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Menorah · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Article
Abraham, ein Vorbild echter Religiosität
Date
1925-01-01
Page
Seite 6 (sequence 4)
Language
German
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6 M E N O R A H entartete Sodomiter gewesen. Wie hell endlich strahlt auch Abrahams kriegerischer Heldenmut! Indem er auf die Nachricht von der Gefangennahme seines Neffen Lot seine wafTengeübten Knechte und die mit ihm verbündeten Kanaaniter aufbot und die zurückmarschierenden Feinde mit klug in drei Kolonnen geteiltem Heere bei nächtlichem Dunkel überfiel (1. Mos. 14, 15), hat er ein leuchtendes Beispiel dafür gegeben, daß die Frömmigkeit eines Volkes nicht seinen Patriotismus ersticken und seine kriegerische Tapferkeit lähmen kann. Und hat seine Religiosität ihn überhaupt zu einem Kulturfeind gemacht? Keineswegs. Wir sehen ihn nicht die Wüste aufsuchen, sondern auch nach Residenzen ziehen (1. Mos. 20), auch Wein für sein Heer annehmen (14, 18), reichen Brautschmuck mitgeben (24, 22) usw. Also das sogenannte „Beduinenideal" hat ihm nicht vorgeschwebt, und dieses Ideal ist nicht, wie man (Budde und andere) neuerdings häufig gesagt hat, der Vater der Patriarchenreligion gewesen. Abrahams Frömmigkeit steht ja auch in schönem Bunde mit Feinheit im gesellschaftlichen Verkehr. Wie anschaulich tritt uns dies aus der Erzählung über den Ankauf der Grabhöhle (1. Mos. 23) entgegen! Mit Recht haben deshalb in den vergangenen Jahrhunderten die Geschlechter der Menschheit auf Abraham als einen leuchtenden Helden der echt religiösen Gesinnung hingeblickt. Mit Recht haben die Bekenner dreier Religionen in der Verehrung für ihn gewetteifert. Denn auch bei den Mohammedanern ist Abraham eine gefeierte Persönlichkeit. Sie nennen ihn „den Geliebten Gottes", und Hebron, in dessen Nähe er sich am meisten aufhielt, heißt daher auf der Karte Palästinas jetzt „die Stadt des Geliebten": el-Chalil. Möge darum die hohe Gestalt des ersten Patriarchen auch in Zukunft die pietätsvolle Dankbarkeit und die tapfere Nacheiferung finden, die sie verdient! Solche Pietät ist eine Ehrenschuld, welche die Menschheit an die Helden der Geschichte abzutragen hat, und solche Pietät kann für die Seele, in der sie gepflegt wird, nur eine Quelle der wahrhaftigen, das heißt der religiös-sittlichen, Erhebung werden. Manfred Sturma i. ,,Du sollst in meine Nähe, höre mich! Erklimm den Berg, der ehern vor dir ragt, Bring' Opfer, wasche dich, noch eh es tagt: Mein Ruf soll meinem Volke sein durch dich!" Aus Dunkelheiten schlägt es an sein Ohr; Der Mund des Ewigen hat ihn erweckt. Und während Schlummer rings die Brüder deckt, Und Traum vergoldet ihres Schlafes Flor' — Erhebt er bebend sich und kühlt am Quell Die heiße Stirne, wirft ein Festgewand Um seine Schultern und verläßt das Tal. Dann schreitet er durch Wildnis und Geröll Empor zum Gipfel, wie's der Herr befahl Und wirft sich nieder in den dunklen Sand. n / Offenbarung in. Es schweigt der Flerr. — Und rosenfarbnes Licht Verströmte sich um des Gebeugten Haupt; Er war vom Morgen stumm mit Gold belaubt, Und Jubel lichtete sein Angesicht. Es streiften, wie zu krönen, ihm das Haar Die sanften Winde, und der Morgen sang Mit allen Tieren seinem Schöpfer Dank: Ein heitrer Tag sich aus der Nacht gebar. Und Engelsscharer» zogen mit ihm fort, Da er verklärt zu Tal sich wandte, Den Brüdern zu verkünden Gottes Wort. In weiten Reihen standen sie am Bergesfuß Und Kind und Greis und Mann und Weib entsandten Aus abertausend Kehlen Heil und Gruß. II. Da war ein Beben in dem Berge, und Die Sterne waren ausgelöscht im Raum. Ein Sturmwind raste um der Erde Saum, Es öffnete der Ewige den Mund: „O merkt auf meine Stimme; denn ich bin, Der euch auf Adlersflügel fortgetragen! Nehmt meinen Bund, bewahret meinen Sinn, Ihr weidet Völker, Zeiten überragen! Ihr sollt ein Volk von Priestern sein. Mein Wort Hat euch erwählt; denn mein ist diese Welt, Es gibt nichts neben mir, an keinem Ort. Wer Göttern opfert, hat sich mir vergällt! Die aber Gnade üben, werden mich erkennen Und meinen Namen allen Völkern nennen!" IV. Er rief die Brüder um sich und die Kunde Des Ewigen, wie sie am Berge ward, Entströmte gläubig seinem Führermunde, Als süßer Balsam auf der harten Fahrt. Er stand emporgerichtet gegen Himmel, Nach Osten, so der Wind trieb, wies die Hand; Gleich einer Säule Gcttes unterm Himmel, Entzauberte er Kraft dem Wüstensand. Da war Erkennen tief in Herz und Hirn. Hoch horchten Knaben auf; die Greise weinten. Und Siegesjubel kränzte jede Stirn . . . An diesem Morgen kürzten sie die Ruh'. Und die von einem gcldnen Ziel vereinten, Sie strebten wie e i n Wanderleib ihm zu. (Aus der Dichtung: „Die Führung.") JD Ii1 "X T T Hühners Schloßhotel Kolenzl - Cafe-Restaurant - Wiens schönster Ausflugsort JSs\JIJI1/J^JLJ1-J ■■ Herrliche Autostraßen Autoverkehr Grinzing—Kohenzl eigener Regie zu ermäßigten Preisen

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