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Menorah · 1924-07-01 · Heft 7 (Juli 1924) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 7 (Juli 1924)
Article
Litauische Reise
Date
1924-07-01
Page
Seite 10 (sequence 4)
Language
German
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10 MENORAH „Ihr habt doch soeben den „Eppel vun Ganeden" für drei Mark verkauft?" Da schwur die Frau, sie möchte kein Ganeden „erleben" und „Schaufar von Moschiach nicht hören", wenn erstens dieses wahr sei und zweitens sie nicht selbst vier gezahlt hätte und drittens — „Da nemmt es für d r e i!" . . . heimisch? Das war ihr Fall, das gefiel ihr. Auch sie und ihre Kinder und die „Schwieger" (Schwiegermutter) und „Schnur" (Schwiegertochter) seien erst aus Pensa gekommen, liegt jenseits der ,,hore Chanschech" in Rußland, wohin sie vertrieben waren. Fanden hier ihr Heim wieder, auf alle Feinde Israels gesagt! Lange Prozeßgeschichten mit der Frau, die sich inzwischen in Ich fragte sie, warum sie ohne Not so viel schwöre? Da schwur sie bei allem, was ihr lieb und heilig sei, daß — sie noch nie im Leben geschworen hätte . . . Das traf sogar bis zum gewissen Grade zu, denn so sehr liegt den Leuten im harten Ringen um das tägliche knappe und trockene Brot die Art von Handeln im Blute, daß sie es selber gar nicht merken. Ich zahlte fünf und ließ die Gurke liegen. „Was soll ich damit? Ich bin ja hier nicht heimisch." Damit löste ich aber einen Redeschwall der Gurkenfrau aus, der so aussah, als würde er nie mehr im Leben aufhören. Nicht ihrer Kellerwohnung festgesetzt hat und nicht hinaus will. Die „Schnur" ist schlecht und faul, aber die „Schwieger" ein Drachen. Und s i e (Rednerin) plage sich mit Gurken, dem miserablen, verfaulten Zeug, das kein Mensch in die Hand und in den Mund nimmt. (Sie hatte die Ganedeneppel in der Hitze des Gefechtes ganz vergessen.) Wenn nur das Feuer ausbreche über Pensa und über . . . Sie würde eben noch reden, wenn nicht zum Glück sich jetzt eine Frau mit zappelndem Hechte im Korbe genähert hatte . . . „Kauft, Weibele, kauft U g e r k e s, richtige Ganedeneppel!" . .. AUFSCHREI Denn der Stolz, den du auf meine Lippen branntest, Den Segen, den dir einst mein Bruder abrang in einer heißen Kampfnacht, Gott____! Den kannst du nicht mehr von mir nehmen. Auch wenn du alle Lieder mir zerbrachst und alle Sonnenträume dunkeltest und dröhnend Fluch auf meine Wege sprachst, und deine Blitze lodernd um mich funkeltest . . . Ich schwieg und ging den dunklen, langen Weg. Und immer, immer schweige ich und geh, und schließe all das tiefe Wanderweh in meiner Seele weites Traumland zitternd ein...... Zerbrich Gebein! Laß das Gefäß, das du dir formtest, modern! Laß aller Fremden Haßflut um mich lodern, gieß' Woge um mich, banne mich in Glut! Ich schweig und geh und trag mein müdes Blut stets weiter in die dunkle Zeit hinein und werde niemals, niemals schrei'n! Denn der Stolz, den du auf meine Lippen brannlest, Liegt noch wie ein heiliges Siegel darüber...... Aber daß mein Bruder einst dir in harter Kampfesnacht doch einen Segen hat abgerungen, das hat meinen Schmerz zur Ruhe gesungen. Und gibt meiner brennenden Seele das Ahnen, daß irgendwo auf den schmerzwunden Bahnen wir zwei uns wiedertreffen . . . Daß in heiliger Kampfesnacht ich in dich dringe und dir einen neuen Segen abringe...... Mein Gott.....! Oskar Neumann. Feinste Küche Hübners Kursalon-Restaurant Für Hochzeilen, Bankette und Diners stehen herrliche Säle zur kostenlosen Verfügung Täglich 5-Uhr-Tee mit Tanz. Telephon Nr. 57S.

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