterstrick langgebunden und es gelang fast zur Zufriedenheit Waschtis. Trotzdem blieb sie übelgelaunt mnd schnupperte an dem Futter, bemüht, den Häcksel fortzublasen. Kaspi schritt durch den aufgeweichten Lehm geradewegs auf das dritte der Häuschen zu, trat in seine Stube, in der vier eiserne Betten standen, setzte sich auf den einzigen Stuhl, entkleidete sich, trocknete sich mit einem Handtuche, zog andere Wäsche an, entnahm der Tasche eines Rockes, der an einem Nagel hing, ein Fieberthermometer, dessen Quecksilberende er in den Mund steckte und legte sich fröstelnd unter die Decken. Es faßte ihn ein heftiges Schütteln, die Zähne konnten das Thermometer nicht halten. Mit einer verzagten Gebärde legte er es bei Seite, hüllte sich in die Kotzen und wollte schlafen. Doch in seiner Kehle stieg es wie ein Ballen zum Munde und seine Augen füllten sich mit Tränen. Der junge, allzujunge Chaluz erschauerte in einer Verzweiflung, die ihm nahezu die Besinnung raubte. Er biß in das Leintuch um nicht zu schreien und hielt sich krampfhaft mit den Händen an den Kopfstellen des Bettes, um nicht aufzuspringen.

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