Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1924)
- Article
- Der Berg in der Wüste
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH 15 Walther Eidlitz / Der Berg in der Wüste / Drama VIERTER AKT Bisher erschien der 2. Akt (Heft 1) und der 3. Akt (Heft 4 dieses Jahrganges) Mächtig ansteigendes Gebirge, wie im dritten Al(l. STIMMEN: Groß ist Mose! Stimmen verhallen. MOSE: Herr, es ist so schwer. Deine Menschen find wie Schlamm. Sobald ich die Hand von ihnen lasse, fallen sie zusarr.r.-.cn. Sic stammeln nach Deinen Namen. Und sie wissen doch nichts von Gott. ZIPORA kommt: Motel — Kennst du mich nicht? MOSE: Zipora! Leise. Geh fort. ZIPORA: Wohin soll ich gehen? Ich bin so viel gegangen. Ich bin gewandert von Midian nach Ägypten, von Ägypten zum Berg, immer dir nach. Ich hab viel gelitten. Und jetzt find ich dich. Jetzt stehst du vor mir. Und du sagst mir . . . MOSE: Laß mich allein. ZIPORA: Wer hat dich mir weggenommen? Welche Frau? MOSE: Es isl keine Frau. ZIPORA: Ist es eine Ägypterin? Ist es eine Prinzessin? Ist sie schöner als ich? In welchem Zell schläfst du mit ihr bei Nacht? MOSE: Ich schlafe nicht in den Nächten. ZIPORA: Sie hat dich elend gemacht. Deine jungen Augen krank, weiß dein Haar. Laß mich bei dir! MOSE: Es ist keine Frau. ZIPORA: Es muß ein entsetzliches Wesen sein. E.s schlingt seine bösen Arme um dich. Es höhlt aus dein Mark, deine Kraft. MOSE: Was weißt du von I h m> ZIPORA: Wer ist es? MOSE: Gott! ZIPORA: Flieh diesen Gott! MOSE: Mein starker Gott ist streng und eifersüchtig: Er duldet kein Geschöpf neben sich. ZIPORA: Komm, ruh dich aus bei mir. Ich hab dich lieb. MOSE: Nichts Liebes darf ich haben außer Ihm. Er wrisi sie fori. ZIPORA wankend ab: Wie soll ich ohne ihn leben? MOSE: Der kalte Herbstwind weht um meine Stimc. Wird es bald Winter? Flore mich. Gott! Ich bin Dein offener Kelch. Ich habe weggedrängt alles aus meinem PIcrzcn. Gewähr mir das Letzte. Dato die Menschen nach Dir verlangen, daß sie verzweifeln, wenn sie Dich nicht haben. Sinke nieder zu mir und zum Volk; alle umklammernd. Schenk mir das Letzte. Gib Dein Gesetz! Lr steigt empor. Die Landschaft ist leer. Es donnert. STIMMEN: Groß ist Mose! Die Ebräer kommen jubelnd von rechte; darunter S i / r i, Z i p in o n. f f a g g I, // r d. SITRL Groß ist Mose! Wunder hat er vollbracht. Und habt Ihr gesehen, was er an Pharao getan hat? ALLE: Wir haben es gcsch'n Wir alle haben es gcsch'n! SITRI: Stark und mächtig war Pharao! EINER AUS DEM VOLK: Pharao haßte uns! SITRI: Aus der Knechtschaft ließ er uns ziehen. Doch im Herzen schwoll ihm der Grimm. Er jagte uns nach mit erzenen Wagen. PIAGGI: Ihre Rosse donnerten über den Boden. ZIPFIION: Eine Staubwolke raste hui dem FIccrc voran. SITRI: Mose war stärker! Mose hat ihn vernichtet! Mose hat ihn geschleudert ins Meer! Pharao und sein stolzes Heer! Wir gingen duiclv; Wasser trockenen Fußes. ZIPHION: Nicht auf der Erde gingen wir. FI AGG I: Lüfte trugen uns! ZIPHION: Groß Ft Mose! ARD: Groß ist Mose! Wo bleibt cv so lang? FI AGG I: Wo hält er sich auf? Den ganzen Tav; habe ich ihn nicht gesehen. ZIPFIION: Auch gestern war er nicht hier. Sucht Josua, reinen Vertrauten. Sucht Aharon, seinen Bruder. Was tut er solang? SITRI: Ich weiß es, was er vollbringt im geheimen. STIMMEN: Sag es, sag es! Was tut er? SITRI: Auf den Knien liegt er auf dem Gipfel des Berges und spricht mit Gott. Fl AGG I: Mit Gott? ZIPFIION: Mit Gott, dem lebendigen Gott? Wie sieht Gott aus? ARD: Ich habe ihn von fern gesehen, als sich der Vorhang hob, aus dem Flofe des Tempels. Er ist ein Stier, gehämmert aus purem Go'd. ZIPHION: Gott ist doch nicht aus Metall. Er muß leben. PIAGGI: Er ist lebendig und er isl ein Stier. Apis heißt er. In smaragdenen Hallen wird er gepflegt. Die kostbarsten Speisen bekommt er zur Nahrung. SITRI: Es ist nicht wahr! Unsichtbar ist Gott. STIMMEN: Wie kann er unsichtbar sein? Das wäre doch Luft. Wie kann er Luft sein? Wie kann er uns führen? Wie kann er uns helfen? ARD: Ich weiß, wie er es meint. Er ist dicke, schwere Luft. Er ist eine Wolke, die schwarze Gewitterwolke, die uns voranzieht. PIAGGI: Eine Wolke, die Pestilenz haucht. ARD: Eine zornige Wolke. Ihre Donner rollen täglich herab vom Berg. ZIPHION: Es ist unheimlich, zu stehen unter diesen Mächten. PIAGGI: Ja, es ist schrecklich. Und man sieht nicht sein Antlitz! Man weiß nicht, was man ihm opfern muß, daß er uns nicht Schaden tue. Es gibt böse Geister. ZIPHION: Sie werden uns das Blut aussaugen. STIMMEN: Mose ist fort. Er läßt uns allein in der Wildnis. ARD: Er hat uns in die Wüste geführt. Nie wäre ich von selbst in diese Öde gegangen. FIAGGI: Er hat uns verlockt. Wir werden verdursten im Sand. ARD: Sterben werden wir. FIAGGI: Und ich hatte mein rulliges Leben in Ägypten. Ich schlief sicher des Nachts und schrak nicht auf beim Schrei der Schakale. STIMMEN: Fleisch bekamen wir zu essen. Wein tranken wir. Warum hat er nicht gesagt, in welcivs Elend wir gehen? FIAGGI: Warum kommt er nicht? Warum hilft er uns nicht? SITRI: Ihr habt es doch gehört. Er betet auf dem Berg. ARD: Er soll nicht bcicn! Er soll uns zurückführen. ZIPFIION: Wir bitten ihn! FIAGGI: Wir verlange:! l,! ARD: Wir zwingen ihn. Wir sind viele. Wo ist STIMMEN: Josua wird es wissen. Der hat ihn begleite'. Ahavon wird er. wissen. Der isl sein Bruder. ARD: Der ist stolz wie jr. Er dünkt sich etwas Besseres zu sein als wir. Er ist wie ein Fremder. Wo ist Aharon? STIMMEN: Wo ist Aharon? Er soll sich verantworten. Wo isl Aharon? Rede soll er uns stehen. Da kommt ei. ARD: Eine Krone hat er -ich unigvtan. Jetzt glaubt er etwas zu sein. STIMMEN: Gib Auskunft! Verteidige dich! Wo ist Mose? AHARON mit der Binde des Hohenpriesters: Er weilt auf dem Berg. STIMMEN: Und wir? Und uns hat er vergessen. L'ns läßt er verzweifeln zwischen den Felsen. AHARON: Fiat er nicht für euch gewacht wie ein Vater? ARD: Ein Stiefvater war er. Gezüchtigt hat er uns. Scheinheilig war seine ^orge. Sein Mund floß über von Versprechungen. Lüge war es. Wir sind gewandert und gewandert. Unsrc büße sind wund. Wo ist das Land, das er uns versprochen hat? STIMMEN: Das Land unsrer Väter. Das fruchtbare Land. ARD: Eine andere Prophezeiung geht in Erfüllung: „Ich sehe bleichen in der Sonne ein Feld von Gebeinen." STIMMEN: Wehe uns! Wehe! AFIARON: Kleinmütige, schämt euch. STIMMEN: Wir sind verloren. Wir Irregeführten. Wehe uns! Wehe! Fluch über ihn! AHARON: Verächtliche, so dankt ihr meinom Bruder. Nichtswürdige, habt ihr vergessen, was er getan hat an euch! STIMMEN: Ja, er ist groß. Er ist furchtbar. Wunder hat er getan. ARD: Eine böse Absicht hat er gehabt. Danken sollen wir ihm. Er hat uns betrogen. Ich werde euch erzählen, was er vollbracht hat. Eine heile Ahnung geht mir auf. STIMMEN: Du erschreckst uns. Du hast ein Geheimnis. Was weißt du? Was ist geschehen? ARD: Groß ist Mose. Pharao hat er geschleudert ins Meer. Mit starker bland hat er uns geführt in die Wüste. Wißt ihr wozu? Wißt ihr, was wir sind? — Wir sind ein Opfer! STIMMEN: Fürchterlich. Fürchterlich. Meine Knie zittern. Wir verstehen dich nicht. Erkläre uns. Wie? Wie?