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Menorah · 1924-07-01 · Heft 7 (Juli 1924) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 7 (Juli 1924)
Article
Der Berg in der Wüste
Date
1924-07-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 M E N O R A H Aus Hochmut hat ir uns befreit. Aus Eitelkeit in dieses Grab geschleppt. Ein Denkmal baut er sich aus unsern Leibern! MOSE: Ich gab das Liebste hin für euch, Tiere. Euch wollt ich führen zu einem Gott. ARD: Drum will er uns töten für seinen Gott! MOSE: Ihr wäret zehnmal ohne mich gestorben. Tot in Ägypten, in der Wüste tot. Ich führte euch durchs Meer. ARD: Um uns zu schlachten! MOSE: Bist du der Sprecher ihrer wahren Meinung? Wer glaubt an mich? ARD: Der Mörder ruft. O, glaubt an seine Liebe! Das Volk Weicht zurück. MOSE nichl laut: Hat mich niemand lieb? Stille. ARD nahe bei Mose: Gott schweigt! Das Volk schweigt! MOSE leise: Zipora, komm zu mir. ARD: Glaubst du noch immer, daß dir einer beisteht? Willst du noch weiter Richter spielen. MOSE: Ich geh hinab. ARD: Kain, geh! VOLK.: Wohin gehst du? MOSE: Ins Grab. ARD: Er ist verflucht, von dir, mein Volk, verworfen. Mein starkes Volk, gekommen ist dein Tag! Wählt einen Mann, der euch nach Hause leitet! VOLK: Er ist der Mann! Ard! Ard! Ard! Ard! ARD: Ich will euch ein treuer Helfer sein. VOLK: Ard! Ard! Ard! Ard! ARD: Ihr werdet nicht mehr hungern und dürsten. VOLK: Zu essen! Zu trinken! Ard! Ard! Ard! ARD: Ich will euch nach Ägypten führen! VOLK: Ägypten! Wie herrlich! Die Heimat! Ägypten! MOSE steht weiterhin stumm, mächtig oben auf der Terasse. AHARON losbrechend: Dort eßt euch satt bei euren Töpfen Fleisch! Das Fett wird triefen von eurem Mund. Ihr dürft dann wieder Ziegel schleppen. Ihr dürft die süße Peitsche schmecken. Ihr dürft den Ägyptern die Füße küssen! VOLK: Wir wollen leben! A.HARON: Ihr werdet sterben! Ihr habt einen König im Meere ertränkt. Sein Erbe hält Gericht über euch. Die Wolke sen/fi sich herab, die Landschaft wird langsam düsterer, grabariiger. VOLK: Es ist wahr. Es ist wahr. Was wird geschehen! Pharao ist tot. Pharao wird rächen. Ard! Hilf uns, Ard! ARD: Er hat ihn ertränkt! VOLK: Mose, hilf uns! MOSE deutet auf A r d: Dort steht euer Führer! VOLK: Hilf uns, Ard! ARD: Laßt mich nur machen! Wir bringen ihm Gaben. AHARON: Bettler! ARD: Er braucht uns zum Bau seiner Städte. VOLK: Ard! Ard! Wird der König verzeihen? ARD: Wir umfassen sein Knie. AHARON: Er wird euch umarmen! VOLK: Ard! Ard! Der König ist unbarmherzig! EINZELNE: Sie schließen uns jeden in einen Sack! — In eine Tonne innen mit spitzen Nägeln! — Sic rollen uns hinab in den Nil! —Sie ersäufen uns wie die Erstgeborenen! VIELE: Rette uns, Mose! ANDRE: Ard! Ard! VOLK: Hier der schreckliche Gott! In Ägypten Gericht! Mose! Mose! Du mußt uns helfen' Führe uns fort von dem bösen Gott! Führe uns zu den guten Göttern! MOSE: Gott, Gott, höre nicht die Lästerung! Ich schäme mich. Breite Dunkel aus. VOLK: Wir sind doch im Dunkel. MOSE: Tod! Schenk mir Tod! Gefühllosigkeit! Gib mir ein Grab! VOLK: Wir sind doch im Grabe. MOSE: Mach ein Grab aus der Welt! Wer nannte deine Welt schön? Der Wurm ist in der Frucht. Alles Lebendige ist Gestank. Vertilge! Vernichte! VOLK: Nun schließt sich die steinerne Gruft. EINZELNE: Ach, auf der Erde gab es schöne Wiesen. — Und eine lichte Sonne leuchtete. -— Das Gefieder der Vögel glänzte herrlich im Morgen. VOLK: Rette uns! MOSE: Rettung woher? Hilfe wo? EINER AUS DEM VOLK: Flehe zu Gott! MOSE: Gottes Geschenk liegt im Staube zerbrochen. EINZELNE: Die Tafel! VOLK: Die Tafeln! VIELE: Hole neue Tafeln! MOSE: Die Tafel ist nur erkalteter Stein. Den könnt ich reißen aus dem Gebirg. VOLK: Reiße los! Reiße los! MOSE bricht mit gewaltiger Kraft eine Platte aus dem Felsen und hält sie dem Volk entgegen: Die Tafel ist leer! EINZELNE: Die Schrift! VOLK: Die Schrift! MOSE: Es war Gottes Schrift! VOLK: Hole die Schrift! MOSE: Der Gott ist fern. EINZELNE: Wo ist Gott? MOSE: Aus Seinen Einsamkeiten sehnte sich Gott hinab in menschliche Brust, in menschliche Augen. Ihr habt Ihn verstoßen! EINZELNE: Bete zu Gott, daß er herabsteigt! MOSE: Ich bin müde. Ich kann' nicht beten. VIELE: Steige empor! MOSE: In den Abgrund der Himmclsnacht soll ich hinauf? VOLK: Ja, ja, bring uns die Gesetze! MOSE: Warum ich? Ihr habt mich verraten. Geht ihr! VOLK: Was? Was? MOSE: Holt euch selbst eine Flammenschrift aus dem Wcltengcwittersturm! Wendet sich zum Gehen. VOLK: Nein! Nein! Hilfe! Du! Nacht! Tod! — Das Gesetz! ANDERE STRÖMUNG IM VOLK stark anschwellend: Das Gesetz! Wir gehen! Auf den Berg! Wir gehen! Wir gehen! Wir holen uns das Gesetz. Wir gehen! Wir gehen zu Gott! Sie beginnen, das Gebirge hinauf zuwandern. Mose ragt immer über sie empoi. MOSE: Ihr geht? VOLK: Wir gehen. Stark: Geh mit uns! MOSE: Überall hin? VOLK: Überall hin. Geh mit uns! MOSE: Durch die Wüste, vierzig Jahre? VOLK: Vierzig Jahre. Leiser: Geh mit uns! MOSE: Über Gräber? VOLK andrängend: Über Gräber. Ganz leise: Geh mit uns! MOSE: Herr, sollen sie leben? Soll ich für sie leben? — Noch immer schweigst du, Herr? Kurze Stille, dann Wasserrieseln, Vogelgesang. Es wird etwas heller. VOLK meist melodische Frauenstimmen: Was rauscht? Was weht? Was gleitet? Was streift? An die Felsen?, die Wände? Es sickert der Schnee. Es schmilzt im Geklüft. Das Wasser braust an. Horch! Horch! Horch! ARD in den Vordergrund flüchtend: Gott lebt, wo soll ich mich verbergen? Bleibt geduckt stellen, abseits von den andern. Mose: Herr, auch das goldene Bild war Verlangen nach Dir. Herr, sie verzweifeln, wenn sie Dich nicht haben. EINIGE: Das Gesetz. VOLK: Das Gesetz! ARD abseits: Gott, Du lebst, Du zerschmetterst mich nicht? Du willst etwas, was ich nicht verstehe. VOLK mächtig verlangend: Das Gesetz, das Gesetz auf der Tafel! MOSE versucht vergebens die Tafel zu heben: Die Tafel ist schwer. ARD eilt hinauf, vor M ose kniend, .seine Arme stützend: Ich stütze dich! Hobe den Stein. MOSE hebt und drückt den Stein an die Brust: Ich presse den harten Stein in die menschliche Brust. ARD: Hebe die Tafel. MOSE: Felsige Brust ist hart. Steinernes Herz ist schwer. Er hebt die Tafel mit Anstrengung. Doch nun hebt dich der steinerne Mensch, hebt das steinerne Herz hoch zu Gott empor. VOLK: Herr! Herr! MOSE die Tafel hochhallend: Und der Lieblose fleht, einer fleht, dem nimmer die Liebe quillt. Er fleht für das Volk. VOLK: Herr! Herr! MOSE: Laß das Volk ziehen in das Land, das Du ihnen verheißen hast, das von Milch und Honig fließt. — Ihre Sünde strafe an mir! Eine Lichlflut schwebt über M o s es Flaupt, die Tafel erglänzt. VOLK: Licht! Licht! EINER AUS DEM VOLK: Die Schrift auf der Tafel! Das Gesetz! VOLK jubelnd: Das Gesetz! MOSE: Mein Herz hat Zeichen bekommen. Mein Herz ist Schrift geworden. VOLK mächtig andrängend, emporwogend: Segne uns, Mose! MOSE steht mit erhobener, heller Tafel, die Arme gestützt. Die Lichlflut wird leuchtender und sinkt langsam herab aufs Volk- V o r hang. Die Buchausgabe des Moses-Dramas „Der Berg in der Wüste", aus dem wir das vorstehende Fragment abgedruckt haben, ist im E. P. Tal- Verlag in Wien erschienen.

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