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Menorah · 1925-03-01 · Heft 3 (März 1925) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 3 (März 1925)
Article
Von den Katzen, die nicht mausen wollten
Date
1925-03-01
Page
Seite 72 (sequence 2)
Language
German
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72 M E N O R A K §iiiiiiiiii!ii!iiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiim Pflegen Sie Ihre Zähne! I „GIMBO" | | Mundwasser, Zahnpasta | | Zahnpulver | einander betroffen an und stellten allerlei unerfreuliche Betrachtungen an. Hinz unterbrach zuerst das Schweigen. .,Nun, liebe Ehrenmäuse," fragte er leise, ,,wie gefallen euch unsere neuen Lanclsleute?" „Nette Gesellen", erwiderte Liese ebenfalls gedämpften Tones; „ich habe sie zum Fressen gern." Purr lachte grimmig: „Ich auch." Und Murr fügte hinzu: „Miese, du bist die klügste von uns, aber heute fürcht ich, hast du eine Dummheit gemacht." „Laßt mich zufrieden", fauchte Miese aufgebracht. „Der alte Schlendrian ist freilich bequemer als der kühne Fortschritt. Wir wandeln ganz neue Wege. Wir haben ein großes Erziehungswerk unternommen. Da müssen wir doch Geduld haben und ohne Murren etwas Ungemach ertragen. Den armen Mäusen fehlt es nicht an gutem Willen. Wenn einige die Reinheit unserer Absichten noch verkennen, so dürfen wir uns darüber nicht wundern. Das wird sich rasch geben." „Vorläufig aber kracht mir der Magen", brummte Purr. „Wir werden lernen, uns von Weizen zu nähren", sagte Miese und nahm entschlossen einige Körner ins Maul und begann sie zu kauen. Aber trotz verzweifelter Anstrengungen brachte sie sie nicht hinunter und spukte sie verstohlen wieder aus. In den Mäuselöchern herrschte mittlerweile auch keine Ruhe. Die Mause steckten in allen Gängen und Kammern die Köpfe zusammen und unterhielten sich leise, doch eifrig über das große Ereignis. Den alten wollte es durchaus nicht gefallen. Die einen sagten: „Das tut nicht gut"; die andern: „Katze bleibt Katze, und wenn wir sie hundertmal zur Ehrenmaus ernennen"; noch andere: „es sind vielleicht Spione." Eine junge verteidigte die neuen Freunde und meinte: „Die Führerin der Fortschrittskatzen ist doch wirklich ein edles Geschöpf", aber man unterbrach sie von allen Seiten: „wenn sie keine Schwindlerin ist, wenn sie sich nicht in böser Absicht bei uns einschleicht, so ist sie verrückt." Einzelne Stimmen fügten noch hinzu: „Ihre Brüder haben ausgesprochene Mördergesichter. Es sind Landstreicher, die sich von uns füttern lassen wollen. Unser ganzer Speck ist schon flötengegangen. Wenn wir sie nur auf gute Art loswerden könnten." Die Mäuse schliefen aber schließlich doch ein, denn sie waren satt und in Sicherheit. Den fünf ausgehungerten und hart gebetteten Katzen dagegen wurde die Nacht sehr lang. Alle dachten an das warme Fell ihrer Mutter und an ihre reichlichen Mahlzeiten und Miese fragte sich, ob das ganze Mäusevolk so viel Entbehrungen und Selbstüberwindungen wert war. Als der Tag anbrach, huschten die ausgeruhten Mäuse aus ihren Löchern hervor und begannen ihren Verrichtungen nachzugehen, ohne sich um die mürrisch dasitzenden Katzen zu kümmern. Die einen schälten sich Weizenkörner zum Frühstück, die anderen putzten sich, noch andere spielten. Liese sah dem Treiben eine Weile zu, dann fragte sie ungeduldig: „Wie ist es denn? Gibt es für uns kein Frühstück?" Eine Maus antwortete grob: „Wir sollen euch wohl päppeln, arme Kleine?" Die anderen lachten. „Erlaubt", sagle Miese sanft. „Wir gehören doch zu euch. Ihr könnt uns nicht Hungers sterben lassen." „Ihr langweilt uns!" schrie eine Maus. „Wenn ihr keinen Weizen fressen wollt, so stehlt beim Bauern Fleisch oder fangt euch Vögel auf den Bäumen und Dächern." „Das ist nicht euer Ernst", erwiderte Miese. „Vögel morden wäre ein Verbrechen. Wir wollen ja, daß in der Welt Brüderlichkeit, Liebe und Tugend herrscht." Alle Mäuse lachten. „Mäuse töten ist Mord. Aber Vögel fangen heißt sich redlich ernähren." „Bravo!" schrie Hinz mit fürchterlicher Stimme, war mit einem Satz auf der Maus, die diesen Ausspruch getan hatte, biß sie tot und verschlang sie im Nu, ehe Miese ihn daran hatte hindern können. Die Mäuse stoben entsetzt auseinander, verfolgt von Purr und Murr, die sich jeder ein Opfer holten, ehe sie sich in ihre Schlupfwinkel retten konnten. Kaum waren sie in Sicherheit, als sie aus allen Löchern zu schreien begannen: „Verräter! Mörder! Banditen! Räuber! Daß ihr euch den Hals brecht! Ersauft! Verreckt! Hergelaufenes Gesindel! Stinkendes Pack!" Das wurde auch Miese zu viel und sie fuhr wütend gegen die Löcher los, konnte jedoch keine Maus haschen. „Laßt uns gehen", sagte sie, zu ihren Geschwistern gewendet; „mit diesen ungebildeten Tieren ist doch nichts Gescheites anzufangen." Sie schlugen den Rückweg zu ihrer Bücherei ein und kamen nach einer langen Wanderung müde, ausgehungert, beschämt und niedergeschlagen heim. Die alte Katze empfing sie an der Schwelle mit dem Rufe: „Na, da sind die Ausreißer ja wieder. Habt ihr die Welt schon zu euren Reformen bekehrt?" „Mutter, gib uns zu essen, wir sind todhungrig", sagte Miese kleinlaut. „Die Welt ist für unsere großen Gedanken noch nicht reif. Und insbesondere die Mäuse sind ein ganz infames Mördergesindel, das ausgerottet werden muß. Wir wollen wieder mausen, daß du deine Freude an uns haben sollst." UNSERE FRAGE Auf unsere „Frage" in Nr. 1 des III. Jahrganges, welcher Mann, Frau oder welches Kind, das in der Bibel vorkommt, unsern jüngsten Lesern am besten gefällt, sind folgende Antworten eingelangt:_ FRITZ SENDER, Saarbrücken. 12 Jahre. Die Bibel ist so reich an großen Männern, daß es schwer fällt den edelsten und besten herauszufinden. Ein schönes Beispiel von Güte ist die Geschichte von Jose! und seinen Brüdern. Wie schön hat er alles Böse mit Gutem vergolten, und wieviel Freude hat er seinem alten Vater gemacht. Er besaß die schönsten Eigenschaften des Juden : Ein mitfühlendes Herz, ein weiches Gemüt und Liebe zur Familie. Daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen, denn Liebe und Güte kann jeder Mensch dem andern erweisen, auch wenn er noch so arm ist. SÜSEL SENDER, Saarbrücken, 13 Jahre. Es gibt in der Bibel sehr viele Gestalten, die durch ihre hervorragenden Tugenden unsere Bewunderung erregen. Jeden Chanukah hören wir mit Begeisterung, wie „Judas Makkabäus" sein Volk aus größter Bedrängnis so heldenmütig befreit hat; er ist es, der Israel sein Selbstvertrauen zurückgegeben hat, als es verzagen wollte. Noch heute ist er uns ein Vorbild für Tapferkeit und Vaterlandsliebe, und selbst unsere Feinde müßten zugeben, daß die Zeit der Makkabäer ein schönes Kapitel in der jüdischen Geschichte ist. Deshalb gefällt mir „Judas Makkabäus", am besten. GERHART SCHWARZ, Köln am Rhein, zwölf Jahre. Meine Ansicht is!: Elia. Wie hat er doch für Gott geeifert! Und mit welchem Heldenmute suchte er das Judentum zu verbreiten!... Doch, wie furchtbar wurde er getäuscht; da er den großen Undank nicht ertragen konnte, begab er sich in die Einsamkeit und sprach die schönen Worte: „Gott meiner Väter, nimm mich zu dir, denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren." Trotzdem er überirdische Leiden ertrug, betete er immer für das Wohl des Volkes Israel. Er ist einer der aufopferndsten Gestalten unseres geliebten Judentums. AWROHOM ELIESER, Bergmann, Nürnberg. 1 7 Jahre. Awrohom Owinu hat Größeres geleistet als alle anderen Großen Israels. Darum gefällt er mir am besten. Alle großen Männer in Jisroel schöpften ihre Kraft aus der Tauro. Die Grundlage, auf der sie dann weiter bauten, war somit gegeben. Anders bei Awrohom. Ihm war diese Grundlage nicht gegeben. Durch eigene Erkenntnis hat er die Tauro erworben, hat er sich die Grundlage geschaffen zu der höchsten Stufe, wie sie nur wenige erlangt hatten. Wir fordern euch auf, auch weiterhin an der Beantwortung unserer Fragen sich rege zu beteiligen. Die schönsten Anworten werden wir mit dem Namen der Angabe des Alters und Wohnortes des Einsenders oder der Einsenderin veröffentlichen. Gleichzeitig fordern wir euch auf, sich an unserem Preisausschreiben: „Was Kinder verfertigen" rege zu beteiligen. — Schluß der Einsendungen verlängert bis 15. März. FÜR DIE BEVORSTEHENDEN OSTER- FEIERTAGE. Endesgefertigtes Bezirks-Rabbinat gibt hiemit der Öffentlichkeit bekannt, daß „Kunerol" 100% reines Fett aus Kokosnüssen unter seiner Oberaufsicht auch für Ostern erzeugt wird und unter ständiger Kontrolle eines vom gefertigten Rabbinat ernannten frommen jüdischen Aufsehers steht, der während der ganzen Arbeitszeit im Werke anwesend ist und auch die Paketiorung beaufsichtigt. Kunerol mit dem Ostersieyel kann daher von jedem strenggläubigen Juden in den Osterfeiertagen verwendet werden. S. B. Ehrenfeld, Oberrabbiner der Stadt Mattersdorf. _(Entgelllicli.) Herausgeber Dr. NORBERT HOFFMANN, Eigentümer und Verleger HABRITH-VERLAGSGESELLSCHAFT m. b. H., sämtlich Wien, I., Zelinkagasse 13. Verantwortlicher Redakteur FRIEDRICH MATZNER, Wien, IV., Rainergas.se 25; Druck der Waldheim-Ebcrle A. G. (vcrantwortl. Leiter: KARL WIELAND), Wien, VII., Seidengns.se 3—11.

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