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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
Reiseskizzen aus Palästina
Date
1924-08-01
Page
Seite 21 (sequence 2)
Language
German
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M E N O R A H 21 dem hebräischen Namen der Kuh. Prachtvolle Tiere, groß und stark wie Elefanten, geben sie nach dem Kalben 25 1 Milch täglich. Dagegen eine Beiruter 10, eine arabische 2 bis 31. Was Wunder, daß man immerfort mit heißem Bemühen die fremden Rassen einzuführen sucht! Arbeit und Futter sind fast gleich, das Erträgnis so unendlich viel größer! Leider sind die importierten Kühe sehr empfindlich, und viele stehen um. Die zweite Generation ist natürlich schon widerstandsfähiger. Da ist ein Stierkälbchen von einer Holländerin, das bei der Geburt 50 kg wog und täglich 1 kg zunahm, so daß es mit fünf Wochen 82 kg schwer war. „Wenn wir wollen," sagte Herzl, „ist es kein Märchen." Es ist das Land, wo wieder Milch und Honig fließen wird. Die herrlichen Orangen, das prachtvolle Gemüse! Ich selbst habe einen Blumenkohl gesehen und gegessen — er war so zart, daß er auf der Zunge zerschmolz — der pro Kopf viereinhalb Kilogramm wog, ohne Strunk und Blätter. Kraut und Kohl noch um die Hälfte schwerer. Eierfrucht, diese schönen, lilafarbenen Rieseneier, die so vielfach Verwendung finden, als Gemüse und als Mehlspeise; Tomaten, Karotten, Kartoffeln. Bei den letzteren ist freilich eine Schwierigkeit noch nicht überwunden: sie halten sich nicht über den Sommer, so daß das Saatgut immer neu gekauft werden muß, sie sind also zu teuer. Diese Gemüse bekamen wir frisch aus dem Garten im Winter, Ende Dezember; welchen Überfluß wird es da im Frühjahr geben! Orangen gibt es noch nicht in Benyamina; Bäumchen sind wohl gepflanzt — auch Bananen — aber sie tragen erst nach fünf Jahren. Araberinnen kommen öfter in dieKolonieund bietenFrüchte an. Vögel sind da, daß es eine Freude ist; mich haben ganz besonders die anmutigen Haubenlerchen und Bachstelzen entzückt, die dort viel heller im Gefieder sind als bei uns, zutraulich und keck wie die Spatzen. Zu meinem Bedauern halten die Farmer keine Kamele — die doch so wundervoll in die Landschaft passen — weil es nur Zugtiere, weniger Arbeitstiere sind. Schlangen gibt es in großer Zahl, die meisten ungiftig; ich habe selbst zwei abgeworfene Schlangenhäute auf dem Feld gefunden und nach Wien mitgebracht. Die hübschesten Tiere aber, die ich sah, waren die Schafe, denen die langen Ohren, wie den Mädeln bei uns die Zöpfe, vorne fast bis zum Boden herabhängen. Ich sah schwarze mit schneeweißen, weiße mit rabenschwarzen, weißschwarz gesprenkelte mit weißen oder schwarzen Ohren in Caesarea. Ein reizender Anblick, besonders die ganz jungen — für mein Leben gern hätte ich eines nach Wien mitgebracht. Caesarea, etwa eine Stunde von Benyamina entfernt, ist eine arabische Stadt, in der nur ganz wenige Juden wohnen, die in einer Tabakfarm arbeiten. Lauter gebildete Männer und Frauen, heben sie alle rühmend hervor, wie freundlich und hilfreich ihnen die Araber entgegenkommen. Wir machen noch einen und den anderen Ausflug von Benyamina aus, am liebsten aber bleiben wir dort. Tagsüber hilft mein Mann im Feld und im Stall, ich im Hause; am Abend — wenn nicht Waadsitzungen sind — kommen ein paar befreundete Farmer mit ihren Frauen zu Besuch. Diese bringen ihre Handarbeiten mit, und man plaudert gemütlich. Da ist eine bildschöne Tirolerin, hochgewachsen, schlank, goldblond, mit strahlenden blauen Augen, aus guter, wohlhabender Familie. Sie könnte in Innsbruck oder Wien Ballkönigin sein, aber sie ist glücklich und zufrieden in ihrem hübschen Bauernhäuschen, in dem alles blitzblank ist: von ihrer eigenen Hände Arbeit. Denn in Benyamina machen die Frauen alles, aber auch alles selbst: Aufräumen, Kochen, Geschirr und Wäsche waschen, Kleider und Hüte. Eine von ihnen sagt, ihre größte Erholung und Freude sei es, ihrem Mann am Nachmittag im Gemüsegarten zu helfen. Ich wollte, die Antisemiten, die den Mund voll nehmen von der Faulheit der Juden, kämen einmal nach Benyamina und sähen mit an, wie Männer und Frauen dort arbeiten. Wie erstaunt wohl jenes Tiroler Bäuerlein wäre, das einen Wiener Universitätsprofessor fragte, ob es wirklich wahr sei, daß Juden jetzt auch Land bebauten. Als der Professor bejahte, sagte das Bäuerlein erstaunt: „Aber dener wachst ja nix!" (Fortsetzung folgt.) Simeon Juschkewitsch / Das Tollhaus Ein trüber Pariser Tag wirft seinen grauen Schatten auf alle Dinge, die Straßenlaternen brennen mit düsterem Glanz. Der Montmartre wird von dem strömenden Regen überschwemmt, die Straßenhändler stehen mit ihren Schiebkarren voll Grünwaren umher, auf den Gehsteigen drängen sich die eilenden Passanten. Die Auslagen der Geschäfte sind mit Obst, Fleisch, Diamanten oder Süßigkeiten angefüllt, während große Regentropfen unaufhörlich gegen die Fensterscheiben prasseln. In einer schmalen Seitengasse sind etwa zwei Dutzend Automobile in einer langen Reihe aufgestellt und machen in ihrer farbigen Buntheit den Eindruck von Kinderspielzeug. Nur der Kastanienbrater steht gleichmütig an seinem Ofen und wärmt sich die Hände. Und in den Bars und Kaffeehäusern herrscht Leben und Bewegung. Nathanson und Schmierer aus Nikolaev werden in der Menge wie zwei verlorene Seelen umhergestoßen, endlich stolpern sie in die Bar zum „goldenen Hirschen", setzen sich an einen Tisch und bestellen in exekrablem Französisch zwei Portionen Milchkaffee — „aber heiß um des Himmels Willen!" — dann betrachten sie sich wieder mit frohen und erstaunten Augen. „Was für ein Zufall, daß wir uns getroffen haben," sagt Nathanson, und sein Gesicht strahlt vor Freude, indem er zu Schmierer hinübersieht, „getroffen in Paris, auf der Straße!" Nathanson war glücklich. Zwei außerordentliche Glücksfälle an einem Tage! Am Morgen hatte er von einem zugrunde gegangenen Franzosen ein Restaurant fast umsonst erstanden. „Freilich," dachte er, „ich habe nicht das Geld, um den Franzosen zu bezahlen, aber ich werde es mir von Berson verschaffen, und wenn der es nicht hat, muß Zireson es hergeben." Und am Nachmittag, als er durch die Straßen ging, war ihm Schmierer in die Arme gelaufen, sein alter Freund Schmierer aus Nikolaev — von allen Plätzen dieser weiten Welt gerade hier in Paris! Wer hätte geglaubt, daß Schmierer noch am Leben sei? Er war überzeugt gewesen, daß Schmierer erschossen worden oder Martha Wolf / Frankfurt a/M. JUNGER JEMENITE

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