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Menorah · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 3

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Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Article
Abraham, ein Vorbild echter Religiosität
Date
1925-01-01
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH Illvxtrierte MoNATJTCHRIFT FVr Die Jvdis-che Familie _WUENT^FRANKFVRT A M._ III. JAHRGANG_JÄNNER 1925 NR. I Abraham, ein Vorbild echter Religiosität VON GEHEIMRAT ED. KÖNIG Indem ich, einer liebenswürdigen Einladung der sehr geehrten Redaktion dieser Zeitschrift gern Folge leistend, in die Zahl ihrer Mitarbeiter eintrete, kann ich nach einem Hauptgebiete und Hauptziele meiner Studien mir zunächst nur die Aufgabe stellen, die neuerdings von immer wiederholten Angriffen bedrohte Sicherheit der geschichtlichen Überlieferung Altisraels schützen zu helfen. Deshalb habe ich es für richtig gehalten, dem Leserkreise dieses Blattes in erster Linie an einigen allhebräischen Lebensbildern neben deren Ideengehalt auch zugleich deren geschichtliche Unzerstörbarkeit vor die Augen zu führen. Wie aber könnte es zweifelhaft sein, daß ich die Reihe dieser Bilder aus vielen Gründen am richtigsten mit dem Lebensbild des ersten Patriarchen beginne? Gemäß meiner ausgesprochenen Nebenabsicht umrahme ich sein Bild aber mit diesen Linien. Es gab einmal eine Kinderschar, der von ihrer Mutter eine Geschichte erzählt wurde. Die Mutter berichtete von den Anfängen ihrer Familie. Sie sprach von den Heldentaten, durch die der alte Stammsitz ihres Geschlechtes erobert worden war, erzählte freilich auch von Fehlern, die der und jener unter den Vorfahren begangen hatte, hauptsächlich aber von dem bunten Wechsel ihrer Schicksale, von mancher niederdrückenden Not und mancher erhebenden Durchhilfe. Was taten nun jene Kinder? Zuerst lauschten sie alle begierig auf die Erzählung der Mutter und strahlten vor Freude über die Helden und Heldinnen, die aus der Vergangenheit ihres Geschlechtes zu ihnen herüberblickten. Aber dann wurde die Mehrzahl der Kinder dieser Geschichten überdrüssig und rannten, anstatt in der Dämmerstunde auf die Erzählung der Mutter zu horchen, in die dunkle Nacht hinaus. Dies ist das Schicksal der Geschichten von Abraham und den anderen Erzvätern bei den Menschen. Wie hoch sind jene Männer einst gepriesen worden! Mit welch ungetrübter Freude hing das Auge der Menschen einst an diesen Gestalten der biblischen Geschichte! Wie hell leuchteten sie trotz mancher Schwäche doch als Vorbilder auf dem Lebenswege so vieler Generationen! Und jetzt? In unseren Tagen meinen viele, auch die Gestalten Abrahams und der anderen Patriarchen in das dunkle Gebiet der Nichtexistenz hinausstoßen zu müssen, wie wir es ja zum Beispiel bei Delitzsch, „Die große Täuschung", I. (1920), Seite 73, beobachten. Wenn du von ihnen sprichst, kannst du leicht in die Gefahr geraten, wegen deiner Leichtgläubigkeit verlacht zu werden, als wenn du ohne Grund am Alten hingest oder unkritisch der Überlieferung trautest. Doch ist es sehr die Frage, auf wessen Seite da der Mangel an Kritik zu finden ist, und ob nicht vielmehr bei dem Angreifer sich eine vielleicht unbewußte Neigung zu blindem Glauben gegenüber manchen modernen Behauptungen geltend macht. Auf jeden Fall muß in unseren Tagen zuerst die Frage beantwortet werden, o b es einen Abraham gegeben hat, ehe da\on gesprochen werden kann, w a s er gewesen ist. I. Abrahams geschichtliche Wirklichkeit. Im Jahre 1902 wurde in der persischen Stadt Schuster eine Basaltsäule ausgegraben, welche in 282 Paragraphen die Gesetzesschrift des altbabylonischen Herrschers Hammurapi enthält, der 1926, wie neuestens berechnet worden ist, der Begründer des babylonischen Einheitsstaates wurde. In dieser Gesetzgebung sind Ehekontrakte als notwendig bezeichnet, indem es in § 1 28 heißt: „Wenn jemand eine Ehefrau nimmt, aber keinen Vertrag mit ihr abschließt, so ist dieses Weib nicht eine Ehefrau." Also war in Babylonien um jene Zeit die Schreibkunst auch bei dem Volke bekannt. Nun ist aber Abraham um dieselbe Zeit aus dem südlichen Babylonien ausgewandert (1. Mos. 1 1, 28). Was für eine unnatürliche Annahme ist es da, wenn viele neuerdings voraussetzen, daß nur gerade Abraham nicht habe schreiben können! Jetzt ist also auch viel erklärlicher, als früher, daß Juda nach

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