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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
An der Universität
Date
1925-02-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 M E N O R A H BEIM TELE besonderes Volk betrachten müssen, — eine Nation, weißt du? Jede Nation gibt der ganzen Welt etwas, — denk' nur an die Griechen und Römer. Aber wir Juden, alle zusammen, meine ich, wir geben der Welt garnichts." ,,Aber ihr tut es individuell." „Vielleicht genügt das nicht." ,,Was würde Geoffrey dazu sagen?" ,,Ach, Dolly!" Und Lena lachte plötzlich hell auf. Sie dachte an ihren tadellos eleganten Bruder, der Oxford vor einem Jahre verlassen und eine so wichtige Rolle im Universitätsleben gespielt hatte: wenn der den Orlowsky nur sehen könnte! Ihr ganzes Problem erschien ihr jetzt doch ein wenig lächerlich. „Wir wollen zurück," sagte sie und stand auf. ,,Hier werden wir ja nicht mehr arbeiten." Als sie in die Halle des Hauses trat, fand sie auf dem Tisch einen Brief in fremder Handschrift an sie adressiert. Sie riß das Kuvert auf; es enthielt einen kurzen Zettel mit dem Vorschlag, daß sie einer Versammlung beiwohnen solle, in welcher ein bekannter jüdischer Nationalist reden würde: das heißt, wenn sie genug Interesse habe, etwas über die jetzigen Strömungen der jüdischen Gedankenwelt zu erfahren. Die Unterschrift lautete: Chaim Orlowsky. Chaim. Ein merkwürdiger Name! Und wie wagte er, ihr zu schreiben! Sie stieß den Zettel in ein Fach ihres Schreibtisches. Sie hatte noch eine Stunde Zeit ehe sie sich zum Diner umkleiden brauchte — lang genug, um an dem vernachlässigten Aufsatz zu arbeiten. Sie setzte sich und schrieb in ihr Heft: Die Griechische Sklaventheorie. A. Der Städtestaat. B. Naturrecht bei den Griechen. Ach, was hatte sie damit zu schaffen! Es war ja schon so lange, her! Die alten Griechen waren samt ihren Theorien verschwunden, aber die Juden — ihr eigenes Volk — die lebten noch und hatten eine lebendige Weltanschauung und besondere Gaben für die Menschheit von heute. Ungeduldig schob sie das Heft fort, stützte die Ellbogen auf das Pult, das Kinn in die Hände und starrte vor sich hin. Wenn sie nun doch in die Versammlung ginge? Was würden ihre Eltern dazu sagen? Ihr Vater, der so stolz darauf war, daß seine Familie eine große Rolle in der Emanzipation der englischen Juden gespielt hatte? Wie gekränkt würde er sein, und wie verächtlich ihr Bruder! „Mit was in aller Welt verwickelst du dich da?" würde Geoffrey fragen — sie hörte seinen geringschätzigen Ton. Sie konnte nicht gehen. Doch, sie konnte! Schließlich war es ihre eigene Sache. Sie ging ja in andere Versammlungen; sie interessierte sich für internationale und sozialistische Fragen: warum sollte sie nicht auch einmal etwas über das eigene Volk hören? Die Juden — das war ihr Volk. Und plötzlich nahm sie einen Bogen Briefpapier und schrieb: „Lieber Mr. Orlowsky! Ich danke Ihnen für Ihren Brief. Bitte, schicken Sie mir zwei Eintrittskarten, da ich eine Freundin mitbringen muß. Wir dürfen abends nicht allein in Versammlungen gehen. Ihre Lena Shapero." Sie steckte den Brief in den Kasten in der Halle und kehrte frischen Mutes zum Aufsatz zurück. Nach dem Abendessen ging sie in den Garten zur niedrigen Mauer am Fluß. Sie konnte die weiten Flächen der Christchurch- Wiesen erkennen und den grauen Umriß des Mertonturmes; ein einsamer, silberner Stern leuchtete am blaßgrünen Himmel. Durch die geöffneten Fenster der Hauskapelle, wo man die Abendandacht hielt, hörte sie die Studentinnen singen: „Herr, sei mit mir." Wie lieblich das klang! Wie schön und friedlich war es hier! St. Mary's College, Oxford. Das gehörte ihr und wie sehr liebte sie es. Aber gehörte es ihr auch wirklich? War ihr Platz wirklich hier? Der Gesang war beendet. Sie hörte Reden und Lachen und wußte, daß die Andacht zu Ende war. Es fing an dunkel zu werden. Sie erschauerte und zog den feinen Chiffonschal fester um die Schultern. Hinter sich hörte sie leichte Schritte: sie wandte sich um und erblickte Dorothy. „Hallo, Lena! Ich suchte dich gerade. Hast du vergessen, daß wir Janet und Eileen zum Kakao eingeladen haben? Hast du Milch besorgt?" „Ach, entschuldige. Ich habe es ganz vergessen." „Es macht nichts. Wir können Milch borgen. Komm!" Sie gingen zusammen ins Haus. „Kämpfst du noch mit deinem Problem?" fragte Dorothy. „Wie fühlst du dich jetzt — mehr englisch oder jüdisch?" Und Lena antwortete: „Ich weiß es nicht." if if im ff« iif f ff if irii« ii iririf if rirriiffff ff h f frri if ff iirrri ff mifif nirif i rii tu Hfl if ftfi ri if ff n ir; i n» iibi i n n ininnirif if f if irmi im h 11 hii iii hi init 11 nnirnif nnmi niff niri ifimui i f f inni rt rn f in m in i» h nrnif i I HAUSNER & ZOUPLNA [ | Atelier für feinste Herrengarderobe | | Stadt- und Sportpelze aller Art | | Vornehmste Ausführung in Schnitt und | | Ausarbeitung bei wirklich seriösen | | Preisen j 1 WIEN, I. I | TEL. 75-6-33 FO HR ICHGASSE 6 TEL. 75-6-33 | | (ECKE TEGETTHOFFSTRASSE) | lllllII!lll!li!l>lll!!lllllllllli!lll!lillllllllllll!l!lllllil!lll!llll!i!ll!lll!l||IH

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