Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Article
- Altjüdisches Folklore
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 3)
- Language
- German
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M E N O R A H 9 ~ 'V*;^- «>3,. * m\r' ~~ * ><€ >•* * t *, "v -^»ä * V-i^ÄP MARC CHAGALL DER LESENDE JUDE DER TÖRICHTE WUNSCH Ein Holzhacker klagte einst über sein hartes Leben; er arbeitete, trug schwere Lasten und verdiente kaum das nackte Leben damit. Eines Tages betete er im Walde zu Gott und schlief bald darauf ein. Im Traum erschien ihm ein Knabe, der sagte ihm: „Sprich einen Wunsch aus und er wird dir in Erfüllung gehen; überlege gut." Der Holzhacker sprach den Wunsch aus, alles, was er anrühre, möge sich in Gold verwandeln. Dann erwachte er aus seinem Traum. Er griff nach seinem Bündel Holz, und siehe da! Es verwandelte sich in Gold. Er freute sich über die Mafien. Darm grilf er nach seinem Wasserkrug, um Wasser zu trinken. Krug und Wasser verwandelten sich in Gold. Er nahm sein Brot in die Hand, auch dieses wurde zu Gold. Da ihm der Hungertod drohte, betete er von neuem zu Gott. Der junge Knabe erschien und nahm das Geschenk zurück. Niemand war froher als der Holzhacker. BELOHNTE WOHLTÄTIGKEIT Rabbi Judan war sehr reich und sehr wohltätig. Aber er wurde endlich so arm, daß ihm nichts mehr übrig geblieben war als ein kleines Slürk Land und eine Kuh. Eines Tages sammelten die Rabbiner Eliezer, Josua und Akiba Almosen. Judan schämte sich, ihnen nichts geben zu können, aber auf den Rat seiner Frau ■v erkaufte er die Hälfte seines kleinen Stück Landes und spendete es den Almosensammlern. Während er das Feld bestellte, fiel die Kuh in ein Loch und brach sich ein Bein. Aber Judan fand in dem Loch einen großen Schatz und war so für seine Wohltätigkeit reichlich belohnt.