Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 11 (November 1924)
- Article
- Gilgul
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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M E N O R A H 15 XVIII. Es kam der Monat Elul, und vor den „furchtbaren Tagen" wurde das Studium für einige Zeit unterbrochen. Die Jünger reisten in ihre Heimat, und es wurde still im Hause des Magid. Elieser und Naftali blieben in Lesnia zurück und lebten in der entlegenen Lehmhütte. Elieser machte weite Spaziergänge, und manchmal nahm er tagelang keine Speise zu sich. Er wurde weltfremd und achtete nicht auf sein leibliches Wohl. Da sprach eines Tages Naftali: „Das viele Fasten und Studieren zehrt an deinem Körper. Du lebst nicht nach der Lehre des heiligen Bai Schern." Und Elieser erwiderte: „Der Bai Schern sprach: »Versenke dich in die Geheimlehre der Kabbala. Dort wird dir die Erleuchtung kommen.« Seit Monaten studieren wir die heiligen Bücher und noch sehe ich keinen Weg vor mir." „Noch haben wir nicht alle Bücher der geheimen Kabbala durchgenommen", sprach Naftali. Am nächsten Tage trat Naftali aufgeregt in die Stube und rief: „Ich habe dir etwas Wichtiges mitgebracht." Fragend blickte Elieser auf den Freund. Da zog Naftali ein Buch hinter seinem Rock hervor und legte es vor Elieser hin, indem er sprach: „Dieses Buch übergab mir der Magid. Ich glaube, daß wir den Schlüssel zu den Geheimnissen des Seins in Händen haben. Vielleicht gibt uns dies Buch Antwort auf manche Frage, die wir uns nicht erklären können." Elieser schlug das Buch auf und las den Titel: „Sefer Hagilgulim" (Das Buch der Seelenwanderung) von Izchok Luria. Mit fliegendem Atem blätterte Elieser in dem Buche und ihm war, als wenn sich ihm an irgend einer Stelle die Lösung aller Rätsel des menschlichen Seins offenbaren müßte. Er las: „Der Mensch muß so lange Seelenwanderungen durchmachen, bis er vollständig geläutert und aller Sünden bar ist. Diese Seelen müssen alle Leiden des Körpers, dem sie innewohnen, ein ganzes Leben lang ertragen." Dann hieß es: „Hiob wurde bestraft, um für die früheren Sünden seiner Seele zu büßen, denn ihm wohnte die Seele Terechs, des Vaters Abrahams, inne. Die Seele des Königs Salomo hatte dereinst in Nimrod gehaust, später kam sie in den Körper des Propheten Jeremia, und die Seele Hamans war die Seele Esaus." Mit Eifer gingen die Freunde ans Studium des Werkes und lasen ohne Unterlaß, bis die Morgendämmerung die Stube erfüllte. Dann legten sie bleich und zitternd das Buch aus den Händen. Nach kurzer Ruhe begaben sie sich zum Magid, der sich bereit erklärte, ihnen die schwierigen Stellen zu erklären. Und der Magid sprach von Izchok Luria, den die Gelehrten „Ari", den Löwen, nannten. „Über zwanzig Jahre lebte Luria in einem verfallenen Häuschen am Nil in Zurückgezogenheit, wo er den »Sohar« studierte und über die geheimsten Dinge grübelte." „Er war der große Seher, auf den der Sohar den mächtigsten Eindruck gemacht hatte", erklärte der Magid. „Was wir nur ahnen, sah und fühlte er deutlich und sprach es aus. Er war der Adler unter den Kabbalisten und keiner erreichte seinen Gedankenflug." Das ist die Lehre des Ari: „Nur jene Seelen, die Vollkommenheit erreicht haben, kehren zum Urquell zurück. Alle anderen Seelen werden megilgul (müssen eine Seelenwanderung durchmachen). Je nach ihrer Sünde werden sie in ein zahmes oder wildes Tier, in ein Mineral oder in eine Pflanze verwandelt, bis auch sie eines Tages befreit werden und zur Ruhe und Seligkeit eingehen können. Der wahrhaft Fromme muß sich von allen überflüssigen Genüssen und von unnützen Gesprächen fernhalten. Das ununterbrochene mehrtägige Fasten bringt ihn der Läuterung nahe." „Der Ari war überzeugt, daß die Welt voll umherirrender Seelen sei. Er sah die Qualen dieser Seelen und hörte ihre Klagen. Beim Aufflackern des Feuers, im Rauschen des Waldes und des Wassers, im Schrei der Tiere vernahm er die Stimmen der verbannten Seelen. Im Gestein, in der Luft, im Trockenen und im Wasser sah er nach Erlösung lechzende Seelen. Er betete für ihre Befreiung, und keinem war die Lehre von der Seelenwanderung wie ihm bekannt . . . Ruhelos wandern die irrenden Seelen im Weltall umher und erfüllen die Luft. Hörtet ihr nicht im Wehen des Windes zuweilen einen Ton, der euch wie Kinderweinen anmutet? Es ist der Klageruf einer irrenden Seele, die über ihre Verlassenheit jammert." Die Freunde achteten auf jedes Wort des Magid. Sie fanden nur wenig Schlaf in diesen Wochen. Fiebernd und mit hämmernden Pulsen lasen sie Kapitel um Kapitel jenes geheimnisvollen Buches, das vom Gilgul, den Qualen der umherirrenden Seelen und ihrer endlichen Erlösung erzählt. Dann begannen sie wieder von vorn, doch blieb ihnen immer noch manche Stelle dunkel und unerklärlich. XIX. Es kam der Winter und die kleine Hütte war wie im Schnee begraben. Die Freunde wohnten abgeschieden von der Welt und studierten viel in den Büchern der Kabbala. Sie nahmen nur notdürftig Nahrung zu sich und lebten in der übersinnlichen Welt, die ihnen aus den geheimnisvollen Büchern entgegentrat. Wenn Naftali Eßwaren besorgte, saß Elieser beim Fensterchen und blickte auf die endlose Schneefläche hinaus. Wie erstarrt schien alles Leben draußen, doch seine Gedanken waren weit weg von diesem Ort. Bilder aus dem Leben jenes Mannes, den er „Elieser der Herr" nannte, schwebten ihm immer wieder vor. Er sah ihn von vielen Knechten begleitet, die Gassen durchwandern. Von Zeit zu Zeit traten sie in ein Haus und durchsuchten Schränke und Kommoden nach verborgenen Gegenständen. (Fortsctzunircf0|st.) . TUT-ENCH-AMUN EIN ÄGYPTISCHES KÖNIGSGRAB ALI,. 1. Der König und die Königin (KUi.-kkhne des Thronsessrls) Mit Gci.rl.misuny di-* V.tI;i«.-s A. F. IWklu.us (i.rir/i^)