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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
Das Grabdenkmal der Mutter des Baalschem in Tluste
Date
1925-02-01
Page
Seite 33 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH 33 Das Grabdenkmal der Mutter des Baalschem in Tluste*) VON BERNHARD WACHSTEIN Die hier erstmalig zum Abdruck gelangende Grabinschrift kann für die Lebensbeschreibung Israel Baalschems, die sich auf wenig sichere Daten stützt, Interesse beanspruchen. Zunächst erfahren wir, daß die auch in ernsten Werken sich wiederholende Angabe, Israel wäre als doppelt verwaistes Kind aufgewachsen, unrichtig ist. Im Todesjahre der Mutter 500--- 1 739-40 stand der Sohn bereits auf der Höhe seines Lebens. Horodetzky, '""t"" E'TCn.T. I, Berlin 1923, S. 5, hat ebenfalls diese Angabe, für die, wie ich glaube, sich nicht einmal in den Legenden ein Stützpunkt findet, und weiß S. 2 daselbst, daß ,,ihr Grab sich bis zum heutigen Tage in Kuty findet". Nun belehrt uns das Denkmal, daß die Mutter des Baalschem in Tluste gestorben ist. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, daß Israel selbst um diese Zeit noch in Tluste lebte und wohl als Baalschem in der Bedeutung der damaligen Zeit, also als Medizinmann bebekannt, aber als Heiliger, zumindest in den weiteren Kreisen, noch nicht berühmt war. Auffallend ist nämlich, daß sich bei der Nennung seines Namens nicht der geringste Hinweis auf seinen heiligen Lebenswandel findet. Nicht nur, daß jede Titulatur, wie sie ja um diese Zeit zumal auf Grabsteinen verschwenderisch gespendet zu werden pflegte, fehlt, nicht einmal das übliche '" ( Rabbi), hat auf dem Steine Platz gefunden., ,R." bezeichnet um diese Zeit nicht einmal mehr eine bedeutende Gelehrsamkeit, sondern nur noch die Zugehörigkeit zur bürgerlichen Gesellschaft, deren Glieder infolge ihrer Erziehung einiges jüdische Wissen naturgemäß sich aneigneten. Die Grabschrift könnte allerdings von Baalschem selbst herrühren, dann ist aber die Angabe „Mutter des Israel Baalschem" von der Hand des eigenen Sohnes nicht zu erklären. Eine andere Möglichkeit wäre, daß Baalschem sich bei seinen Landsleuten jede Titulatur verbeten hätte. Warum fehlt jedoch das übliche r"*: vor dem Mutternamen, während Baalschem dem Namen seines Vaters in seinen Briefen — leider kenne ich sie nur aus Drucken — hinzufügt? Zusammenfassend kann gesagt werden, daß ohne Kenntnis des Namens vom Baalschem die Angabe ,,Sara Tochter . . . Mutter des Israel Baalschem" auf eine nicht in der Gesellschaft stehende Frau würde schließen lassen, die man als die Mutter des als Medizinmann in der Gegend bekannten Sohnes zu bezeichnen für notwendig fand. Eine Untersuchung anderer Grabsteine derselben Zeit und im selben Räume auf Stil, Material und Größe könnte vielleicht weitere Aufschlüsse geben. In den Bemerkungen zur Inschrift soll noch auf manche Details eingegangen werden. Wie dem auch sei, auch aus diesem Zeugnisse können wir ersehen, welche Rolle das Städtchen Tluste im Leben des Baalschem spielt. Und dennoch finden wir auch in lesenswerten Werken über das Leben Baalschems die Angabe, daß Tluste in der Nähe von Brody (zu jener Zeit eine Reise von 4 Tagen!) gelegen sei. Um Tluste (an der alten Reichsstraße zwischen Czortkow und Zaleszczyki) gruppieren sich die meisten aus der legendarischen Lebensbeschreibung bekannten Ortschaften: Das Dorf Koszylowce (|,,V,,l7>w,p) an der Bezirksstraße nach Buczacz, an derselben Straße Jazlowiec, woher die enge geknüpften Beziehungen mit den beiden rabbinischen Kapazitäten, den Brüdern Beer und Meir Margulies herrühren, dann in anderer Richtung Horodenka und noch andere Ortschaften und schließlich auch das Dorf Okopy (C'PN* bei Mielnica am Sereth, das als Geburtsort des Baalschem gilt. Die Existenz des letzteren Ortes bestreitet Josef Lewinstein bei Kahana, "2" 2:^ EL" SrL'" S. 4, Anmerkung 1 und versetzt die Geburt Baalschems nach Tluste. Ich glaube kaum, daß Lewinstein für seine Annahme eine andere Quelle hatte als die Bezeichnung uCl^üS (aus Tluste) in der Unterschrift Baalschems. Diese Provenienz muß sich jedoch nicht auf die Geburt beziehen. Die Deutung C.px als Wall um Tluste entbehrt einer realen Grund- *) Herin Dr. Abraham Schwadron ist die Veröffentlichung dieses bedeutsamen Zeugnisses zu verdanken. Auf eine Mitteilung von mir über die Existenz dieses Denkmals scheute er keine Mühe, um eine photographische Kopie zu erlangen. läge. Spuren eines solchen wird man dort vergeblich suchen. Hingegen heißt der erwähnte Ort Okopy im Munde der Juden noch jetzt Okup C*pN\ Jedenfalls ersehen wir, daß Geburts- und Heimatsort Baalschems nicht in den Karpathen, wie es allgemein heißt, sondern in der Gegend von Tluste zu suchen sind. Es wäre nur noch die Angabe, daß £*px der Geburtsort Baalschems an der Grenze zwischen Polen und Walachei zu suchen sei, mit Bezug auf unser Okopy zu verifizieren. Ob und in welchem Lebensalter und wie lange er in der Karpathengegend verlebte, dafür fehlt leider jeder Anhaltspunkt. Die Natur der Gebirgsgegend, die Unwegsamkeit und die Einsamkeit sollen die Konzeption der eigenartigen Idee begreiflich machen. Wir wissen aber nur die eine für sein Leben und die Ausbreitung seiner Lehre bedeutsame Tatsache, daß seine Frau aus Kuty (l'.trp) in der Karpathengegend war. Hiedurch sind die Beziehungen klar, die Baalschem zu dem im äußersten Norden Galiziens gelegenen Brody, dem Wohnsitze seines Schwagers Gerson aus Kuty (~2'u*p), hatte. Mi^dzyborz, der Wohnsitz des bereits berühmt gewordenen Lehrers, sowie sämtliche podolische Ortschaften, die aus dem letzten Lebensabschnitt bekannt sind, liegen alle in der Gegend östlich von Brody. Interessant wäre zunächst die genaue Erforschung des Zeitpunktes, in welchem Gerson Kittower in Brody Fuß faßt. Leider hat die, ach, so fruchtbare moderne Baalschem-Literatur nicht einmal ernstlich den Versuch unternommen, die topographischen und chronologischen Momente im Leben Baalschems zur Klärung zu bringen. Die Kenntnis aller Antezedentien reicht gewiß nicht hin zu einer zureichenden Ableitung des neuen schöpferischen Gedankens, aber all dies ist unbedingt nötig, um die neue Schöpfung als solche zu erkennen. AUS DER SAMMLUNG DR. ABR. SCHWADRON (ZLÖCZOW)

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