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Menorah · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Article
Die Wurzel des Ästhetischen
Date
1924-10-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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M E N O R A H 11 Das bedeutet: Im Lichte ersteht die verwirrende Fülle der Formen und Farben hienieden, die das Reich des Ästhetischen bilden, und in dieser Fülle irdischer Schöne erblicken die dem G'ttlichen am nächsten stehenden C'2~LM den Inbegriff der!\22> der Offenbarungsherrlichkeit des Schöpfers. Aber die U*"p~ nrn' CSEIXdrunten, die Träger des Erdenlebens und die sie bewegenden Lebenskräfte, halten den CE-tr den ewigen Einwand entgegen, in dem sich die notwendige B egrenzung alles Ästhetischen widerspiegelt: 'r, v.rr VT.pStt „Diese Herrlichkeit der Erscheinung selber weist auf die Stätte des Schöpfers (das Ü b e r w e 1 11 i c h e) zurück und kann nur von dort Gewähr ihres Seins und Werdens empfangen." G't t allein bleibt Wesen, das Ästhetische bleibt schöner Sinnenschein. Aber eben in diesem schönen Sinnenschein wird das Gütliche und das geschaffene Sinnliche, werden Geist und Materie als harmonische Einheit erlebt und es ist darum dieses Erleben eines der mächtigsten Vehikel (gleich nach der direkten G'ttes-Offenbarung der .T*»l, der die zweite Brocho, P2~Z ~2~ u2,"S, gewidmet ist), um die Menschenseele zur ehrlichen und wahrhaftigen Betätigung der aus der Tiefe des Gefühls quillenden rCHN zu befähigen. Der Weg von der abstrakten G't teseinheit zur Liebeshingebung an G'tt führt über imr^E ~r>22 "L", führt über die gefühlsmäßige Erfassung des Höchsten im ästhetischen Schein. III. Rambam schreibt im 64. Kapitel des More Nebuchim dem Worte TT eine dreifache Bedeutung zu; der Begriff soll, abgesehen von der individuell menschlichen Bedeutung „L o bpreisung" (synonym mit n1?,"."*), sowohl das von G'tt geschaffene Licht (s*2jm "vx), als auch das Wesen G't t e s selber bezeichnen: in dem letzteren Sinne wäre dann Mosches Bitte: ~T\22 rix X: *:S"m aufzufassen. Unter X"2jm "IS ist — zum Unterschied vom Sonnenlicht — jenes Urlicht zu verstehen, das als Emanation des Höchsten den ersten Übergang vom Übersinnlichen zum Stoff bezeichnet, fürs irdische Auge in dieser Zeitlichkeit unerträglich und daher im „Schatze des Lebens" aufbewahrt ist für jene Zukunft, in der als Krone der sittlichen Vollendung dem Menschenwesen die Erhebung zu höherer Geistigkeit winkt. Ein Strahl jenes Urlichtes ist zwar in gehobenen Momenten der Geschichte in die Zeitlichkeit eingegangen: prtr'". 'j*D aber ein Abglanz, besser gesagt eine Abschattung dieses Urlichtes ist die ganze Schöpfungsfülle, wenn sie, ins Licht der himmlischen Lichtträger gehüllt, die „Herrlichkeit G'ttes erzählt". Wenn Malbim (Comm. zu II B. M. 33, 18) daher den drei von Rambam festgestellten Grundbegriffen, als vierten den Begriff der „werdenden Schöpfung" hinzufügt und den aus dem formlosübersinnlichen zum umgrenzt und wahrnehmbar Sinnlichen hin überschreitenden Kosmos ('~u22 .T.Vi) als '," "'Z2 im eigentlichen Ursinne bezeichnet, so hat er damit nur fortbildend die Konsequenz des maimonidischen Gedankenganges gezogen und zugleich die metaphysische W urzel des Ästhetischen im Geiste des Judentums bloßgelegt. Daß der Mensch ästhetisch, d. h. in lebendigem Gefühle anschauend zum Weltall sich verhalten könne, daß er — weder rein erkenntnismäßig, Geist dem Geiste gegenüber, noch in sittlichem Willensaufschwung die Materie gewaltsam unterdrückend, — sondern vielmehr mit dem Herzen G't i hinter der Materie schauend der "'22 sein Loblied singen könne, das ist bedingt durch ein ganzbestimmtes Mischungsverhältnis zwischen Geist und Stoff im Weltall. Das ästhetische Verhalten wäre ebenso undenkbar in einer Welt reinen Geistes wie in einer Welt geistloser Jakob Steinhardt / Berlin Farb-Holzschnitt JONA PREDIGT IN NIN1VE Materie; es ist vielmehr das Korrelat einer vom absoluten Geist durchleuchteten Materie, des Gleichgewichtes von Geist und Sinnlichkeit. Auf der absteigenden Stufenleiter vom Absoluten zum Werden dieser geistig-sinnlichen Welt bilden die vom Rambam und Malbim angeführten Bedeutungen der ~"2r ebenso viele Etappen zum Werden des Ästhetischen. Aber das Verhältnis von Geist und Materie im Weltall ist der jüdischen Weisheit keineswegs ein stabiles. Von der Schöpfung zur ^'2" vollzieht sich eine fortdauernde Materialisierung der Welt, ein ungeheures Überwuchern des sinnlichen Seins, in dem der Geist ertrinkt. Eine neue Welt steigt aus den Fluten, eine Welt herabgedrückter Sinnlichkeit, mit Körperwesen von kürzerer Lebensdauer, größerer Gebrechlichkeit, geringerem Beharrungsvermögen und stärkerer Geistigkeit. Das Licht versinkt nicht mehr in dem gigantischen Urstoff der Wolke, der Geist nicht mehr in der Wucht des Sinnlichen. Erst über dieser neuen Welt leuchtet daher das siebenfarbige Spektrum des von der zusammengeballten Materie gespaltenen Sonnenlichtes, ein wunderbares Symbol des Ästhetischen, wie es sprechender und sinnvoller nicht gedacht werden kann. Ist ja dieses Sonnenlicht ein Bote des g'ttlichen Ur Ii cht es (,,ein Gleichnis des G'ttlichen":\T; \""'p r.x •Srp-,!3 -2-, siehe hiezu ",X rrtr zu 1. B. M. 9, 16); indem es auf die nach der großen Flut zwar durchdringliche, aber immerhin noch reflektierende Materie trifft, entsteht der schöne Schein der Farbenfülle, dem die auf diese Schönheit eingestellte Menschenseele ihr T,',22 S^1: entgegenjubelt. Die g'ttliche Einheit in der Mannig faltigkeit siebenfarbiger Schönheitsfülle sich spiegelnd, durch Schönheit das Menschengemüt zur G't t e s 1 i e b e geleitend, das ist die Wurzel des Ästhetischen im Judentum, der tiefste Sinn des Urwortes: T.22.

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