Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1924)
- Article
- Elektrizität in Palästina
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
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M E N O R A H Dr.-Ing. W. Majerczik / Elektrizität Die elektrische Energie, die schon in alten Kulturländern, wie Europa und Amerika, eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, ist noch erheblich wichtiger in Kolonialländern wie Palästina. Um dies zu verstehen, muß man sich klar machen, daß alte Kulturländer reich sind an technischen Hilfsmitteln aller Art. Gerade diese aber fehlen in den erst zu entwickelnden kolonialen Gebieten. Wie sieht zum Beispiel die Energiewirtschaft Palästinas aus. das heißt, wie ist es in Palästina mit der Beleuchtung, mit Heizen und Kochen, mit mechanischer Kraft für Gewerbe und Industrie, mit Straßen- und Vollbahnen bestellt? Die englische Steinkohle und das amerikanische Petroleum, beides nicht billige Brennstoffe, wetteifern miteinander, um die Bedürfnisse der Bevölkerung an Licht, Wärme und Kraft zu befriedigen. Der Umstand, daß die genannten Brennstoffe von dem Auslande her eingeführt werden müssen, ist natürlich ein volkswirtschaftlich ungünstiges Moment; denn diese Importe belasten die Handelswie die Zahlungsbilanz des Landes. Aber abgesehen davon, daß Kohlen und Petroleum teuer sind, ist das Arbeiten mit ihnen unbequem, das heißt unwirtschaftlich. Man denke einmal daran, wie mühselig und unsauber der Betrieb einer Petroleumlampe ist, die dauerndes Nachfüllen, ständige Reinigung, häufigen Ersatz von Zylindern und Dochten erfordert. Und wie unhygienisch und dabei feuergefährlich ist die Petroleumlampe? Man behauptet nicht zu viel, wenn man sagt, daß die Petroleumlampe dazu beiträgt, das Leben, besonders das der Hausfrauen, in Palästina schwer zu machen. Genau so liegt der Fall mit dem Petroleumherd in der Küche. Das gleiche gilt von dem Petroleummotor in der Werkstatt. Der P e t r o 1 e u m m o t o r ist ein besonderes Kapitel in dem gewerblichen und industriellen Leben Palästinas. Er ist, wie alle Verbrennungsmotoren, ein komplizierter Mechanismus, der sorgfältige Bedienung verlangt. Gute Maschinisten aber sind in Palästina selten und teuer. Der Petroleummotor erfordert auch mancherlei Reparaturen, teils solche, die eine Folge der natürlichen Abnutzung sind, teils solche, die durch Defekte verursacht werden. Auch Reparaturen sind in Palästina kostspielig, sie werden aus Mangel an guten Werkstätten nicht immer sorgfältig ausgeführt und sind dann ihrerseits die Quelle von Verlusten und von Ärger. Wer den gegenwärtigen Zustand der Technik in Palästina begriffen hat, der erst kann ermessen, welche Erhöhung des technischen Standards, welchen riesigen Fortschritt die Einführung der elektrischen Energie für das Land bedeutet. Wenn die unangenehme Petroleumlampe durch die leichte und elegante Glühlampe ersetzt ist, wenn an die Stelle des schwerfälligen, prätentiösen Verbrennungsmotors der billige, in punkto Bedienung an- Al.k 1 ZENTRALE DES ELEKTRIZITÄTSWERKES IN TEL-AV1V 13 in Palästina spruchslose Elektromotor getreten ist, dann wird das Leben in Erez Jisrael sich merklich gebessert haben. Für Palästina ist die Elektrizität um so mehr die gegebene Energieform, als das Land reich ist an leistungsfähigen Wasserkräften. Besonders der Hauptfluß des Landes, der Jordan, sowie seine Nebenflüsse Y a r m u k und Y a b b o c k besitzen ausbauwürdige Gefällsstufen. Dabei ist von besonderer Wichtigkeit, daß einige dieser Wasserbauten, dank vorzüglicher topographischer Grundlagen, sich leicht und risikolos, mit einem verhältnismäßig kleinen Anlagekapital ausführen lassen. Die Ausbeutung der gesamten Wasserkraft- und Elektrizitätswirtschaft des Landes wurde seitens der palästinensischen Regierung in einer Generalkonzession an den Ingenieur Rutenberg übertragen. Rutenberg, vielleicht der stärkste und ideenreichste Kopf des modernen Palästina, gründete zur Verwirklichung seiner Pläne die Palestine Electric Corporation Ltd. in Jerusalem. Es ist das eine Aktiengesellschaft nach englischem Recht mit einem autorisierten Kapital von 1,000.000 Pfund Sterling. An dem Kapital sind der Baron Edmund v. Rothschild-Paris, die zionistische Organisation sowie jüdische finanzielle Kreise in England, Amerika und Ägypten beteiligt. Die Vorstufe zu der Ausführung des Rutenberg-Unternehmens bilden mehrere Wärmekraftzentralen, die noch vor der Ausführung der Haupt-Wasserkraftanlage am Jordan errichtet wurden, beziehungsweise werden. Nach Fertigstellung des Jordanwerkes sollen die kalorischen Zentralen als Reservestationen, beziehungsweise als Spitzenkraftwerke dienen. Die erste der Wärmekraftanlagen wurde im verigen Jahre in J a f f a - T e 1 a v i v erbaut. Die Zentrale dient der Energieversorgung von T e 1 a v i v, dem aufstrebenden jüdischen Hauptorte von Erez Jisrael, sowie von Jaffa, der alten palästinensischen Hafenstadt, die mit Telaviv baulich zusammenhängt. Das erste moderne Kraftwerk Palästinas ist ein Erzeugnis der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Berlin. In der Zentrale wurden zunächst zwei Dieselmotoren mit einer Leistung von je 500 Pferdestärken aufgestellt. Sie sind direkt gekuppelt mit zwei Drehstromgeneratoren mit einer Leistung von je 335 Kilowatt. Inzwischen ist, zur Deckung des rasch wachsenden Strombedarfes, noch ein drittes Dieselmotorenaggregat von 250 Pferdestärken aufgestellt worden. Die Gesamtleistung der Station beträgt somit 12 50 P ferdestärken. Die Generatoren liefern Drehstrom mit einer verketteten Spannung von 6000 Volt bei 50 Perioden in der Sekunde. Die in der Zentrale erzeugte Ahl». 2 INNERES DER ZEN TRALE