Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1925-04-01 · Heft 4 (April 1925) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 4 (April 1925)
Article
Eine späte Haggadahbilderhandschrift
Date
1925-04-01
Page
Seite 79 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912840-2912845-2915451--01707-2915517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MENORAH 79 AUS DER DARMSTÄDTER HAGGADAH ..BELSAZARS MAHL" EINE SPÄTE H AGG AD AHBILDERHAND SCHRIFT (Die Darmstädter Haggadah Cod. hebr. Nr. 7.) VON ERICH TOEPLITZ (Abbildungen mit Genehmigung der hessischen Landesbibliothek) Unter den zahlreichen, mit Miniaturen geschmückten Handschriften, die der gedruckten und mit Kupferstichen versehenen Ausgabe von 1695*) nachahmen, nimmt die vorliegende eine besondere Stellung ein. Rein äußerlich durch das größere Format und stofflich durch das Papier an Stelle des fast ständig benützten Pergaments. Die Schrifttypen lassen eine gewisse überhöhte Form erkennen, die im Druck der Zopfzeit bei Hebraica üblich ist; es handelt sich hier um eine Mischung von sephardischer (Kaiamus) Schrift, nach dem Vorbild in der Amsterdamer Vorlage mit einer Ausführung durch Federtechnik in aschkenasischer Art. Die Bilder sind keine sklavischen Nachahmungen der Kupferstiche wie gewöhnlich bei diesem Haggadahtypus der Spätzeit, sondern sie sind mit einer Ausnahme freie, zum Teil kaum an die Vorlage erinnernde Neuschöpfungen, außerdem finden sich auch ganz neu geschaffene Bildbeigaben. Ob zwischen dem Kupferstichoriginal und der vorliegenden Arbeit noch eine Handschrift einzuschalten wäre, läßt sich leider bei unserer geringen Kenntnis dieser späten Schreibarbeiten nicht feststellen. Das Titelblatt entspricht durchaus den barocken Arbeiten der hebräischen Druckereien, der Charakter ist jedoch verzopft. Die Bilder der „H asenj ag d", der „Fruchtkorb" und die „Cartouche" sind nicht in dem Amsterdamer Original vorhanden, sie dürften ihrer Auffassung nach einem Kleinkünstler (vgl. Stammbücher der Zeit) zuzuschreiben sein. Der Stilcharakter des Rokoko ist hier wohl schon in der etwa vorhandenen Vorlage bereits dagewesen und ziemlich rein in die Haggadah übernommen. Die Vorlage könnte sehr gut von dem Illustrator selber herrühren, über den weiter unten noch nähere Angaben gemacht werden. Die „W eiseninBne-Berak" lassen eine Vorlage vermuten, die in den Schülerkreis Rembrandts verweist, die Einfügung dieses Bildes ist auf den bildinhaltlichen Zusammenhang mit der ganz anders gearteten Ausgabe aus Amsterdam zurückzuführen. *■ Erschien in Amsterdam bei Moses Wesel mit den Stichen des Jacob b. Abraham. Die Auffassung des Bildes zeigt die barocke Gestalt der Vorlage nur mit verschwindend kleinen Abwandlungen. Ein Gleiches gilt von den fragenden Kindern: Der „Weise" dürfte einem deutschen Renaissancemeister mit einer holländischen Zutat zuzuschreiben sein, der ,,B ö s e" ist wohl von einer spaten Barockarbeit eines Vlamen beeinflußt, der „Einfältige" scheint mehr holländische Provenienz zu verraten und der ,,W e l c h e r noch nicht fragen kann" hat einen deutschen Rokokomeister als Vorbild gehabt (vgl. F. R. wohl Fridericus Rex auf der Trommel). Das Bild ,,M oseserschlägt den Mizri" ist vollständig aus der Amsterdamer Haggadah übernommen, der auch mit kleinen Variationen im Hintergrund die ,,A u f f i nd u n g M o s i s" entlehnt ist. Das ,,S t a b w u n d e r vor Phar a o" ist jedoch sehr stark gegen die Vorlage verändert, so daß hier eine fremde Komposition als Ausgangspunkt anzunehmen wäre. Die „Gesetzgebung am Sinai" und das ,,P a ss a h m a h 1" sind weniger variiert, erscheinen aber durch die süßliche Farbengebung und beim Mahl durch die Hintergrundbehandlung sehr viel anders als im Amsterdamer Original. Neu in der Komposition ist die Darstellung des in Sterbekleider (deutscher Brauch) gehüllten Hausvaters mit erhobenem Becher am Sedertisch, hier gilt das gleiche wie bei der anfangs erwähnten Jagdsszene. Der ,,K ö n i g David" erscheint in ähnlicher Darstellung wie in unserer Handschrift auch im Amsterdamer Original, die Farbengebung und damit auch der Stilcharakter sind der gleiche wie bei anderen dieser Vorlage entlehnten Bildern. Neu in der Komposition ist die „Familie am S e d e rt i s c h", die teilweise an Chodowiecky erinnert, der dem Lissaer Meister bekannt gewesen sein dürfte. Für die deutsche Herkunft spricht auch der Hausvater, der hier ebenfalls Sterbekleider trägt. Interessant ist der Gast, dessen unverkennbar polnisch-jüdische Tracht auffällt; in gleicher Art stellte später Oppenheim in seinen Bildern aus dem jüdischen Familienleben den Gast dar. Ebenfalls neu in der Komposition ist die Szene „Schütte Deinen Grimm a u s", sie gehört ebenso wie die folgende ,,C a r-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.