Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1924)
- Article
- Sabbatgebräuche [Illustration]
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 1)
- Language
- German
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4 MENORAH „SABBATGEBRÄUCHE'" Unbekannter Herkunft (i. C. Müller inv. et sculps sich bricht und brechen muß, wo es keine Atmosphäre gibt, die frei ist von Alltagsstaub. Sabbatglück wohnt nur dort, wo der Sabbal Sache der Gemeinschaft, des Volkes, des Gottesvolkes, wo er nicht verhallendes Wort in der Weltwüste, sondern schöpferische Tat ist; wo die Sabbatgebote die Wüste in reichen, geheimnisvollen Wald voll süfjer, heiliger Stille und reinen Duftes verwandeln und die Verbote diesen Wald samt denen, die durch ihn wallen, vor den Zudringlichkeiten des Endlichen schützen. Wenn jubelnder Zuruf und versonnener Lichtersegen den Sabbtt empfangen; wenn der Weihespruch des Kiddusch in warmer 1-eierlichkeit ertönt; wenn keine Hand sich rührt, um an den Dingen, an denen der Unfrieden der Welt klebt, auch nur zu tasten, geschweige sie zu handhaben; wenn nichts, was nicht zur Hülle der Persönlichkeit gehört, nach Alltagsart aus dem Frieden des Hauses in die Öffentlichkeit getragen wird; wenn das Sabbatvolk in sorgsamer Erfüllung aller Sabbatpflichten von Abend bis Abend schreitet, wenn es sich selber den Zauber des Sabbat erschließt, dann genießt der Mensch Gottes Ewigkeit in der Zeit, dann wird ihm Erlösung, ein einziges unvergleichliches Glück, dann ist Sabbat. Und dieser Sabbat ist es, den Israel liebt, seitdem es ihn empfing, und den es immer lieben wird, mit tiefer, sehnsüchtiger, unerschöpflicher Liebe. Denn was auch immer an Versuchung und Sünde an der Obelfläche seines Seins hervortreten mag, an die Wurzel dieses Seins greift es niemals. Keine der ohnmächtigen Mächte, keine der wohlfeilen Weisheiten der Erde kann die Liebe zum Sabbat Israel aus dem Herzen reißen. Immer wird es in freudiger Treue zu der ihm von Gott zugeführten Sabbatbraut zurückkehren, immer wieder darnach dürsten, in dem großen Ewigkeitsgleichnis Ewigkeit zu erleben, immer wieder sich dazu drängen, durch die im Sabbat durchsichtig gewordene Welt einen Schimmer von Gottes eigenster Herrlichkeit zu erhaschen. So wie kein Sabbat ohne Israel, so kein Israel ohne Sabbat! Hirsch Kalischer / D rischat Zion Auswahl aus dem Hebräischen, übersetzt von Dr. Alex. Kristianpoller Seit der frühesten Jugend tobt mein Herz in mir vor Erregung, um Zion seufzt mein Geist. Denn wessen Herz durchglüht ist von Liebe zu seinem Schöpfer, seinem Volke und dem heiligen Boden, auf dessen Wangen fließen unaufhörlich heiße Tränen, reißendem Wasser gleich. Seit der Zeit, da eingestellt ward das ständige Opfer, und nur Tränen den Altar des Herrn bedecken, da ist die Weissagung selten geworden, die Thora ist wie ein versiegeltes Buch, viele tappen im Finstern herum, sinnen Nichtiges, und die Wahrheit wird vermißt. Wird etwa ewig der Nebel die Erde verdecken, wird für immer das Auge verdunkelt bleiben, unfähig das ewige Licht und die ewige Weisheit zu schauen? Sollte nie wieder das Licht der Thora erstrahlen, sollen die Menschen wild umhergehen, ihre Tage mit eitlen Dingen verbringen, ohne das Werk Gottes zu schauen? Sollten die Söhne Israels das heilige Land nicht mehr lieben, Zions Staub nicht mehr herzen? Nach Silber streben sie, und nur der Tod macht diesem Gelüste ein Ende. Also leben sie im Irrtum, schwanken in ihrem Urteile, die einen Avie die anderen. Die einen, die sagen: Was ist uns noch Zion, daß wir es suchen, was gilt uns noch die heilige Stätte, daß wir nach ihr streben sollen? Siehe, uns fehlt nichts in unserer Heimat, und wir haben es unter den Völkern gut. Und so wurde von ihnen das heilige Land, die heilige Stätte, die .Verheißungen und die Propheten aus ihrem Denken verbannt. Das Irdisch-Vergängliche lieben sie, das Heilige, das Ewige, ist ihnen fremd, das Erbe ihrer Väter kennen sie nicht. Die anderen, die sagen: Wir gehören zwar dem Ewigen Israels an, zur heiligen Stätte sehnen wir uns, aber warum sollen wir uns als Sühnopfer darbringen und ob Erez Israel uns gramen? rEs steht ja geschrieben: Ich beschwöre Euch, Töchter Jerusalems, daß Ihr die Liebe nicht wecket, nicht erreget, bis es dem Ewigen gefällt. (Hohes Lied II, 7.) Denn siehe, sobald die Zeit herannaht, wird der Ewige selbst die Freiheit verkünden und plötzlich mit der großen Posaune blasen und kundtun: „Heraus! Verlasset das Golus, erhebt Euch, erobert das heilige Land unter allen schreckhaften Zuständen, so wie es meine Propheten geschildert und geschaut haben.'" Befangen von diesen beiden allgemeinen Meinungen will niemand sich um Zion bekümmern, und des heiligen Landes nimmt sich niemand an. Ein religiöses Gebot ist es, um Zion zu sorgen, und doch ist diesen beiden Parteien Palästina gleichgültig geworden. Um also diese zu belehren, will ich auf Grund der Propheten, des Talmud, des Sohar, der Schriften des R. Moses b. Nachman (Ramban) und der anderen Talmudgelehrten nachzuforschen versuchen, wie die Erlösung Israels und des heiligen Landes — allmählich allerdings — kommen wird. Es ist daher unsere Pflicht, sowohl dem Verstände als der Überlieferung nach, mit aller Kraft in einer Vereinigung zum Aufbau des Landes, zur Besiedlung Erez Israels mitzuarbeiten. Ich aber flehe zum Allmächtigen, er möge die Augen der Frommen und der Weisen unserer Generation erleuchten, damit sie in diesem Sinne wirken sollen. Denn jetzt ist die geeignetste Zeit gekommen, sich Erez Israels zu bekümmern. In unserer Zeit gibt es angesehene und reiche Leute wie nie zuvor seit dem Untergange des jüdischen Staates, „und wer weiß, ob diese nicht deshalb zu so hoher Stellung gelangt sind". (Esther, IV, 14.) Vielleicht werden diese Männer sich doch zur Tat, zum Aufbau Palästinas aufraffen, wenn sie diese meine Worte lesen. Bezüglich meines Planes hatte ich auch eine Auseinandersetzung mit unserem weitbekannten Rabbiner Akiba Eger s. A. und mit dessen Schwiegersohne Rabbiner Mose Sofer s. A., welch letzterer meine Ansicht geteilt hatte...... Was die Judenerlösung, die wir immer erwarten, anbelangt, so soll man nicht denken, daß Gott vom Himmel auf die Erde heruntersteigen und seinem Volke sagen wird: „Erhebt Euch!" oder daß er gar plötzlich seinen Messias senden wird vom Himmel, um