Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Article
- Marc Chagall
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912840-2912842-2915060--01437-2915129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M E N O R A H 11 Jp:n ' f\3~X L' i.yi •1 M J< r MARC CHAGALL "n uj\ > jkoirm i-: rnrr o onrn o^pin ^xni r? rn am V:] TT ptai F*n-w iJUSriAät-; DLR GRÜNE JUDE züglich als ein Stück Realismus, wie in dem harmonischen Zusammenklang von schwarz, weiß und dem Fleischton. ,,Über Vitebsk", ein alter Jude mit einem Sack auf der Schulter fliegt über die Dächer, sowohl die Gestalt, als die Stadt in realistischer Manier naturgetreu bis auf das Mißverhältnis in den Größen und endlich „Der Spaziergang", zwei Liebende, die in den Lüften schweben, während das in Purpur getauchte Vitebsk tief unter ihnen liegt. Seine Dekorationen für das jüdische Kamerny-Theater kommen in ihrer Turbulenz und Exzentrizität der Pariser Zeit am nächsten. Im übrigen zeigen alle seine Werke eine Kombination der gläubigen Haltung, die er in seiner ersten Periode an den Tag legte und der Geschicklichkeit, die er in seiner zweiten Periode durch ernste Arbeit erwarb. Chagalls Werk ist in gleichem Maße erfüllt von des Künstlers ureigenster Art auf die Dinge zu reagieren, wie gesättigt von dem Geist seines Milieus. Wie sehr dies der Fall ist, beweist der Umstand, daß in seinen Dekorationen zu einem Stück von Synge eine hebräische Inschrift erscheint. Obwohl seine Visionen phantastisch sind, muten sie wie Genremalerei an — sie enthalten so viel Lokalkolorit, sagen so viel von ihm selbst aus, von ihm, seinem Weibe und seinen Nachbarn. Wie die Erzählungen von Poe, trägt seine groteske Kunst der Darstellung das Kleid überzeugendster Wirklichkeit und ist immer anekdotisch. Er erzählt immer eine Geschichte, nur ist deren Pcinte nicht immer erkennbar. Dennoch wird das Interesse stets erweckt und d.er Beschauer empfindet den dringenden Wunsch zu erfahren, was hinter diesen häufig so unklaren Symbolen verborgen sein mag. Obwohl demnach Chagalls Vision fast literarisch zu nennen ist, bleibt sie ebenso unfehlbar malerisch. Farbe und Form sind gleich phantastisch, denn hier dient die Farbe nicht als Behelf