Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Einmal im Jahre
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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4 M E N O R A H Jakob Steinhardt, Berlin Holzschnitt HAGGAD AH ILLUSTRATION müßig mein Antlitz gesehen." So ist der Jörn Kippur das Herz der 1 age, das Zentrum, von dem aus das Leben überallhin ausströmt, des Jahres Seele, die seinen Leib heilig umglänzt. * Wenn es nun heißt: „Dies sei euch ewiges Gesetz, Israel von all seiner Schuld zu sühnen einmal im Jahre", so sagt dies nicht, daß der zehnte Tischri einmal im Jahre vorkommt, denn was würde diese Selbstverständlichkeit bedeuten, wo doch jeder Punkt und jedes Krönchen einen tiefen Sinn birgt? Vielmehr bekundet dieser Satz dies: Wohl ist der Jörn Kippur „einmal", aber nur dann vermag er „Israel von all seiner Schuld zu sühnen ', wenn er „i m Jahre" steht, in das Jahr eingefügt ist, wenn sein reiner und heiliger Glanz in allen Tagen des Jahres erstrahlt. Wenn wir zu Schluß des Festes den Untergang des Tages besingen, so wissen wir, daß die Heiligkeit, die wir in seinem Verlaufe erfahren haben, nicht mit ihm untergehen, sondern in das Jahr eingehen wird. „Jm Jahre" wird das Gedächtnis der Heiligkeit aufleben — wenn deine Leidenschaft dich packt, die Sünde dich zwingt. Wenn du wähnst, die Neila sei nicht nur ein Schließen des Tages, sondern gar ein Schließen des Herzens, das heute allem Großen erschlossen war, wenn du wähnst, nun deine Hände schließen zu dürfen, nachdem du heute das „Öffnen sollst du deine Hand" erfüllt hast — dann gedenke des Wortes „Im Jahre". Wenn wir das weiße Festgewand des Tages ablegen, so sind die Bande mit dem Jahre nicht gelöst, sondern „allezeit seien deine Gewänder weiß". Auch das Wachslicht, das du entzündest, verlischt mit dem Verlöschen des Tages, — doch das Seelenlicht, das du entzündet, darf nicht verlöschen, wenn der Jörn Kippur „im Jahre" sein soll. * Erinnern wir uns der Entscheidung des Rabbi Moscheh lsserles: „Wessen Lampe am Jörn Kippur erlischt, der zünde es am Ausgange des Tages erneut an, und nehme sich vor, sein Leben lang es weder selbst noch durch einen anderen am Ausgange des Jörn Kippur zu verlöschen." Manchmal trübt sich das Licht unserer Beseelung mitten im Tage der Versöhnung — dann aber zündest du an seinem Ausgange an, auf daß es nie verlösche. Denn wahrlich, der Sinn des Jörn Kippur liegt nicht im Verlauf des Tages, sondern in seinem Ausgange, der sich über das ganze Jahr erstreckt. Und dies bedeutet das Wort: „Einmal im Jahre". — (Übertragen von Ben Daniel.} Nathan Birnbaum Der Prophet Alle, die einmal in Amerika waren, stimmen darin überein, daß dort alles einen Zug ins Große hat — sowohl die Natur als die Leistungen der Menschen. Das jüdische Volk erinnert auch an Amerika. Nur daß seine Größe nicht eine solche für die begrenzten Sinne, sondern der unbegrenzten Seele ist. Amerika ahmt den Turmbauern von Babylon nach, doch ohne mit seinen Türmen in den Himmel dringen zu wollen, es kennt die Zahl der Stockwerke, die es bauen darf. Den Juden aber verlieh der Herr, mit der Seele, aus ihren Tiefen heraus, in die Höhe zu bauen, immer höher und höher, wirklich „bis ins Herz des Himmels". Betrachten wir bloß die Propheten. Es gab nicht ihresgleichen bei den anderen Völkern. Man hat schon viel darüber nachgedacht, wo sie einzureihen, welcher Art von gehobenen Menschen sie zuzuzählen, ob sie als geniale Priester, oder als große Volksführer und Redner, oder als stolze, starke Dichter anzusprechen sind. Ich meine, daß sie dies alles auch, in der Hauptsache aber Gesandte Gottes waren, die er mit ewigen Botschaften zu seinem Volke Israel und durch dieses zu allen Völkern schickte: Mahner, Warner und Forderer, die mit ihren weit offenen Augen bis in die fernste Zukunft, bis ans „Ende der Tage" sahen und deren lodernden Worte den Weg dahin wiesen; große Baumeister, deren wunderbare Heiligkeitspaläste niemals in Trümmer sinken werden. Wie einer dieser Gewaltigen, wie so ein Priester, Führer, Dichter, Gesandter, Verkünder, Mahner, Warner, Forderer, Baumeister von Festigkeit in einem, erschien mir aber seit jeher der Jörn Kippur. Wie ein Prophet, der einmal im Jahre kommt, um uns zu wecken, zu heiligen und zu sühnen! Ich glaube, daß, wenn in den alten Zeiten Weltliche, Allzuweltliche, den Nichtigkeiten oder der Lüge Ergebene einem Propheten begegneten, sie nichts weniger als Vergnügen davon hatten, daß Schrecken sie umfing, wenn sie den außergewöhnlichen Mann sahen und sein Mund ihnen ihre Sünden nannte, daß dann nur der eine Gedanke sie beherrschte: Fort, fort von ihm! Und daß sie doch nicht fortkonnten, daß eine verborgene Macht sie festhielt, bis seine Donnerworte ihre Seelen anzugreifen begannen und allmählich das Eis ihrer Gleichgültigkeit zum Schmelzen brachten — bis sie schließlich, mit einem neuen Leben gesegnet, von ihm schieden, glücklich, ihm begegnet zu sein. Ganz genau so geht es uns mit dem Jörn Kippur: Wenn wir ihn kommen sehen, wenn er sich groß vor uns hinstellt, dann werden unsere Herzen schwer: „Siehe der Tag des Gerichts!" Wir erinnern uns, wie weit wir in die Irre gingen, und —■ gleich, ob wir es uns zugeben wollen oder nicht — wir erschrecken vor ihm. Doch nach und nach erobert er uns, wärmt er unsere Herzen, erfüllt er sie mit einer stolzen Ruhe und heitern Sicherheit, deren wir sie früher nie für fähig gehalten hätten. Und nach Neila scheiden wir von ihm glücklich, daß uns der ewige Gott mit ihm beschenkt hat. Freilich, wir sind nur Menschen und darum hat an diesem Glück, die Floffnung für uns selbst, für unser armes Erdendasein einen großen Anteil. Aber auch unter unseren Ärmsten, Niedrigsten und Verbündetsten wird es nur Wenige geben, für die solche Hoffnung das Wesen ihrer Jörn Kippur-Glücksgefühle bildet. Der Jörn Kippur selbst ist es, der es uns angetan hat; — durch die Heiligkeit, die er über uns ausgießt; dadurch, daß er uns das übernatürliche Los unseres Volkes erfühlen läßt; daß er uns an unser Reich der Priester erinnert; durch die Botschaft, die er uns bringt: Ich gehöre Euch und Ihr gehört mir und beide gehören wir dem Vater im Himmel. Nun gibt es ja Zeiten der Verwüstung, da sich jeder dumme Junge gegen das „unfreie", „trübselige" Judentum erhebt. Dann //^ / 5 Hubners Schloßhotel Kolenz) - Cafe-Restaurant - VC^?'ens schönster Ausflugsort XV \*JD J-jJ V £jJ-J Herrliche Autostraßen Aut *kehi r i n z 1 n g- -K o h ( e n z 1 eigener R eg7 e zu er m ä ß i g 11