Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1925)
- Article
- Don Jizchak Abarbanel
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 2)
- Language
- German
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M E N O R A H 35 außerordentlichen Geistesanlagen früh zur Entfaltung. In die jüdische Wissenschaft wurde er von dem damaligen Rabbiner in Lissabon, Josef ben Abraham ben Nissim Chajjun eingeführt. So wuchs Abarbanel heran zu einem Menschen von prachtvoller Ausgeglichenheit, zu einem Charakter, in dem sich Geistesbildung mit Herzenstakt paarte. Das Wissen machte ihn innerlich frei, und der Ahnenstolz gab ihm jenes erhebende Gefühl, das zur Würde verpflichtet. Dazu noch zeichnete er sich durch besondere Gewandtheit in geschäftlichen Angelegenheiten aus und brachte es schon in jungen Jahren zu Reichtum und Ansehen. Alfons V., König von Portugal, war sein Gönner; der Herzog Fernando von Braganza, der Marquis von Montemor, Connetable von Portugal, der Graf von Faro und viele andere Granden Portugals waren seine Freunde. Noch jung an Jahren trat er in den Staatsdienst. König Alfons, der Abarbanels Fähigkeiten sehr hoch schätzte, legte die Leitung von Staatsgeschäften vertrauensvoll in seine Hände. Er erwies sich bald als ein Mann von praktischer Staatsklugheit, als ein kluger Kopf, der nicht nur das Finanzwesen außerordentlich gut verstand, sondern auch in anderen staatlichen Angelegenheiten mit klugem Rat wertvolle Dienste leistete. Nach dem Tode Alfens' bestieg Johann II. den Thron von Portugal, ein mißtraurischer Herrscher, der überall Verrat witterte und die obersten Staatsdiener grundlos einer Verschwörung verdächtigte. Sein Argwohn richtete sich auch gegen Don Jizchak Abarbanel. Von Freunden rechtzeitig gewarnt, flüchtete Abarbanel nach Spanien, dem alten Wohnsitz seiner Vorfahren. Hier erblühte ihm das Glück von neuem. König Ferdinand schenkte ihm sein Vertrauen, ernannte ihn zum Finanzminister, und acht Jahre lang durfte Abarbanel die Finanzgeschäfte des spanischen Staates leiten. Da brach plötzlich die furchtbare Katastrophe herein: die Vertreibung der Juden aus Spanien. Abarbanel schloß sich seinen verfolgten Brüdern an. Er wanderte aus. Er ging nach Neapel, nach Messina, nach Monopoli, nach Venedig, widmete sich ausschließlich dem Thorastudium, schrieb einen gediegenen, von einer Denkfreiheit zeugenden Kommentar zur Bibel . . . Doch wir wollen Abarbanel selbst seine Lebensschicksale erzählen lassen. In den in klassischem Hebräisch geschriebenen Einleitungen zu seinem Josua- und Könige-Kommentar sind einige autobiographische Daten enthalten, die sowohl literarisch wie historisch von Interesse sind. Ich teile sie hier in möglichst wortgetreuer Übersetzung mit. Abarbanel schreibt: „Friedlich wohnte ich in meinem Hause und Gott segnete mein väterliches Erbe in der berühmten Stadt Lissabon mit Reichtum und allen irdischen Glücksgütern. Ich baute mir säulengetragene Paläste, mein Heim war für Gelehrte und Weise ein Sammelpunkt, wo sie aus Büchern und mündlicher Unterhaltung gegenseitig Belehrung schöpften und sich in der Gottesfurcht unterstützten. Meine Räume dehnten sich und meine Besitzungen blühten zu jener Zeit, als Don Alfonso, der heldenhafte König, auf dem Throne des Reiches saß und mit Gerechtigkeit regierte. Unter seiner Herrschaft hatten die Juden Schutz und Bewegungsfreiheit. Unter seinem Schatten saß auch ich mit Lust; ich war einer der Nächsten seinem Throne, er stützte sich auf mich und setzte in mich sein Vertrauen. Da wurden wir vom Unglück heimgesucht: der König starb. Die Juden, die in ihm einen mächtigen Beschützer verloren, weinten und wehklagten und groß war ihre Trauer. Sein Sohn, Don Joao, bestieg den Thron; ein König voll des Mißtrauens, der die alten Räte seines Vaters nicht kannte und der seines Vaters Freunde, des Landes Fürsten, mit bitterem Haß verfolgte. Er witterte überall Verrat und gegen die edelsten Häupter des Volkes, gegen diejenigen, die der Geburt sowohl wie dem Ansehen nach dem Throne am nächsten standen, richtete sich sein Vernichtungsplan. Er hatte den ganz unbegründeten Verdacht, daß die obersten Staatsdiener heimlich mit Spanien ein Komplott schmieden, um ihn von seinem Throne zu stürzen. Einen der ersten Staatsmänner erstach er, während jener friedlich und nichts Böses ahnend neben ihm saß, mit seinem Schwert. Die anderen ergriffen die Flucht. Da diese Fürsten zu meinen intimsten Freunden gehörten, zählte er auch mich zu den Verschwörern', zumal da sich schlechte Leute fanden, die mich aufs ärgste verleumdeten. Von Freunden auf die mir drohende Gefahr aufmerksam gemacht, entfloh ich nach Kastilien. Meine Besitzungen wurden in Beschlag genommen und ich war nun mit cir.emmale verarmt und vereinsamt. Ich begann darüber nachzudenken, worin ich denn so arg gesündigt haben könnte, daß mich Gott mit solch harter Strafe heimsuchte. Da fielen mir die Schuppen von den Augen: Ich habe schver gesündigt, denn ich habe das Studium der Gotteslchre vernachlässigt. Ich widmete mich Finanzgeschäften, erlangte Machtstellung und hches Ansehen und vergaß indessen, mich in das Gotteswort zu vertiefen und in der Gotteslehre zu ferschen . . ." „Es war im Jahre 5244 nach Erschaffung der Welt — ich war gerade im Begriff, meinen Kommentar 7u dem Buche der Könige zu schreiben — da wurde ich zum König von Spanien beschieden. Als ich bei Hof erschien, empfingen mich der König und die Königin sehr wohlwollend. Gott ließ mich Grade finden in ihren Augen. Acht Jahre lang half ich mit, die Staatsgeschäfte ordnen. Allein das neunte Jahr war ein Ungiücksjahr für Israel. Der König von Spanien eroberte das herrliche Granada,