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Menorah · 1924-08-01 · Heft 8-9 (August 1924) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 8-9 (August 1924)
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Anmerkungen
Date
1924-08-01
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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M E N O RAH ILLV^TRIERTE MONATiTCHRIFT Fvr Die Jvdis-che Familie WIEN^ FRANKFVRT a.M. II. JAHRGANG AUGUST/SEPTEMBER 1924 NR. 8 9 NATHAN BIRNBAUM/ANMERKUNGE kbits ssr-r onset? n*n zp%; N r^nnxi Dworim, 4, 29. Nur wer Gott mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele sucht, das heißt, wer ihn schon im Herzen und in der Seele hat, da er ihn zu suchen beginnt — nur der findet ihn. Die modischen „Gottsucher" aber suchen ihn, ohne ihn im Herzen und in der Seele zu haben, oder tun gar nur so, als ob sie ihn suchten — und können ihn natürlich nicht finden, * ' N; -s) WlmG'i; ^■£.Jm^#$. « V^=?>w t*f) IM =? s n Hermann Fechenbach / Florenz Holzschnitt HAWDALAH Dworim, 8, 17. Es gibt keinen Selfmademan, kein Selfmade-Volk und keine Selfmade-Menscheit. Alle Kraft und alle Größe kommen von Gott, der sie nach seinem alles und alle erfassenden Willen und Plane verleiht und wieder nimmt. Wer dies vergißt und sich selber als den Urheber seiner Erfolge ansieht, entartet und hilft damit gleichsam nur Gott, ihm wieder Kraft und Größe zu nehmen. * Dworim, 9, 5. Nicht um unserer Verdienste willen ward ups das Land Jisrael, sondern wegen der Sündigkeit seiner früheren Bewohner, und weil Gott es unsern Vätern Abraham, Isak und Jakob zugeschworen hatte ... Es scheint, daß zwischen diesen beiden Gründen ein Zusammenhang besteht, der sie letzten Endes zu einem Grunde zusammenschmiedet: Die Sünde sollte ausgerottet und der gotter■ kennende Geist unserer Väter, trotz aller unserer Mängel in uns weiterlebend, unter der Herrschaft des Gottesgesetzes in uns geweckt und wirksam, das heißt, das Reich des Beispiels für alle Völker sollte aufgerichtet werden. Um das ging es. Und um das wird es wieder gehen. Dworim. 9, 6—24. Wir waren am Anfange unserer von Gott vorgezeichneten Laufbahn, als er uns hartnäckig und widerspenstig nannte. Aber die Zucht des Gottesgesetzes hat unsere sinnlose Hartnäckigkeit in eine sinnvolle Beharrlichkeit gewandelt und unsere Widerspenstigkeit gebändigt. Und nur, wenn diese Zucht sich lockerte, schwand wieder der Sinn aus unserem Trotz und lebte das unfruchtbare Aufbegehren wieder in uns auf. Drum sind wir auch heute wie wir sind. * Dworim, 11, 26. Gottes ist der Segen und der Fluch. Nur in seinem Namen und Auftrag, und nur von den dazu Berufenen kann das Volk gesegnet oder verflucht werden. Und nur in seinem Namen darf der einzelne den einzelnen segnen. Fluchen soll er im Grunde niemals und niemandem, und wenn er es dennoch tut, so sind gerechter Zorn und menschliche Schwäche Milderungsgründe. Wenn aber dem jüdischen Volk im allgemeinen Neigung zum Fluchen nachgesagt wird, so ist daran nur so viel wahr, daß Juden, die sich in gerechtem oder ungerechtem Zorn vergessen, eher fluchen als schimpfen. Und es läßt sich nicht sagen, daß sie damit zwischen zwei Übeln das schlimmere wählen. Denn Fluchen ist sicherlich noch lange nicht so gemein und unschön wie Schimpfen, und kann es nicht sein, weil bei aller Verirrung ein Nachhall des großen Pathos in ihm mitschwingt, der Glaube an den belohnenden und bestrafenden Gott aus der Ferne nachwirkt. Dworim, 13, 2—6. So wie der Prophet zu verwerfen ist, der zwar Zukünftiges richtig voraussagt, aber dabei das Volk zum Götzendienst bereden will, so ist auch jeder Ratgeber abzulehnen, der die Gegenwart richtig erfaßt, aber unmittelbar oder mittelbar dem Volke seinen Gott verleiden möchte. Ob Zukunft oder Gegenwart — Zeit bleibt Zeit. Und die Völker ersticken im Dunste der Zeit, wenn man den frischen Luftzug der Ewigkeit nicht an sie heranstreichen läßt. Dworim, 14, 3—21. * Nichts ist verkehrter, als in den Speisegesetzen Hygiene suchen zu wollen. Aber eine Diät stellen sie doch vor, nur nicht eine solche, welche die Aufgabe hat, das körperliche Wohlbefinden und etwa noch die intellektuelle Frische zu fördern — entsprechende Wirkungen mögen sich ja unbeabsichtigt einstellen — sondern eine Diät, die mit ihrer Symbolik der Reinheit, mit ihrem Reichtum an Gelegenheiten. Gottes Befehle anzuerkennen und zu befolgen, mit unbekannten Kräften, die aus unbekannten Zusammenhängen sich ergeben, und endlich mit ihren Inselwirkungen auf das jüdische Volk, dessen religiöser Kräftigung hervorragende Dienste geleistet hat. In jedem Juden, der die Speisegesetze beobachtet, lebt das Gefühl eines Priestertums, das bis in seine Mahlzeiten hineinreicht und sie adelt, lebt die Gewißheit, in seinem Körperlichen von Maß und Ordnung aus einer höheren Sphäre umhegt zu sein. Und dieses Gefühl und diese Gewißheit in so vielen Millionen einzelnen haben innerhalb der religiösen Noimierung des

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