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Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Gilgul
Date
1924-11-01
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH L3 HERMANN BLUMENTHAL / GILGUL Ein Roman aus dieser und jener Welt Copyright 1924 by Hermann Blumenthal, Vienna Nachdruck verholen Alle Rechte gewahrt '4. Fortsetzung Da sprach Naftali eines Tages: ,,Alle, die ein Kummer bedrückt, suchen den heiligen Bai Schern auf. Er ist ein Seelenarzt und hat vielen Linderung gebracht. Wollen wir nicht zu ihm unsere Schritte lenken?" Elieser nickte nur und so begaben sich die Freunde nach iVIiedziborz, wo der Bai Schern seinen Wohnsitz hatte. XV. Von nah und fern kamen jetzt viele, um vom Bai Schern Rat und Hilfe zu erbitten. Die Freunde mußten einige Stunden warten, bevor sie die Studierstube des Rabbi betreten konnten. Sie gingen ins Bethaus. Dcrt saßen einige Chassidim und sprachen vom Leben und Werden des Bai Schern. Ein alter Mann erzählte: „Schon als Knabe zeichnete sich Israel durch besondere Geistesschärle aus und als er zum Jüngling herangewachsen war, wurde er Gehilfe eines Bethausdieners. Wenn er seine Verrichtungen erledigt hatte, schlief er auf einer Bank im Bethaus und alle hielten ihn für unwissend, denn bei Tag nahm er nie ein heiliges Buch zur Hand. Wenn aber die Männer am Abend das Bethaus verließen, erhob sich Israel von seinem Lager und studierte eifrig bis zum Morgengrauen. Eines Tages tauchte im Bethaus ein junger Mann, Kaiman Ben Adam, auf und wandte sich an einige betende Juden mit de.« Frage: »Kennt ihr nicht einen Gelehrten namens Israel? Er soll in dieser Stadt leben.« Die Leute dachten nach und keiner wußte ihm Bescheid zu sagen. »Ein frommer Mann, wie ihn mir mein Vater beschrieben hat, kann nur im Bethaus zu finden sein«, sagte sich Kaiman, und beobachtete alle Andächtigen. Dem Gehilfen Israel schenkte er nur wenig Aufmerksamkeit. Viele Wochen hielt sich Kaiman in der Stadt auf, ohne den Gesuchten zu finden. Eines Tages begab er sich zum Gemeindevorstand und sagte ihm: »Ich habe den letzten Wunsch meines verstorbenen Vaters zu erfüllen. Ich soll in dieser Stadt einen frommen Mann namens Israel ausfindig machen und ihm wichtige Schriftstücke übergeben. Niemand kann mir über ihn Auskunft geben. Wo soll ich ihn suchen?« Auch der Gemeindevorstand konnte ihm keinen Fingerzeig geben. Kaiman beschloß im Bethaus zu übernachten, und in einer schlaflosen Nacht sah er, wie fleißig der Gehilfe Israel dem Talmudstudium oblag. »Auch er heißt Israel«, sagte er sich und beschloß, ihn auf die Probe zu stellen. Eines Abends, als Israel schlief, erhob sich Kaiman leise, nahm eines der Schriftstücke und legte es dem Schlafenden auf die Stirn. Dann kehrte er zu seinem Lager zurück und, sich schlafend stellend, beobachtete er den Jüngling. Als bald darauf Israel erwachte ur.d das Blatt auf seiner Stirn fand, eilte er zum öllämpehen, das bei der heiligen Lade brannte, und las, was auf dem Blatte stand. Sein Gesichtsausdruck wurde immer gespannter. Bald geriet er in Verzückung und flüsterte: »Ein Abschnitt aus der Geheimschrift der heiligen Kabbala. Ich danke dir, heiliger Gott, für das Zeichen deiner Gnade." Nacht für Nacht legte Kaiman dem schlafenden Israel ein Blatt der Geheimschrift nach dem anderen auf die Stirne. Da er sah, mit welchem Interesse der Jüngling die Schriften studierte, gelangte er zur Überzeugung, daß er den gesuchten Israel vor sich habe. Eines Nachts, als Israel gerade eifrig studierte, erhob sich Kaiman und überreichte ihm ein Bündel Schriften mit den Worten: »Mein Vater befahl mir vor seinem Tode, in diese Stadt zu gehen und diese Schriften, die er in einer Höhle gefunden hat, einem Manne namens Israel zu übergeben. Vergebens suchte ich bisnun diesen gelehrten Mann. Nun sehe ich, daß du derjenige bist, der auserkoren wurde, in den Besitz der heiligen Schriften zu gelangen.« Zitternd nahm Israel die Blätter in Empfang, die ihm manches Geheimnis offenbarten. Bald fühlte er sich beengt in der Lehrslube und ging in die Berge, wo sich ihm der Geist Gottes offenbarte, und er verblieb in der Einsamkeit der Wälder, bis seine Zeit kam." „Ungeheuer ist die Zahl seiner Wundertaten", sprach ein zweiter Mann, als der Erzähler schwieg. „Überirdisch ist sein Sehauen", sagte ein Cjreis, der bisnun schweigend den Erzählungen zugehört hatte. „Man erzählt, der Bai Schern luhr eines 1 ages an einem Sumpf vorüber. Auf der Straße stand ein großer Frosch, der sich nicht vom Platz rührte. Der Fuhrmann wollte dem Frosch mit seiner Peitsche einen Schlag versetzen, doch der Bai Schern hinderte ihn daran. »Hüte dich vor der Sünde", sagte er. Dann ließ er halten, verließ den Wagen und blickte lange unbeweglich auf den Frosch, leise Gebete murmelnd. Als sich der Wagen wieder in Bewegung setzte, sprach der Bai Schein zu den Chassidim, die ihn begleiteten: »Der Frosch hat die Seele eines Rabbi. Der Rabbi war eine Leuchte des Wissens, aber sein Herz war verhärtet und er hatte kein Mitleid mit den Armen. Darum durfte die Seele nach dem Tode nicht zu ihrem Flerrn kommen und wurde verurteilt, zur Strafe noch einmal zur Erde zurückzukehren und in ein unreines Tier zu fahren. Ich betete für die Erlösung der armen Seele. Möge der Herr ihrem Leiden ein Ende machen.«" Noch manche Episcde vom Werdegang des Bai Schern erzählten die Männer, bis das Minchagebet begann. K1NDERFÜRSORGE IN OBFROST

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