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Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Anmerkungen : wa-yilekh - ... / n. b.
Date
1924-11-01
Page
Seite 6 (sequence 1)
Language
German
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6 M E N O R A H ANMERKUNGEN S. Kaatz / Rabbi Akiba Eger auf - - m*a --fr, dem Alten Markt in Posen Dworim, 31; 19, 21, 26, 28. Gott ruft zuerst das Haasinu-Lied, dann die Thora, schließlich Himmel und Erde zu Zeugen gegen Israel an: Das Lied als ein geflissentlich zum Zwecke späterer Bescheinigung aufgeschriebenes Zeugnis der Gotteswarnung an das zur Entartung neigende Volk. Die Thora, nicht nur weil sie dieses Lied und andere Gotteswarnungen enthält, sondern hauptsächlich, weil sie durch ihre Größe gegen Israel, das ihr untreu werden konnte, zeugt. Himmel und Erde als natürliche Zeugen der Berufung, Verwarnung und Untreue. # Dworim, 32; 5, 1 5, 20. Und Israel wurde fett und schlug aus ... Gut, daß dies in der Thora geschrieben steht. Unsere heutige Empfindlichkeit wäre sonst versucht, dagegen Abwehr zu treiben. Im übrigen braucht man bei „fett, voll und dick", wie es dann weiter heißt, nicht nur an körperliche Korpulenz infolge Schlemmerei zu denken. Auch ein Vollgestopftsein widerstandsunfähigen Hirns mit „geistigem" Maslstoff und infolgedessen ein widerwärtiges Aufquellen der „geistigen" Persönlichkeit gehört hieher. Auch dieses Fettwerden, an dem wir heute leiden — wir auch „ein verdrehtes, tückisches Geschlecht", „ein Geschlecht der Verkehrtheiten" — führt zum „Ausschlagen". # Dworim, 34; 5. Und es starb dort Mosche, der Knecht Gottes, im Lande Moab — al pi haschem . . . am Munde Gottes, durch Gottes Kuß, wie die Überlieferung übersetzt. Wie er gelebt hatte, so starb Mosche: Gottesküsse seine Taten, ein Gotteskuß sein Tod. Dworim, 34; 10—12, 16. Es erstand kein Prophet mehr in Israel, gleich Mosche .... der im fortwährenden Dienste Gottes stand, wie er, dem Gott solche Zeichen und Wunder zu tun übertrug und der so gewaltig Großes in der Welt der Ereignisse schuf. Es erstand nach Mosche kein Zweiter, den Gott mahnenden und warnenden Seher und zugleich nicht nur Führer und Organisator seines Volkes, sondern auch Weltgeschichtsgestalter auf' ungezählte Jahrtausende hinaus, einen über alle historischen Maße hinausgehenden König und Gesetzgeber sein ließ. Und darum kennt auch niemand sein Grab bis auf diesen Tag . . . Das Grab des unvergleichlichsten Wirkers der Menschheit ist überall und nirgends. * Bereschis, 1, 26—27. Je weniger der Mensch der Versuchung des Sinnlichen in ihm erliegt, die Gottheit mit menschlichen Zügen auszustatten, desto mehr siegt das Gottes Ebenbildliche in ihm. Gottes Ebenbild: In diesen Worten sind Ursprung, Geheimnis und Zukunft der Menschheit beschlossen. * Bereschis, 1,31. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte und, siehe, es war sehr gut . . . Und alles menschliche Trachten und Denken, das den Zusammenhang und Zusammenklang alles Geschaffenen, die Harmonie aller Erscheinungen als Grundtatsache erfaßt, stimmt freudig diesem Urteile Gottes zu. Nur dort, wo menschliches Trachten und Denken in krankhafter Entartung von Wurzel und Stamm des Lebensbaumes sich losreißt, um sich, rein logisch oder rein anschauungsgemäß, mit jedem Zweiglein zu isolieren — nur dort lehnt es sich gegen Gottes Urteil auf. n. b. Unter den Kunstschätzen, die in dem von Schwechten erbauten, im Jahre 1910 vollendeten Residenzschloß in Posen ihre Stätte fanden, nahm ein aus dem alten königlichen Schloß in Berlin dorthin überführtes Gemälde: „M arktplatz in Posen" von Julius Knorr in künstlerischer und kulturgeschichtlicher Hinsicht einen besonderen Rang ein. Es ist das Verdienst eines durch mannigfache ausgezeichnete landes- und stadtgeschichtliche Forschungen bekannt gewordenen Schilderers Posens, des Stadtrats Arthur Kron thal in Berlin, dieses auch für uns Juden wertvolle Kunstwerk in seiner Bedeutung gewürdigt zu haben. In einer feinsinnigen Schrift „Werke der Posener bildenden Kunst", Berlin und Leipzig, 1921, widmet Kronthal dem Gemälde eine eingehende Darstellung und Untersuchung und weist auf Grund gewissenhafter Forschungen nach, daß dieses Bild, welches die Architektur der damaligen Stadt Posen, ihre Sitten, ihre Gewohnheiten und Trachten, ihre bedeutenden und bekannten Persönlichkeiten wiedergibt, eine kulturgeschichtliche Urkunde ersten Ranges ist. Das Gemälde, das 1838 vollendet wurde, bietet in Form einer militärischen Parade ein umfassendes Kulturbild aus der Zeit seiner Entstehung. Es ist eine versunkene Welt dieses alte Posen der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts, das der Künstler uns vor Augen führt, inmitten eines architektonischen Rahmens auf einem großen historischen Platz zahlreiche einzelne Genreszenen aus dem Volksleben zu einem einheitlichen Bilde zusammenstellend, Hunderte von Porträts, die nach den Zeugnissen von Zeitgenossen durch ihre Wahrheitstreue frappieren, zu e i n e m lebendigen Ganzen verbindend, eine Vielheit von Untergruppen und Einzelszenen zu einer großen Gesamtwirkung verknüpfend (Abbildung 1). Rechts im Vordergrunde (Abbildung 2) fesselt unsere Aufmerksamkeit eine polnische Bauernhochzeit, wie man sie damals häufig in gestrecktem Galopp durch die Straßen rasen sah, vorn der angetrunkene Kutscher, der seitwärts auf eine Gruppe von Juden blickt. Diese Juden sind wie alle Figuren des Gemäldes Porträts, die nach dem Leben gezeichnet sind. Der in der Mitte stehende ist eine besonders markante Persönlichkeit, der durch Frömmigkeit und Schriftgelehrsamkeit ausgezeichnete Bankier Heymann Saul, der Begründer des gleichnamigen Bankhauses, aus welchem später die „Ostbank für Handel und Gewerbe" erwuchs. Er legt eben ein Geldstück in die ausgestreckte Hand des rechts von ihm stehenden hochgewachsenen, in altjüdische Tracht gekleideten Mannes, von dem er eine Kasserolle erstanden hat. Wie das Geldstück den Bankier versinnbildlicht, so kennzeichnet die Kasserolle, daß es sich bei deren Verkäufer um den Inhaber eines Eisen- und Küchengerätegeschäftes handelt, der, was seine charakteristische auf Russisch-Polen hinweisende Kopfbedeckung andeuten soll, einen großen Exporthandel betrieb. Auch der kleinere links stehende, mit einem Zylinder bedeckte Mann ist eine aus dem Leben gegriffene Gestalt, das Konterfei eines stadtbekannten Trödlers, dem aus der hintern Rocktasche eine Flöte hervorsieht, ein zünftiges Instrument, dessen sich der umherziehende Altwarenhändler heute noch in manchen polnischen Gegenden bedient, und dem er eine bestimmte Folge von Tönen entlockt, um den Interessenten seine Anwesenheit kundzutun. Die am rechten Bildrand stehende Frau ist die Gattin des Bankiers Saul, in ihrer ganzen Haltung der Typus einer ehrwürdigen jüdischen Matrone. Was dem Gemälde für uns einen besonderen Wert verleiht, ist die jüdische Gruppe an der linken unteren Ecke. (Abbildung 3.) Die schmächtige, gebeugte, in sich versunkene Gestalt im Vordergründe, die schwer auf einen Stock gestützt, in Begleitung der beiden Rabbinatsassessoren vorwärts schreitet, ist kein Geringerer als R. Akiba Eger, der Oberrabbiner von Posen, der Meister der talmudischen Geisteswissenschaft, in Deutschland die letzte für das Judentum der ganzen Welt in religionsgesetzlichen Fragen maßgebende rabbinische Autorität, eine überragende Per-

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