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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 4

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Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
Article
Anmerkungen
Date
1924-08-01
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 MENORAH jüdischen Lebens ganz besonders dazu beigetragen, daß sich in den jüdischen Massen ein unerreichtes religiöses Beharrungsvermögen und in den großen Persönlichkeiten unerreichte religiöse Beharrlichkeit ausbildeten. Ihnen ist auch nicht zum wenigsten jene Gezähmtheit des jüdischen Wesens, bei der Gewalttaten nicht gedeihen können, zu danken. Und es erscheint daher auch die Meinung vieler Nichtjuden des Ostens, daß von Juden begangene Gewalttaten erst vorkommen, seitdem die Speisegesetze nicht mehr so strenge und allgemein gehalten werden wie früher, gar nicht so uneben. * Dworim, 15,6. Israel leiht den Völkern von seiner Gotteserkenntnis und entleiht auf die Dauer nichts von ihrem Sich-an-die-Welt-Verlieren. Seine Weltanschauung beherrscht sie immer mehr — trotz ihres Sträubens und ihrer Rückfälle — und ihre Weltanschauung kann ihm nur vorübergehend beikommen. * Dworim, 15, 7. Verhärte dein Herz nicht und schließe deine Hand nicht vor deinem dürftigen Bruder . . . Damit man das Herz verhärte, muß es zuerst weich, damit man die Hand schließe, muß sie zuerst offen gewesen sein. Es scheint also, daß hier dem Juden Weichheit des Herzens und Offenheit der Hand als vom Hause ihm eigen zugeschrieben und er nur vor schlimmen Regungen gewarnt wird, die ihn verleiten können, sein Herz zu verhärten und seine Hand zu schließen. Dworim, 15, 10. * Geben sollst du ihm, und dein Herz soll nicht böse sein, da du ihm gibst. . . Doch auch nicht gleichgültig, sondern das Gegenteil von böse: gut. Mit Freude und mit behutsamster Achtung der Persönlichkeit des Armen sollst du geben. Und: Gerade deshalb Hermann Fechcnbaeli / Florenz Holzschnitt MORGENGEBET wird dich der Ewige, dein Gott, segnen in allem deinen Tun und in allem Werk deiner Hand . . . Das aber ist kein Appell an deine Nützlichkeitsenvägungen. Denn „dein Herz soll nicht böse sein" heißt es, und nicht etwa „dein Antlitz". Es ist nicht genug, daß du eine gütige Maske vornehmest, die Güte muß in dir sein. Und Güte in dir kann dir nicht aus Berechnung blühen. Das Versprechen des Segens Gottes will dich nicht locken, es will dich nur aufmerksam machen, daß die göttliche Gerechtigkeit, ob sie nun lohnt oder straft, weder die Tat allein noch die Gesinnung allein, sondern beides betrachtet, daß sie auf dasGanze geht. Dworim, 16, 20. * Die Gerechtigkeit läuft offenbar vor den menschlichen Lüsten und Erbärmlichkeiten davon. Darum: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du nachjagen . . . Doch: Damit du lebest und besitzest das Land, das der Ewige, dein Gott, dir gibt. . .? Nicht du, der einzelne, sondern das Volk, das Gottesvolk! Also wieder kein Appell an deine Nützlichkeitserwägungen, sondern Feststellung des ursächlichen Zusammenhanges zwischen Gerechtigkeit auf der einen und Gottesvolk im Gottesland auf der andern Seite. Dworim, 17, 15—20. * Das jüdische Königsideal: Kein Sohn der Fremde, nicht auf Rosse versessen, nicht weibernärrisch, das Buch der Lehre stets vor sich, ihre Gebote immer übend, und ohne Überhebung gegen seine Brüder — das Spiegelbild des jüdischen Volksideals. Dworim, 19, 14. * Im Grunde genommen sind alle Sünden und Laster der Menschheit Grenzverrückungen — nur daß, weil die Grenzen auf den anderen Gebieten menschlichen Wirkens meist nicht so scharf sind wie auf den Feldern, zumeist eine gewisse Grenzenblindheit herrscht. Es ist eine der Hauptaufgaben jeder Morallehre, den Menschen den Grenzenstar zu stechen. Dworim, 20, 5—8. * Die Glücklichen nicht aus dem Glücke zu reißen, ist ebenso sittliche Pflicht, wie den Unglücklichen zu helfen. Dworim, 22, 5. Es sei nicht Gerät des Mannes auf einem Weibe, und ein Mann ziehe nicht an das Kleid eines Weibes. Denn ein Greuel des Ewigen, deines Gottes, ist jeder, der dies tut. . . Und der Greuel setzt nicht notwendig wirkliche Kleider voraus. Er ist auch da, wo man — wie besonders heutzutage und namentlich bei den Frauen — die seelische Tracht des anderen Geschlechtes anlegt. Denn solche sitzt nicht nur ebenso schlecht wie die am Leibe vertauschte, sondern sie stellt auch jene Vergewaltigung der Natur, jenen Hohn auf Kultur, jene Beleidigung der Vernunft, jene Mißachtung Gottes dar, die zu sinnloser Verlotterung und Verrottung führen. Dworim, 24, 14—22. Auf den Fremdling sollst du in gleicher Weise Rücksicht nehmen, wie auf das Waisenkind und die Witwe. Du sollst ihm den Schutz ersetzen, der ihm ebenso wie ihnen verloren gegangen ist — um so mehr, als du ihm ein Anderes, ungleich Bedeutsameres, nicht ersetzen kannst: das Daheimsein in der Liebe. * Dworim, 26, 19 und 28, 37. Der Wille Gottes isft daß Jisrael an Preis, Name und Herrlichkeit das höchste über allen Völkern, ihm ein heiliges Volk werde. Das heißt: Das höchste in der innigen Erkenntnis Gottes, das höchste an erworbenem Jugendruhm, das höchste an gottentliehener und gottdienender Schönheit und durch diesen Dreiklang ein heiliges Volk. Diesen Willen Gottes haben wir bisher nicht erfüllt, den Aufstieg nicht vollbracht und darum müssen wir noch wahr sein lassen: „Und Du wirst werden zum Grausen, zum abschreckenden Beispiel und zur Hohnrede unter allen Volkern, zu denen der Ewige, Dein Gott Dich führen wird."

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