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Menorah · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Article
Pessach im Volksmunde
Date
1924-04-01
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH Illvstrated Monthly For The Jewlth Home illustr.monatjxchrift für dle jüdische familie \ ERLAG U. REDAKTION: WIEN iVIKXXAV X. MEZ., HERtiGASSK 31 / TELEl'ÜOX 11-2-11 DRÜCK: »ELBE.MÜIIL<<,\YIEX, IX., RER(!(L 31 T- ••AliRCAXG i/t 1 \\ APRIL 1924 /// X si\\ x,4 //ix A RUNX EM l '.X'J'S- U. 1 X E R A T E X A U ET11 \ C« I: NIMMT I) IE AI > MIXI ^T R AT 10 X WIEX (VIEXXA lElUi(IAHSE3E ENTIIECEX ' TEL. 11-2-11 PESSACH IM VOLKSMUNDE Von Dr. V. KURREIN, Linz Die Vorbereitungen zum Feste nehmen alle Hände und alle Gewissenhaftigkeit in Anspruch. „Schütteln"*) ist der fachmännische Ausdruck für die Reinigung des Hauses vom Chornez. Ein Hausfrau fragt die andere: „Hast du schon geschüttelt?" Das „Schütteln" oder „Pessachmachen" ist für das Haus und dessen Reinigung vom Staube des Winters sehr heilsam. „Wenn der Bauer kaan Keiwe (Kirchweih) und der Jude kaan Pess;\ch hätt', kämen sie aus dem Dreck nit heraus." Die Gewissenhaftigkeit oder Übei frömniigkeil, mit der bei diesem Reinigen vorgegangen wird, hat das Sprichwort gezeitigt: „Die macht den Fußschemel jontevtik." Es soll in Worms eine Frau gelebt haben, die selbst den Fußschemel reinigte und scheuerte, um ja kein Chornez im Hause zu haben. In der Regel bleibt ja alles Geschirrdas man für Pessach braucht, das ganze Jahr unbenützt und wird nach Pessach wieder sorglich verwahrt, „es bleibt jontevtik" — ein Wort, das der Volkswitz für jene Mädchen in Anwendung bringt, die nicht an den Mann kommen. Solch' eine unberührte, beiseite gestellte Jungfrau muß sich gefallen lassen, daß man von ihr sagt, „die bleibt aach jontevtik!" Ungalant pflegte man zu sagen: „E Ponem wie e Mazze!" — Ist alles im Hause weggeräumt, am Abend vor dem 14. Nissan findet das Suchen nach dem Chornez statt. Diese Nacht heißt: „Chornezbattel ■— zu Nacht", das Suchen nach dem Chornez „Chornez batteln". Dieses Wort stammt von dem hebräischen Worte „batel" zu nichte machen, verschwinden lassen. „Chornez" — der Sauerteig ist an Pessach bis ins Kleinste verboten und muß daher gründlich weggeschafft werden. „Das ist ein Chornez", sagt man auf einen sündhaften Menschen. Der Sauerteig wird gerne dem Jezer hara (dem sündhaften * Der Ausdruck ..Schütteln" wird auch beim Taschlich-machen gebraucht „Will gehen, mein Awcros schütteln", vgl. Kizzur Sch'lo 92a. „Das Kuchen nachen" ■sticiKMi (1721) mit Darstellu Triebe) verglichen. Wenn man einen lästigen Menschen, einen unerwünschten Gast oder etwas, was man gründlich beseitigen will, endlich losgeworden ist, dann sagte man: „Das haaßt hier Chornez gebattclt!" —- Die Vorbereitung zum Sederabend heißt man „bauen" und der Wunsch, der die den Seder Feiernden begleitet, heißt: „Bauen Sie gut!" Dieser Ausdruck dürfte mit dem Sinne von „wohnlich machen, zum Aufenthalt herrichten", der in dem deutschen „Bauen" liegt, zusammenhängen. Die Bequemlichkeit, die der Seder durch das angelehnte Sitzen, die „Scderkisscn", den Teilnehmern bietet, drückt sich auch darin aus, daß man sagt: „Mei maant, er will den Seder gebe", wenn sich einer breit und bequem hinsetzt. Die Mazzcs sind eine höchst wichtige Sache für Pessach, aber sie müssen, um jede Gärung zu vermeiden, .schnell und ununterbrochen bcreilet werden. Das Kneten des Mazzeteiges gestattet keine Ruhepause und keine Störung. Daher sagt man spöttisch, wenn jemand eine unbedeutende Arbeit mit übergroßem Eifer besorgt und sich darin nicht stören lassen will: „Knetest du etwa einen Mazzeteig?" — Eine rücksichtslose Störung, die einen immer wieder abruft und keine Arbeit ruhig vollenden läßt, veranlaßt den Ausruf: „Und wenn ich 'm Mazzeteig stecke, werd' ich gerufe!" Das heißt, selbst wenn ich mitten im Kneten des Mazzeteiges begriffen wäre, müßte ich die Arbeit unterbrechen. Die Scderschüssel zeigt als einziges Symbol, bei dem die Flausfrau ihre Kunst beweisen kann, das „Charoses", das in alten Plagadas mit „Latwerge" übersetzt ist, Avas einen dicken Saft bedeutet. Es ist ein Gemenge „secher letapuach" und „secher letit" (Pes. 1 16a) aus Datteln, Rosinen, W ein und Gewürzen, und Brauch ist es, Äpfel, Nüsse und Trauben dazu zu verwenden. „Das ist gut zu Charoses" oder „der taugt mir zu Charoses" wird von etwas gebraucht, das nur einmal im Jahre, sozusagen „alle heiligen

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