Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 3 (März 1925)
- Article
- Der Anteil der Juden an den Naturwissenschaften
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
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68 M E N O R A H eine bloße Aufzahlung derselben ein mehrere Seiten langes Register ergeben. Man weiß, welche Bedeutung die Juden als Ärzte im Altertum und Mittelalter halten. Zahllose Fürsten, auch Päpste ließen sich nur von jüdischen Leibärzten behandeln, so Ferdinand I. von Spanien, Papst Julius III., Karl der Kahle von Frankreich, Kaiser Friedrich III. und andere. Aus der Fülle der Namen seien hier bloß einige genannt: Albert Moll (geboren 1862), bekannt als Scxualpatholog, Emil Zuckerkandl (1849 bis 1910), der langjährige Vorsteher des Anatomischen Instituts in Wien, der Dermatolog Oskar Lassar (1849 bis 1907). der Laryngolog Karl Stork ( 1 832 bis 1 899) , dessen Bruder Felix sich als Jurist einen Namen machte, Sicgmund Spitzer (1813 bis 1895), Leibarzt des Sultans Abdul Medscliicl, der Begründer der Wiener Poliklinik Johann Schnitzler (1835 bis 1893), Vater des Dichters, der Baktcriolog Alexander Marmorek (geboren 1865), Bruder des Architekten Oskar Marmorek, Cesarc Lombroso, bekannt als Kriminalanthropolog, der Ophthalmolog Richard Liebreich (1830 bis 191 7), der den Augenspiegel erfand, David Gruby (1811 bis 1898), der Arzt H. Heines, die Familie Eulenburg, deren berühmtester Albert war, einer der beliebtesten Nervenärzte, Robert Baränyi, endlich Paul Ehrlich, der mehr Anrecht darauf hat, in einer Siegesallee zu stehen, als mancher „Schlachtcnlenker". Dieses Dutzend von Namen ließe sich leicht verhundertfachen. 6. PHYSIKER. Das 1 eleohon bereitet zwar manchem, besonders in Wien, bloß Ärger, aber item! sein erster Konstrukteur war der lüde Philipp Reis (1834 bis 1874). Reis stammt aus Gelnhausen und war zuletzt Lehrer der Mathematik und Physik am berühmten Garnierschen Institut in Friedrichsdorf bei Homburg. Das Problem der elektrischen Übermittlung von Tönen lag damals in der Luft, viele Physiker mühten sich vergeblich damit, bis es endlich Reis gelang, den ersten Gebe- und Emofangsapparat zu konstruieren, womit das Telephon, wenn auch noch nicht in seiner heutigen Vollkommenheit, erfunden war. 1885 wurde diesem Manne in seiner Geburtsstadt ein Denkmal errichtet. Vergleiche Thompson, Philipp Reis, the inventor of the telephone, London 1883. — Einer 'der bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts überhaupt war aber Heinrich Hertz (185 7 bis I894), ein Hamburger, Schüler des berühmten Helmholtz, seit 1889 Professor in Bonn. Hertz ist der Vollender der von Maxwell theoretisch begründeten elektrischen Lichttheorie. Er arbeitete als erster an der Erzeugung von Ätherwellen von großer Wellenlänge, wies nach, daß die elektromagnetischen Wellen sich mit derselben Geschwindigkeit durch den Raum fortpflanzen wie das Licht, widerlegte so die bis dahin herrschende Theorie von der momentanen Fernwirkung derselben und zeigte den innigen Zusammenhang zwischen optischen und elektromagnetischen Phänomenen. So legte er das theoretische Fundament zu den Arbeiten Marconis und ermöglichte es, an einen Fernsehapparat zu denken. Marconi knüpfte direkt an Hertz' Versuche und Theorien an. Jeder Laie vermag zu erkennen, was die moderne Zivilisation diesen beiden Juden, Reis und Hertz, verdankt. (Fortsetzung folgt.) SCHACH Geleitet von Richard Reti Wie alljährlich im Winter findet auch heuer ein Turnier der Wiener Schachvereine untereinander statt. Eine Sensation brachte der am 2. Februar ausgetragene Klubkampf der Hakoah gegen den Deutschen Schachverein, den langjährigen Inhaber der Vereinsmcislerschaft. Hakoah gewann wider Erwarten und noch dazu überlegen mit 91 '., zu 51 ,, Punkten. Nachstehend die interessanteste Partie des Matches. HOLLÄNDISCH. Weil.?: Lokvenc (Deutscher Schachverein). Schwarz: Hermann Weiß (Hakoah). 1. d2d4 f7- 15 2. g2-g3 ........ Die holländische Partie ist keine empfehlenswerte Verteidigung. Die Fianchettierung der Läufer, eine bereits von Steinitz vertretene Idee, gilt heute als das beste Behandlungssvstem für Weiß. 2........... c7 e6 3. Lf I - g2 Sg8 - (6 4. Sgl - h3 Diese Springerentwicklung ist hier sehr stark. 4........... LI6-c7 5. 0 0 0 -0 6. b2—b3 c7c6 7. c2 —c4 d7-d5 Die nun erreichte Bauernkonfiguration des Schwarzen ist unter dem Namen Stonewall bekannt. Sie ist schwerlich vom theoretischen Standpunkt aus korrekt, wird aber dennoch praktisch öfter angewendet, denn wenn Weiß nicht das Beste spielt, kann Schwarz leicht zu gefährlichen Königsangriffen gelangen. 8. Sbl—d2 Sb8-a6 9. Lei - b2 Sa6-c7 10, Ddl-c2 Sc7--e8 Die Springerwanderung des Nachziehenden hat den Zweck, den strategisch wichtigsten Punkt dieser Spielweise, nämlich e4, so oft als möglich zu beherrschen, denn sobald Weiß zu e2 — e4 gelangt, ist er klar im Vorteil. Dieser Vorstoß kann aber nicht verhindert werden. 11. Sh3 — f4 ......... Die erste Abweichung vom vorgeschriebenen Wege. 1 1. f 3 war das richtige, denn nun konnte e4 nicht mehr verhindert werden, z. B. 1 1. - - Sd 6 12. Sf 2! und es ist nicht ersichtlich, was Schwarz angesichts des drohenden e 4 überhaupt ziehen soll. 12. — Sh5? 13. e4 f4? 14. g4 und Weiß gewinnt. Tauscht aber Schwarz auf e4 einigemal ab so wird sein e-Bauer hilflos schwach. 11........... Sf6-e4 12. Sd2Xe4 f5Xe4 13. f2 - f3! e4X f3 14. c2 X f 3 ......... Die zweite, schon weit bedenklichere Abirrung. Weiß hat bedeutenden Vorsprung in der Entwicklung, außerdem stehen seine Figuren durchwegs besser, er sollte daher auf rascheste Öffnung des Spiels und Vergrößerung der Terrainfreiheit bedacht sein. Der Läufer sollte auf f3 zurückschlagen, um e4! folgen zu lassen, gleichgiltig ob dies mit dem Abtausch des Königsläufers gegen den feindlichen Springer verbunden war. 14........... Le7-«5 15. Sf4--e2 .......... Falls Sh3, so gewinnt Schwarz mit Le3-h nebst d X c4 und L X d4 einen Bauer, 15........... Se8 —d6 16. f 3 — f 4 Lg5-e7 17. Tal - ei Lc8--d7 18. Lg2 h3 .......... Noch immer hat Weiß bedeutenden Stellungsvorteil, aber er weiß ihn nicht auszunutzen. In solchen Lagen, wo es bei sonst geschlossener Stellung die Belagerung eines Bauern gilt, müssen zunächst jene Figuren in Stellung gebracht werden, welche noch nicht gut entwickelt sind. Außerdem muß der Gegner sorgsam eingeengt werden. Hier war es notwendig, zunächst den Punkt e4 mit zwei leichten higuren zu beherrschen, denn die Türme auf der e-Reihe verdoppeln und dann durch allmählichen Vormarsch der Flügelbauern den Gegner so weit einzuengen, bis er quasi erstickt wäre. Mit dem Textzug verhindert Weiß 18. —- Le8 nebst L g 6, leistet aber nichts für den Angriff. Er hätte dieses Manöver nicht verhindern, sondern unschädlich machen sollen. 18........... Tf8 - (6 19. Se2 cl TI6 h6 20. Lg3 - g4 Sd6 - - f 5 21. Sei d3 Le7 f6 22. Dc2 (2 Th6 -g6 23. Lg4 - - 13 Lf6 -h4 Die Einleitung zu einer sehr interessanten Opfer-Kombination. 24. Sd3-e5 Lh4Xg3 Ein chancenreiches, wenn auch nicht ganz korrektes Opfer. 25. h2;g3 Tg6Vg3i- 26. Lf3 —1?2 Ld7 c8 27. Sc 5 f3 ......... Schwach; viel stärker wäre 27. Tel nebst T c 3 gewesen, wonach Weiß wohl schließlich gewonnen hätte. 27........... Le8-h5 28. Sf3 - g5? ......... führt zum Verlust. Die Drohung L;<f3 müßte mit 28. Dd2 pariert werden. Allerdings hätte Schwarz auch dann sehr aussichtsreichen Angriff behalten. 28........... h 7 - h 6 29. Sg5 < e6 Dd8 -h4 30. Tel -e5 Lh5 -g4 31. Df2 - cl 2 Dh4 h3! 32. c4 d5.......... Auch nach dem Qualitätsopfer auf f5 gab es für Weiß keine Rettung. 32........... Sf5-h4 33. Te5c2 .......... AufTf2 gewinnt Schwarz mit 33. — T ■ g2 f nebst Sf3 + 33........... Lg4X.c2 Weiß gab auf. Der Nachziehende hat den Angriff sehr hübsch geführt. Daß er lange Zeil unbefriedigend stand, war nur indirekt seine Schuld, denn er hatte bewußt eine unbefriedigende Eröffnung gewählt. SCHACH NACHRICHT EN Im Mai dieses Jahres ist ein schachliches Ereignis ersten Ranges zu erwarten. Jugoslawische Schachkreise wollen einen Match zwischen Dr. Lasker und Dr. Vidmar veranstalten, die beiden Meister sind einverstanden. Zehn Partien sollen gespielt werden, davon vier in Belgrad, vier in Laibach und zwei in Agram. In Hasting; hat ein kleines Weihnachtsturnier stattgefunden, an dem sich 1 6 Spieler beteiligten. Den ersten und zweiten Preis erstritten gemeinsam Maroczy und Dr. Tartakower, Dritter wurde Yates, Vierter A- Steiner, Fünfter Przepiorka und Sechster Dr. Seitz. * Ein Weltkampf Balla gegen A. Steiner hat in Budapest stattgefunden und endete 2 : I bei einer Remise zugunsten des ersteren. Spielmann hat eine erfolgreiche Tournee durch die Tschechoslowakei, Deutschland und Schweden unternommen. Seine Hauptleistung war ein Flandicaptuvnier gegen die zehn stärksten Spieler Münchens, das er hoch gewann. In Schweden spielte er mit Nielsen einen kleinen Wettkampf und siegte 3:1.