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Menorah · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Article
Tel Awiw
Date
1924-06-01
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
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MENORAH 13 Arbeiter nach der Bauwelle Aufnahme finden konnten? Vorläufig aber baute noch das landfremde Geld. In Zelten und Baracken, mitten zwischen den Villen und Zinshäusern wohnten die Arbeiter, und des Abends erklangen ihre Tanzlieder. Die Krämer folgten ihnen, wie die Schakale zum Fräße sich bei einem Kadaver sammelten. Die Ladenhändler und Limonadenverkäufer machten sich's in Tel-Awiw bequem, Hausierer mit billigen Kuchen und den Früchten des Landes drängten sich zu den Bauplätzen, und einfache Speisehäuser taten sich auf. Die berufsmäßigen Optimisten wiesen auf all dies: so entsteht ein Leben, so regt sich ein Volk! Und der Stadtrat mußte den Forderungen nachgeben: die Terrassen und die Vorgärtchen in Tel-Avviw-lew (Herz T. A.'s, das ist der offizielle T itel für das ältere Zentrum) wurden niedergerissen, aus Fenstern Türen gebrochen, aus Wohnzimmern Geschäftslokale adaptiert und bunte Schilder und grelle Auslagen schreien und locken. Dies war das Tel-Awiw der Arbeiter und Krämer. Das Geld also baute Häuser, es rollte eine Zeitlang in Palästina und schien mit Hilfe von Wechseln und Schuldscheinen vervielfacht — und verschwand nach Deutschland, Rumänien, Österreich, Italien, in die Zementfabriken, in die Holzlager, in die Textilindustrie, in die Zuckerfabriken, nach Australien und Kanada zurück für Mehl und Jam und in irdenen Töpfen der arabischen Gemüse-, Eier-, Viehproduzenten. Oder doch nicht nur in den Töpfen blieb es, als Hypothek der Banken kam es wieder zum Vorschein. Die Wohnungszinse aber sanken auf die Hälfte, auf ein Viertel. Die Baulust ließ nach und hörte fast gänzlich auf. Die Arbeiter gingen zur landwirtschaftlichen Arbeit über oder wo sonst der Arbeitsmarkt Kräfte forderte. Viele verließen das Land. Die Häuser aber sind da und die Läden und warten. Die Betonstraßen dienen arabischen Kaleschen, die klingelnd die Eflendi zum Kasino führen. — Und in Zukunft? Wer kann es wissen? Die Rebbes (Wunderrabbi) interessieren sich für den Aufbau des Landes; kommen ins Land und senden ihre Getreuen. Reiche Fabrikanten aus Polen tauchen auf, die trotz der Valuta noch viele tausend Pfund zu investieren vermögen, kaufen Häuser und Boden bei den Epikorsim und wollen sonst zu arbeiten beginnen. Wird Tel-Awiw sich nicht zu einem strengen Schabbath und zu einem züchtigen Scheitel entschließen? Wer weiß?! A. E—r. Im 2. Adar des Jahres 5684. 2)<?r 3luf Ich bin das Land ihrer Väter, In mir liegt ihre Kraft. Ich bringe zurück meine Kinder Am Ende der Wanderschaft. Wohin sie den Fuß auch setzen — Mein Ruf lockt magisch: zu mir! Sie kommen — sie kommen als Fremde, Als Söhne bleiben sie hier. Im Laub der alten Bäume — Sie kauften von neuem sie los — Da singen Zauberlieder Sie leise in meinem Schoß. Der Hauch meines Brodems am Abend, Der Duft meines Atems bei Nacht Durch Stunden und Tage und Zeiten Ruhig die Seele macht. Bis das Ziel meines Seins ich vollende. Das unendlich lang war verhüllt, Bis mit Weisheit erfüllt sind die Herzen Und die Augen mit Tränen gefüllt. R. Kipling: „Actions and reactions" Übersetzt von Wölkau« Weisl (Jerusalem) „BETENDER JUDE" Milch einer Pl.istik von Julius Ohsl (Herlin) Lazar Segalls Illustrationen zu David Bergelsohns „Maasse-Bichl" von DR. FAN NINA HALLE Ein feinsinniger Ausschnitt aus dem jüdischen Dasein, ja, ein ganzes Stück dieses Daseins selbst, erschließt sich uns in neuer traumhaft-schöner Gestalt in dem soeben im Verlage ,.Wostok" (der Osten), in Berlin, erschienenen „Maasse-Bichl" — „Erzählungen" des heute wohl populärsten Dichters jüdischer Sprache, David Bergelsohn. Durch die von der Hand des jungen Malers Lazar Segall hierzu geschaffenen acht Lithographien und handkolorierten Holzschnitte ist hier, auch rein äußerlich, ein Kunstwerk zustande gekommen, wie es in der jüdischen Literatur bisher wohl ganz, vereinzelt dasteht, daher auch besondere Beachtung verdient. Zwei Knaben sind die Hauptfiguren dieser Sammlung von kleinen Erzählungen. Der eine stammt aus vermögender, der andere, ein Krüppel, aus armer Familie. Beide wachsen auf und bewegen sich in dem engen Milieu eines fernen, verlassenen russischjüdischen Städtchens, finden einander in ihrer Sehnsucht nach einer schöneren, abwechslungsreicheren Welt — und werden Freunde. Ihr ganzes Sein, ihre ganze Umgebung wird ihnen zu einem einzigen Traum, wie dem wohlhabenden Knaben selbst die eigene Mutter ein Traum ist. Als er noch ganz klein war, verließ die blinde Mutter das Haus, um in Charkow, bei einem Wunderarzt, Heilung zu suchen. Nie mehr sah er sie wieder, behielt nur das Bild vor Augen, wie sie, von zwei Männern geführt, die Tür belastet, um die dort befestigte heilige ,,Mesusa" — die Pergamentrolle — zum letzten Abschied zu küssen. Unter gegenseitiger Anregung arbeitet die Phantasie der beiden Knaben noch lebhafter: alles Irreale, noch so Geheimnisvolle

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