Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 4 (April 1924)
- Article
- Das Pessachfest
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 2)
- Language
- German
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5 MENORAH roel getrennt von einander unterzubringen. Ein sehr seltenes Exemplar dieser Gattung, das aus Deutschland, ungefähr aus der Zeit um 1 800, stammt, steht dem Frankfurter Museum als Leihgabe zur Verfügung. Es zeigt außer den schlichten Fächern und dem gelben Damastvorhang auf dem Rande des Deckels sechs bärtige Figuren, auf Postamenten stehend, die auf dem Kopf eine Schale tragen, die sie mit beiden Händen stützen. ZAvischen je zwei Schalenträgern ist je eine weitere Figur auf einem Postament angeordnet: Moses mit dem Stab, Ahron im Priesterornat und Mirjam mit der Pauke (Tamburin). In der Mitte des Deckels befindet sich ein Kerzenhalter, der auf einem Rankenwerk ruht. Eine weitere Seltenheit des Museums ist eine Sederschale aus Meißener Porzellan, ebenfalls Deutschland um 1800, die ein Rothschildsches Geschenk ist. Der Rand wird durch die Merkworte des Seders, das Innere der Schale durch vier Bilder aus der Haggaxlah geschmückt. Diese stellen dar: 1. Moses' Auffindung, 2. Moses vor Pharao, 3. und 4. Die Ägypter in den Fluten und die er- Mecrrettichschale / Silber / 17. Jahrhundert aus Privatbesitz retteten Israeliten. Die Bilder folgen im ganzen dem Typus der Amsterdamer Haggadah, sie sind mit heller Schwarzmalerei auf den weißen Grund aufgetragen und an einigen Stellen vergoldet. Die Merkworte des Seders sind aus rosa Blümchen zusammengesetzt, am Anfang befindet sich ein Wappen: Hirsch und Löwe halten ein Schild mit den Priesterhänden, darüber eine Krone mit der Inschrift, hebräischer Hirsch, Löwe, Katz (— frommer Priester in der Auflösung der Buchstaben) und die Abkürzung für Frankfurt a. M. Leider war es bisher nicht möglich, den genannten Besitzer oder Spender an anderer Stelle wiederzufinden. Aus Majolika oder Fayence haben die italienischen Juden ihre Sederschüsseln verfertigt, die auch die Namen der jüdischen Meister überliefern"). Das Jüdische Museum in Wien besitzt solche Stücke, die mit Jacob Azulai, Padua 1 532; Moise Fano, Urbino 1556; Jacob Azulai, Pesaro 1730, und Jizchak Azulai, Faenze 1575 (Sederschüsseln) bezeichnet sind. Es handelt sich um kreisrunde Schüsseln mit sechs, beziehungsweise acht Medaillons, deren weitere im National Museum in Washington') und ehemals auf der Anglo-Jewish-Historical-Exhibition in London1) bekannt wurden. Die beste Beschreibung findet sich im Katalog der Gieldzinski-Stiftung in Danzig (1904), aus der hervorgeht, daß auf einem Untersatz, der scheinbar zur Aufnahme der Mazzoth diente, dieser Teller ruht. Er zeigt den Segensspruch über den Wein, die Merkworte des Seders, am Rand zwei größere Felder mit Blumen, zwei weitere mit biblischen Bildern (Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen, die Israeliten verzehren das Passahbrot in Ägypten [!]), vier kleinere Felder mit den Gestalten von Moses, Ahron, David und Salomo. In der Anordnung stimmt dies mit Nr. 1697 der A. J. H. E. überein, dessen Bilder leider nicht genau zu erkennen sind. Die Beschreibungen für dieses und andere Stücke sind durchaus dürftig und lassen keine weiteren Schlüsse zu. Besser unterrichtet uns der Katalog von Washington, wo unter Nr. 78 (vergl. die Abb.) in der Mitte der Kiddusch, am Rand vier längliche Medaillons mit Sederdarstellungen (nach welcher Haggadah?) und zwei runde mit den Merkworten des Seders, beziehungsweise dem Sabbathpassus des Kiddusch zu finden sind. Die Datierung ist sicherlich dort irrig, das Stück kann keineswegs aus dem 13. Jahrhundert aus Spanien stammen und im 16. Jahrhundert in Italien glasiert worden sein; alle Stilformen weisen auf 17. Jahrhundert, die altertümlichen Buchstaben sind auf die Kopie eines älteren Originals zurückzuführen. — Ebenfalls irrig ist die dort angeführte Schüssel aus Silber mit den Bildern der Stammväter, Ahrons, Moses', Davids und Salomes, deren Mitte eine Darstellung des Händewaschcns schmückt, als Sederschüssel bezeichnet (Nr. 80). Es dürfte sich, wie bei einem ähnlichen Stück des Frankfurter Museums, um eine Waschschüssel handeln, die eventuell für den Seder, wahrscheinlich aber für den Priestersegen benützt wurde. — Alle flachen Sederschüsseln ruhen entweder auf einem Untersatz, der zur getrennten Aufnahme der drei Mazzoth dient, oder diese Trennung wird durch Fächer bewirkt, welche wiederum Anlaß zu reichen Stickereien geben, die auch die Decken für die Sederschüssel schmücken. Auf diesen Sederhecher mit Kerben Im Kunsiii^vihL'iiniseuiii Düssekloi t Textilien sieht man die Merkworte des Seders, den Kiddusch sowie alle möglichen Symbole und die Darstellungen aus der Haggadah in den verschiedensten Techniken angebracht1)- Oft geben Inschriften über Datum und Ort der Anfertigung sowie über den Verfertiger Auskunft. Zeichnungen und Schrift sind meistens alten hebräischen Handschriften entlehnt und zeigen deshalb ein altertümliches Gepräge. Zu einem Seder gehören außer den Schimurim Mazzoth noch die symbolische Andeutung des Pessachopfers, Meraur und Charausseth. Um diese unterzubringen, wurden früher besondere Geräte3) hergestellt. Das gebratene Ei fand auf einem Gefäß seinen Platz, das einem Doppelbecher ähnelte, für das Bitterkraut wurden zum Teil reich verzierte Schalen benützt. Der Fruchtbrei, der als eine Erinnerung an den Lehm gedeutet wurde, den die Juden in Ägypten stampfen mußten, wurde zumeist in einem kleinen Schiebkarren gefahren, aus dem man sich zuweilen mit Bestecken bediente, die Arbeitsgeräten nachgebildet waren. Vier verschiedene Handlungen eröffnen den Seder, die vier soeben besprochenen Speisen machen ihn erst rituell vollgültig, vier Fragen richten die Kinder an den Vater und vier Arten von Kindern werden vorgeführt. Diese Vierzahl, die eine besondere Rolle an dem Sederabend zu spielen scheint, ist auch für die zu trinkenden Becher Weins vorgeschrieben. Als Merkzeichen, damit nicht vergessen wird, nachzudenken, findet man in den Sederbechern hin und wieder vier Kerben angebracht, die, jedesmal um einen Einschnitt vermehrt, den Hausherrn daran erinnern sollen, wenn er frisch einzuschenken hat. Es wird natürlich vorausgesetzt, daß er nicht vergißt, den Becher regelmäßig weiterzudrehen. Solche Becher gibt es aus Silber, Glas und Porzellan. Die größten und prächtigsten sind die, die für Eliahu Hanavi bereitgehalten werden. Auch auf den Sederbechern finden sich Haggadahbilder. Ein solches Stück aus Wien bildet Schlosser in der Haggadah von Sarajevo, S. 238, ab, dessen Jagddarstellung mit dem bekannten Merkwort Jakenhas (Sajin -~ Wein, Kiddusch ------ Setzen, Ner =~ Licht, Hawdalah Unterscheidungszeremonie,