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Menorah · 1924-11-01 · Heft 11 (November 1924) · p. Seite 3

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Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 11 (November 1924)
Article
Aus Lehre und Leben des Baalschem und seiner JÃ?nger
Date
1924-11-01
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH illv^trierte monatitchrift FVr Die Jvdis-che Familie _WIEU^ FRANKFVRT A.M._ II. JAHRGANG_NOVEMBER 1924_NR. 11 Aus Lehre und Leben des Baalschem und seiner Jünger VON P. J. SCHAPIRA LIEBE Von einem Gelehrten befragt, welche die wichtigsten Grundprinzipien seiner Lehre seien, erwiderte Baalschem: „Die wichtigsten Grundprinzipien sind: Liebe zu Gott, Liebe zur Thora und Liebe zum Volke, aufrichtige, reine Liebe ohne Bedingung der Vergeltung." Wenn man aber liebt, so kann man nicht zürnen, und wenn man frohmütig in die Welt schauen will, so muß man sie als gut betrachten. Deshalb sagt Baalschem: Angebliches Bild des Baalschem (Von einem zeitgenössischen Maler in Deutschland.) NaiiHMiszudes Baal schein „Es gibt nichts Böses, denn alles kommt von Gott, dem absoluten Guten. Was wir für das Böse betrachten, ist nur eine niedere Stufe des Guten. Alles ist gut, und sofern das Böse das Gute verursacht, ist es eben auch gut. Das Böse ist der Thronsessel für das Gute." Rabbi Isr. Baalschem sagte einst zu einem Rabbi, der einem Sündigen harte Buße auferlegte: „Du hast noch nie den Sinn der Sünde gefühlt und nie den Sinn des gebrochenen Herzens." Baalschem konnte deshalb nie als Prediger auftreten. Seine Liebe zu einem jeden, der im Ebenbilde Gottes geschaffen wurde, war unermeßlich tief und unschuldig wahrhaft, als daß er jemand mit einer Strafrede wehe tun sollte. Einst kam ein Prediger in die Stadt des Baalschem und geißelte die Zuhörer scharf wegen ihrer Sünden. Als Baalschem davon erfuhr, wurde er aufgebracht und nannte den Prediger einen Verleumder, ließ sogleich einen der Zuhörer zu sich berufen, dem nach und nach die übrigen folgten. Der Prediger mußte die Rede unterbrechen. Am darauffolgenden Tage kam der Prediger zu Baalschem, da sprang dieser entsetzt auf, Tränen stürzten aus seinen Augen, und sagte: „Du redest Böses über einen Juden! Wisse, daß wenn der Einfachste aus dem Volke auf den Markt geht und ihn am Abend die Dunkelheit überrascht, so erschreckt er darüber, daß er die Zeit des Minchagebetes versäumt habe; er geht dann in ein beliebiges Haus, um zu beten und versteht kein einziges Wort von seinem Gebete; gleichwohl macht er damit Engel und Seraphim erzittern." Baalschem sah einst einen seiner Jünger seinen Sohn küssen, da sprach er zu ihm: „Mein Sohn, sieh, ich liebe den Allergeringsten unter dem Volke mehr, als du deinen Sohn lieben kannst, und doch küsse ich ihn nicht." Wie weit seine Nachsicht reichte, läßt sich aus seinem Verhalten gegenüber Feinden ersehen. Jakob Frank und seine. Sekte nahmen ihr scheußlichstes Ende, sie nahmen die Taufe als Trinitarier an, und die Juden des Ostens atmeten erleichtert auf. Als jedoch die Kunde zu Baalschem kam, da vergoß er Tränen und sagte: „Die Schechinah*) weint und sagt: .Solange das kranke Glied am Körper haftet, ist Hoffnung auf Genesung vorhanden; anders aber, wenn das Glied entfernt wurde, und ein jeder Jude ist ein Glied der Schechinah.'" Es ist aber all diese Nachsicht nicht so zu verstehen, als gebe der Chassidismus einen Anlaß zu irgend welcher Geringschätzung des Gesetzes. Im Gegenteil ist doch, wie gesagt, die Liebe zu Gott und zur Thora als erstes Grundgesetz betrachtet. Die Liebe zum Volke, die Nachsicht gegen den Sünder ist vielmehr das höhere Mittel zur Bekehrung. Gott wollte die Welt auf Midath Hadin, auf das strenge Recht, begründen, da sah er, daß die Welt solcherart nicht bestehen kann und nahm hinzu Midath Harochmim — die Eigenschaft der Erbarmung. Seither ist die Liebe das einigende Band der Menschheit, und wenn Israel in Liebe vereinigt dasteht, dann heißt es ausdrücklich: „Er sah kein Fehl in Jakob." Aufgabe des Zaddik ist daher, Sünder durch Liebe zu reinigen und unter die mütterlichen Fittiche der Schechinah zu bringen. „Der Zaddik", sagt Baalschem, „muß zuweilen von seiner hohen Stufe heruntersteigen, um die Gefallenen aufzurichten." Ein Vater klagte, sein Sohn sei vom Wege gewichen. „Was soll ich tun, Rabbi?" fragte er bekümmert. Da erwiderte Baalschem: „Ihn mehr lieben." Der Zaddik lebt mit dem Sünder mit, er tritt an seine Stelle, um ihn emporzurichten. Rabbi Sussie sagt: „Wer sich vom Sünder Wohnung Gottes auf Erden.

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