Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 3 (März 1925)
- Article
- Jozef Israels in Spanien
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH das richtige Verständnis für die besondere Stellung des jüdischen Volks- und Tempelgesanges, seine eigene Melodik und Harmonie. Aber nicht nur die künstlerische, auch die materielle Frage ließe sich unter solchen Auspizien viel leichter lösen. Denn während eine Aktion von privater Seite, wie zum Beispiel die eingangs dieses Aufsatzes erwrähnte, von allem, was gegen sie spricht, abgesehen, kaum je die Mittel erzielen könnte, um halbwegs anspruchsvollere Pläne zu verwirklichen, würde eine Sammeltätigkeit, die von unseren besten Namen getragen wäre, sicher ganz andere Resultate ergeben. Schon deshalb, weil diese Persönlichkeiten im natürlichen Bestreben, ihre Anregungen verwirklicht zu sehen, wohl auch ihren eigenen persönlichen Einfluß mit in die Wagschale werfen würden. Aber auch darum, weil dann das private Spendeneinholen ebenso schwinden würde, wie das Mißtrauen, das in solchen Fällen heute noch den Geber oft mit Recht zurückhält. Alle Zersplitterung wäre vorbei. Dann gäbe es nur zwei große, zwei offizielle Sammelbüchsen für Erez Israel: die bereits organisierte, wirtschaftlich-politische und eine für den kulturellen Aufbau. Das wäre der Plan, der hier nur in kurzem Umrisse gezeichnet werden sollte. Möge er die berufenen Kreise zum Versuch einer Verwirklichung anregen. Lionel S. Reiss / Die ^W^inkeJ des Ghetto Im Jahre 1922 verließ ein junger Künstler, dessen kraftvoll erfaßte Ghettotypen sich großer Popularität erfreuten, Amerika, mit der Absicht alle Ghettis der Welt zu besuchen und ,,auf den Spuren des Judentums" diese Reste vergangener Zeiten im Bilde festzuhalten. Lionel S. Reiss erfüllte damit die Sehnsucht seiner Jugendträume, die den im nüchternen Alltag Amerikas aufgewachsenen Künstler mit magischer Kraft an die Stätten des jüdischen Lebens zogen. In alle Weltteile will der Künstler wandern und so eine nicht zu unterschätzende kulturelle Aufgabe erlüllen. Die Bedeutung seiner Arbeit wird klar, wenn man bedenkt, wohin überall Juden gewandert sind, seit das erste Ghetto im antiken Rom entstand. Von hier zog der Jude seit Jahrhunderten unstät durch die Länder und Städte der Erde und selbst an jenen Orten, wo ihn das Gesetz nicht zwang, abgesondert zu siedeln, drückte die Eigenart seiner Lebensführung der Wohnstätte unverlöschlichen Charakter auf. Eine reiche Ausbeute seiner Studien in Europa veröffentlichte Reiss in einer vor kurzem in Amerika erschienenen Mappe ,,Ghettocorners'* (Die Winkel des Ghetto), aus der wir einige ausgewählte Proben bieten. i