Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Article
- Die wahre Würde
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2912821-2912828-2912833-2914071--00734-2914147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6 MENORAH i ^fci^flMUu^fm* j mer ftyoncr werta |Cfnif^li|)©lu8t nur ^nni?,memi?|)r^ii: lÖ>if *llcm$lu& bleibt bie fExta!£rrk |anjbl4t^eISufd)ung _____ einer Ö>pann£3e^ 3b2I5anSSER. dkr fhjrf (fe 3n rKfengrcßem [Barten duf^ri^t^t"^ ©tejjf <Sf>tb« l)nnmel, ©f#e« T)jotr bereit; &ftf So# iie IDelt ier Jv^rper^orm vermutet "ßjll© 1? geLljt IRenf^e/uJ ge(u^e/! ^cuin w(rt e* m fler letzten DBei^cff If^t-" Jton ©o# für alle jf^^kdh geffc^tei-! 3&ajm beu^t ie* ülenjfyen T)öd)mut fid) un<S bnd>t^ ^rörfe IMÄen S>tcb, Lnn wir! er ganz zunt^/ *** & ierTjB&mefnöMuni SODLSerf^tJ EINLEITUNGSGEDICHT Mit (ienehnii«im« de> Verlars Karl Koni;;, Wien, der Mappe „ Wettuntcigang" liehen Dogmenunfug, längst überflüssig gewordenen, glaubten abtragen zu müssen, um statt dessen eine neue hebräische Literatur zu schaffen, die stolz mit den gleichen modernen Problemen prahlen konnte wie die gegenwärtige Dichtung der anderen Völker: mit Ehebruch, freier Liebe und Sozialismus. Ja, Juden waren es großenteils, die unermüdlich immer wieder vor der ganzen Welt betonten, daß ihr Volk allen anderen Völkern gliche und keinesfalls mehr oder auch nur anders sein wolle als die anderen Völker alle. Ihres alten Adels Krone und Purpur legten diese Juden ab und keuchten hinter den anderen — den europäischen — den fortgeschrittenen — den gebildeten Völkern her, gierig bemüht, deren im Schmutze schleifenden Mantelsaum zu haschen. Wenn auch dieser würdelose, international gesinnte Nationalismus fast spurlos verschwunden ist, ist doch das übernationalistische Judentum nicht besser, das an seine Stelle trat; vielleicht sogar noch abstoßender, da es des rein physischen Nationaljudentums zu große Bescheidenheit durch übergroße Anmaßung ersetzte. Und durch eine Anmaßung wiederum, welche, die wirklich zum Stolz berechtigenden Leistungen des jüdischen Geistes ironisch übersehend, das jüdische Volk mit allen möglichen zusammengeräuberten fremden Federn zu schmücken suchte. Da konnte es keine ethische und ästhetische Tagesmode geben, die diese Übernationalisten nicht als irgendwie aus jüdischem Geiste entstammt verkündeten; da konnte es keine noch so verstiegene Ideologie, keine noch so verschrobene Utopie geben, die sie nicht als im Keim schon in der Bibel vorhanden hätten nachweisen können; da konnte es keinerlei welterlösende Propaganda geben, die sie nicht als jüdisches geistiges Eigentum anzufordern imstande gewesen wären. Aber sonderbar: Im ganzen Umkreis des jüdischen Geistes, in der ganzen großen Bibel fanden sie keinen Hinweis auf irgendein Verdienst ihres Volkes um die religiöse Idee! In dem in Moses' sozialer Gesetzgebung zum ersten Male in der Weltgeschichte gewaltig aufflammenden Gerechtigkeitssinn sahen diese seltsamen Apologeten nur eine Vorahnung des modernen Sozialismus; in der in Moses' Speisegesetzgebung mit ernster Entschlossenheit verkündeten Wichtigkeit von Lebensvorschriften sahen diese Apologeten nur eine Vorwegnahme moderner Hygiene; in dem in Moses' Sittengesetz mit grimmiger Unversöhnlichkeit sich durchsetzenden Willen zu Zucht und Reinheit sahen sie nur eine unvollkommene Vorstufe moderner Ethik; in Moses' und Jesajas' glühender Verkündigung des messianischen Friedensfürsten sahen sie nur eine freilich nech ungeschickte Vorbereitung des modernen Pazifismus — in dem messianischen Reiche, da „voll ist die Erde der Erkenntnis des Ewigen", nur das verfrühte, ohnmächtige, poetisch-ungenaue Verlangen nach einem Völkerbund, wie er heute — o herrliche Erfüllung biblischer Ideen! — endlich zur Tatsache geworden ist. Alle großen Ideale unserer Gegenwart also finden diese Übernationalisten schon im ältesten Judentum vor: Sozialismus und Pazifismus, Ethik und Hygiene. Ja seit irgendein besonders tiefgründiger Gelehrter die gcldüberzogene Bundeslade als große Leydener Flasche entlarvte, deren aufgespeicherte Elektrizität den erschlug, der nicht — wie Ahron als Hohepriester — ein isolierendes Schutzkleid trug — seitdem sahen diese Apologeten sogar in der Anlage von Bundeslade und Stiftshütte den tastenden Versuch zu einer allerersten Elektrotechnik. Und sie waren sehr stolz auf ihre feinsinnigen Auslegungen, waren ganz glücklich, das alte Judentum, dessen sie sich fast schon hatten schämen wollen, so prächtig mit der Bildung der Gegenwart in Verbindung gebracht zu haben. Denn diese seltsamen Apologeten begriffen es nicht mit ihrem armseligen Verstände, wie unübertrefflich komisch ihre neue und stolze Auffassung von der Bibel und den biblischen Heroen war. Als echte Ethiker ganz ohne Sinn für Humor, hatten sie auch keinen Sinn für die possenhafte Verzerrung, die etwa eine solche Riesenfigur wie Moses durch ihre Auslegung erlitt: Moses, ein Vorläufer von Marx, Lassalle und Lenin — ein Vorläufer Rousseaus, Tolstois und der Frau von Suttner — ein Vorläufer Metschnikoffs und Galvanis sogar — schließlich selbst ein Vorläufer Wilsons — und die zehn Gebote eine Art Vorbereitung der vierzehn Punkte: Nur so ein etwas reicheres Ausmalen des phantastischen Bildes ist nötig, um klar vor Augen zu stellen, wie dieser neue jüdischvölkische Nationalstolz mit der echten, der alten, der heiligen, jüdischen Größe Schindluder getrieben hat! Und noch treibt..... Denn diese verständnislose Selbsterniedrigung scheint altes Erbgut zu sein; echt jüdisch scheint es zu sein, nicht von der alten sicheren Weisheit aus, zu den immer neuen Tages fragen Stellung zu nehmen, sondern umgekehrt, an jeder eben modernen Tagesphrase den Wert der alten Weisheit abzumessen; echt jüdisch scheint es zu sein, jedes Gewäsche von Völkerbeglückung und jedes Geschwätz von einem durch irdische Mittel erreichbaren irdischen Frieden und Geflenne über die Greuel von Krieg und sozialem Unrecht wichtiger zu nehmen und höher zu halten, als die messianische Verheißung der Bibel — als das Versprechen eines einstigen überirdischen Friedens auf Erden — als die trostvolle Verkündigung des schon heute trotz Krieg und Elend jedem armen Einzelmenschen erreichbaren tiefen Friedens der Seele, wie der Priestersegen ihn verheißt: „Der Ewige segne dich und behüte dich; der Ewige lasse dir leuchten sein Antlitz und sei dir gnädig; der Ewige wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden!" KOBENZL Hühners Schloßhotel Kobenzl - Cafe-Restauiant - Wiens sclwnster Ausflugsort ~= _; Herrlicfie Autostraßen '■ Autoverkehr G r i n z i n g — Kobenzl eigener Regie zu. ermäßigten Preisen