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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
Das Grabdenkmal der Mutter des Baalschem in Tluste
Date
1925-02-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 M E N O R A H ß Im Folgenden die Transkription der Inschrift, die deutsche Übersetzung sowie einige Bemerkungen zu den einzelnen Zeilen. 500 nach d. kl [einen] Z[ahl] Zeuge m'H *r;r? dieser Hügel und Zeuge dieser Denkstein "•-N S'2 rr.V Sara T[ochter] Mutter DU' '2 ~U'* des Isra[el] B[aal] Schern D*»* .1"!:!;;* Und sie verschied Tag Zeile 1. Abkürzungszeichen sind weder hier noch in den folgenden Zeilen auf der photographischen Kopie zu sehen. Sämtliche Abbreviaturzeichen sind von mir hinzugefügt. Zeile 3—5. Die übliche Redensart auf Grabsteinen aus Gen. 31 52. Man würde nachher ♦ ♦ ♦ T erwarten. " von r~y' auch für das folgende Wort. Zeile 6. Nach der Tradition in Tluste ü"2 in *?'~X n; aufzulösen. Sicher ist dies nicht, da wohl die Tochter Baalschems diesen Namen führte, ob sie aber die Namensträgerin ihrer Urgroßmutter war, ist andern Orts nicht bezeugt. Die Absonderlichkeit der Erwähnung des Mutternamens könnte ihre Stütze in Sohar I, Bl. 84a, finden, wo Ps. 36, 16 „Und hilf dem Sohne deiner Magd" in diesem Sinne gedeutet wird. Dies hält der Sohar bei Gebeten für wichtig, welches auch in die chassidische Praxis Eingang fand. Sicher ist nämlich nur die Mutter, während der Vater ungewiß (incertus) ist. Beim Gebet soll man aber die erwiesene Wahrheit sagen. Würde die Lesung *r~N n: feststehen, könnte allerdings Baalschem der Urheber der Grabschrift sein. Dadurch würde auch der Wegfall der Titulaturen bei allen Personen eine Erklärung finden, da ja am Friedhof für die verstorbene Person gebetet wird. Es muß jedoch bemerkt werden, daß, soweit mir bekannt ist, wohl der Muttername in letzterer Zeit zuweilen erwähnt wird <-2X ,'"N4 EU'* " N""'*> aber immer neben dem Vaternamen. Ahron aus Karlin schreibt in seinem Testamente folgendent Text für seine Grabschrift vor "*;*i?E "U'XC "T*r*:,T *;,L?*: *■"*: 'j'hz \2 *"'*>2 N"mU\ Der Name des Sohnes wäre jedenfalls überflüssig. Zeile 7. "U" für *T&rUM ist eine ungewöhnliche Abkürzung. Etwa weil die letzten zwei Buchstaben Gott bedeuten? Die Druckschrift hat dafür die Ligatur k Zeile 9 ff. Auf der Photographie keine Buchstabencharaktere wahrzunehmen. S. Meiseis / Donji Es war in jenen Tagen, da Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien gemeinsam und mit kirchlichem Eifer über die vereinigten spanischen Reiche herrschten. Unter der Regierung dieses Königspaares ward Spanien durch Einheit mächtig und durch Zuwachs groß geworden, wodurch auch die Krone Macht und Größe und damit die uneingeschränkte Gewalt gewann, hemmungslos ihren despotischen Gelüsten zu fröhnen. Ferdinand und Isabella haben Spaniens Macht und Größe durch wichtige Eroberungen, ihre Königsgewalt aber durch fanatische Wut, durch blutige Verfolgungen, durch Ausweisungsbefehle und Schreckensgerichte begründet. „An dem Andenken Ferdinand des Katholischen", schreibt Karl von Rotteck in seiner Allgemeinen Geschichte, „haftet die dreifache Schmach der Ungerechtigkeit, der Untreue und der fluchwürdigen Verfolgung. Seine meisten Erwerbungen geschahen durch Niedertretung des natürlichen und des geschriebenen Rechtes; Wort und Eid waren ihm Spielwerk und er schändete die Majestät durch fiskalischen Raub und gerichtlichen Mord. Er hat das abscheuliche Tribunal der Inquisition in Spanien eingeführt, trotz des Widerstandes, welchen, den despotischen Zweck erkennend, der Adel -und das Volk, ja selbst die. hohe Geistlichkeit ihm entgegensetzten. Denn, ob auch in frevelhafter Ankündigung zur Ehre Gottes und der Kirche errichtet, war doch das Schreckensgericht ein königliches, die Richter vom Thron ernannt, der Verurteilten Gut dem Throne verfallen, der Prozeß, nach Form und Geist, der Nationalfreiheiten Tod. Der Papst selbst sah diesen Eingriff in seine Macht ungern und nicht ohne Grund. Dagegen erhielt die Vertreibung der Mauren und Juden aus Spanien die volle Billigung Roms. Ja, es ward der Eifer Ferdinands zur Reinigung seines Reiches von Ungläubigen (wie von Ketzern) mit dem Ehrennamen des ,Katholischen' belohnt. Nur mit Schmerz und Entrüstung kann von solchen Dingen gesprochen werden." Indes, Ferdinand der Katholische und seine Gemahlin Isabella waren nicht katholisch genug, sich um das kirchliche Verbot, Juden als Beamte anzustellen, viel zu kümmern, wenn es dem Staatssäckel abträglich werden konnte, und sie trugen kein frommes Bedenken, den Juden Don Jizchak Abarbanel mit der Führung der Finanzgeschäfte Spaniens zu betrauen; aber sie waren kirchenfromm genug, jenes vom Beichtvater Ferdinand de Talavera verfaßte Edikt zu erlassen, wonach sämtliche Juden Spaniens innerhalb vier Monate aus den Gebietsteilen Kastiliens, Aragoniens, Siziliens und Sardiniens bei Todesstrafe auswandern müßten. An die Regierungszeit Ferdinands und Isabellas knüpft sich demnach die Erinnerung an die furchtbarste Tragödie in der jüdischen Geschichte: Wir sehen ein Volk aus dem Boden entwurzeln und in die Fremde jagen. Innerhalb vier Monate und bei Todesstrafe müssen sie auswandern — heißt es im Edikt des Königs. zchak Abarbanel Das heißt, einem Kranken genau bestimmen, wann sein letztes Stündlein schlagen wird. Ferdinand und Isabella machten kein Hehl daraus, daß sie dem Gott der Liebe dieses Opfer brachten, ein Dankopfer dafür, daß das heidnische Granada in ihre christlichen Hände fiel. Dreihunderttausend Menschen gingen ins Exil, dreitausend Menschen - Hekatomben — wahrlich, ein stattliches Opfer, wie es kein Zeus je gesehen. Sie mußten nicht auswandern; es gab einen Rettungsweg, der durchs „Wasser" führte. Viele gingen ihn und blieben im Lande. Aber die Masse des Volkes schwankte keinen Augenblick. Die dreihunderttausend Auswandernden folgten einem inneren Drang, einem Herzenstrieb, ohne erst das Für und Wider zu überlegen. Vor die Alternative gestellt: christliche Spanier und eine Heimat oder spanische Juden und Auswanderung — wählten sie ohne weiteres das letzte. Sie verließen die Heimat, obwohl sie keine schlechteren Patrioten waren als die Zurückgebliebenen. Auf die Frage, ob in ihnen der Jude oder der Spanier die Obermacht besaß, gibt ihre Auswanderung keine bestimmte Antwort. Die Auswanderung beweist nur, daß diese Menschen, die seit der Auflösung ihres Reiches mit zwei Attributen durch die Welt wandern (es ist bezeichnend, daß selbst die Juden Palästinas „palästinensische Juden" genannt werden!), nicht das eine zugunsten des anderen preisgeben wollten. Sie mochten sich gesagt haben: Spanier in der Fremde bleiben, kann uns niemand hindern, aber hier müssen wir den Juden im Weihwasser ersticken. Die Geschichte hat ihnen recht gegeben. Sie sind in der Fremde bis auf den heutigen Tag spanische Juden geblieben. Ja, sie liebten ihre spanische Heimat, sie liebten sie so sehr, daß sie es als Schmach empfunden hätten, sie sich durch Lüge und Treubruch zu erkaufen. Die Chroniken erzählen, sie hätten vor der Auswanderung drei Tage und drei Nächte lang auf den Gräbern ihrer Vorfahren gesessen und geweint, und der Boden Spaniens trank gierig die letzten Abschiedstränen seiner Söhne. Die Chroniken erzählen ferner, sie hätten Grabsteine aus dem Boden gerissen, Bäume aus der Erde entwurzelt und sie als heilige Reliquien und als Symbole ihrer eigenen Entwurzelung mit sich ins Exil getragen. Die Vertreibung der Juden aus Spanien ist die große, erschütternde „Glaube und Heimat"-Tragödie des jüdischen Volkes. Im Mittelpunkt dieser Tragödie steht — Don Jizchak Abarbanel. * Don Jizchak ben Jehuda Abarbanel war in Lissabon 1437 geboren. Er entstammte einer adeligen Familie aus Sevilla, die ihren Stammbaum bis auf das königliche Haus Davids zurückführte. Im Elternhause genoß er eine sorgfältige Erziehung. Ein von bedeutenden Lehrern mit Sachkenntnis und Gründlichkeit erteilter Unterricht in den verschiedensten Lehrfächern brachte seine

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