Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 11 (November 1924)
- Article
- Musik in PalÃ?stina
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 M E N O R A H genommen worden. Weniger günstig muß man sich über die künstlerische Tendenz, über das Repertoire äußern: „Traviata", „Rigoletto", „Pagliacci", „Faust", „Romeo und Julia". Was sollen all die hier in Palästina; was haben sie unserem Lande, was unserem Leben zu sagen? Angeblich war die Wahl durch die verfügbaren Sänger notwendig gegeben. Es mußten leichte Opern sein; das heißt, leicht zu singende. Doch hätte sich wohl, auch unter dieser Voraussetzung, ein kulturvolleres, erzieherisches Programm finden lassen. Immerhin: macht man den Versuch, selbst eine Liste zusammenzustellen, so merkt man, •wie sehr die Oper als solche in früheren Zeiten eine höfische, in späteren eine bourgeoise Einrichtung war und wie sehr uns die richtige Volksoper, die Oper arbeitender Menschen fehlt. Man. müßte schon zum Oratorium greifen, um etwas Angemessenes zu finden. Welch dankbare Aufgabe ergäbe sich für den jüdischen Komponisten: eine Oper, deren Handlung ursprünglich und einfach zu Herzen gehend ist, eine Musik, leicht zu singen und leicht zu spielen; und eine Szene, die nun wirklich in einer Scheune möglich ist — für das Niveau des musikalischen Gehaltes setze ich keine Grenzen. * Außer der Oper gibt es als musikalische Zentren zwei Musikschulen in Tel-Aviv und eine in Jerusalem. Leiter der Tel-Aviver Musikschule „Sulamith" ist Herr Hopenko, der auch den Versuch machte, ein Orchester zusammenzustellen. Leiter der Jerusalemer Schule ist Mr. Sidney Seal, ein kultivierter Pianist und interessantes Beispiel eines an das Judentum assimilierten, hebräisch sprechenden Engländers (Christ), der als er gelegentlich an einem Sabbath rauchend heah Schearim passierte und seines sehr jüdischen Bartes wegen von einem frommen Eiferer mit dem Vorwurf angehalten wurde, weshalb er denn rauche, sehr höflich erwiderte: hls """Sc" das heißt zu deutsch: „Entschuldigen Sie, mein Herr, aber ich bin ein G o j." — Es gibt ferner eine Musikgesellschaft in Jerusalem, die im Laufe des Winters acht bis zehn hübsche Konzerte (Kammermusik, Gesang, Soloinstrumente) veranstaltet und es gibt ein starkes privat-gesellschaftliches Musikleben, das in manchen Fällen (zum Beispiel die Musikabende der Frau Yellin-Bentwich, die eine ausgezeichnete Cellislin ist), durch die Menge der gastfreundlich aufgenommenen Gäste, beinahe öffentlichen Charakter trägt. — Für Konzerte sorgen schließlich einheimische und auswärtige Künstler. Von einheimischen nenne ich außer schon genannten: als Pianisten Herrn Arie Avilea und Mlle. Bartzi in Tel-Aviv, als Violinistin Miß Margery Bentwich. Von auswärtigen, die öfter zu hören sind, den Pianisten Aschkenazy, der Lehrer in Alexandrien ist. So sieht das Musikleben in Palästina aus. Es ist nicht viel — aber es kann viel werden. Palästina ist nicht nur ein kleines Ländchen, bewohnt von einigen tausend Juden; es ist vielmehr ein Zentrum für einige Millionen Juden, die alle an seinem Leben teilnehmen müssen. So soll es auch mit der Musik sein. Jüdische Musiker und Musikliebhaber der ganzen Welt müssen ihre Aufmerksamkeit dem Musikleben in Palästina zuwenden und es zum Sammelpunkt ihrer Gefühle und Bestrebungen machen: sie werden, was sie gesät, verhundertfacht ernten. Jerusalem, Juli 1 924. NACHRICHTEN UND NOTIZEN. Wir hoffen unseren Leiern mit vorstehendem Aufsatz über das Musikleben in Palästina eine willkommene Gabe zu bieten. Die schönen Ausführungen sprechen für sich selbst und bedürfen kaum eines Kommenlars. Einige aber der, namentlich gegen Schluß, -T darin berührten Fragen liegen uns — und vielleicht auch einem Teil unserer Leser — so sehr am Herzen, daß wir uns vorbehalten, bei Gelegenheit auf sie zurückzukommen. * Arnold Schönberg ist fünfzig Jahre alt geworden. Was sein Name für das Musikleben und die Musikentwicklung der Welt bedeutet, ist hier wiederholt angedeutet worden und soll künftig noch ausführlicher erörtert werden. Anläßlich seines Festes wurden ihm, der noch vor kurzem Mißachtung und Hohn der offiziellen Kreise in einem Maße auf sich nehmen mußte, wie selten ein Musiker, nunmehr Ehrungen zuteil, wie sie ihrerseits wenige Musiker zu Lebzeilen genießen konnten. Schönberg, der rein jüdischen Blutes ist, hat leider wenig Verständnis für die jüdische Idee und hat auch frühzeitig dem Judentum offiziell entsagt. Seine Jugend fiel in eine Zeit, wo das Verständnis (ür die nationalen Gedanken noch auf relativ enge Kreise beschränkt war. Dennoch muß Schönberg in die Reihe jener ganz Großen — wie Einstein, Willstätter, Mahler — gezählt werden, die bewiesen haben, daß Jude und Genie wohl vereinbarlichc Begriffe sind. * Josef Achron hat einige Tage in Wien geweilt. Achron ist neben Bloch einer der repräsentativsten Vertreter jener neuen Komponislengencration, die auf Grundlage des altjüdischen Melos, wie es im Volkslied und Tempelgesang zu finden ist, eine national gefärbte, durchaus modern tendierte jüdische Kunstmusik zu schaffen bemüht ist. Achron, überdies ein glänzender Violinspieler, kommt eben aus Palästina und ist auf der Reise nach Amerika, wo er eine große Konzerttournee absolvieren wird. * Wie der Orientale überhaupt, so wird ganz besonders der Jude mehr der Gebärde der Dinge inne als ihres Umrisses, mehr der Zeit als des Raumes. Die malenden Epitheta der Bibel sprechen im Gegensatz zu den homerischen nicht von Form und Farbe, sondern von Schall und Bewegung. Die adäquate künstlerische Ausdrucksform der Juden ist die spezifische Zeitkunst, die Musik... (Aus Martin Buber: „Vom Geist des Judentums".) TUT-ENCH-AMUN - EIN ÄGYPTISCHES KÖNIGSGRAB Abb. 2. Bild auf der rechten Seite einer bemalten Truhe Mit Gcui-limigungdes Verlages A. F. Brockhaus (Leipzig) Hühners Schloßhotel Kohenzl - Cafe-Restaurant - ^Wiens schönster Ausflugsort Herrliche Autostraßen ■ KOBENZL Autoverkehr Grinzing— Kohenzl eigener Regie zu ermäßigten Preisen