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Menorah · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Article
Morris Rosenfeld
Date
1924-02-01
Page
Seite 11 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH MORRIS ROSENFELD Von S. MEISELS (Wien). größte In der jiddischen Literatur bedeutete Monis Rosenfeld ein Ereignis. Zunächst seine Persönlichkeit: Ein armer, hungernder, in den Sweat- Shops Frondienste leistender jüdischer Schneidcrgeselle erwacht eines Morgens und findet sich als Dichter berühmt. So mancher jüdische Schneidergeselle war zu etwas Besserem geboren und hatte es zu etwas Besserem gebracht. Der alte Alexander Zcderbaum machte den kühnen Sprung von dei Schneiderwerkstatt zum Redaktionstisch. Dieser Schneidergeselle begründete die erste u hebräische Tageszeitung „f la-mcliz", die in Petersburg vierundzw anzig Jahre lang erschien. Ein jüdischer Schneidcrgeselle, Adolf Sonnenthal, machte den kühnen Sprung von der Schneiderwerkstatt auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und war viele Jahrzehnte hindurch die Stütze des Wiener Burgtheaters. Und ein jüdischer Schneidergesclle, Morris Rosen feld, schrieb in Jiddisch die „Songs from the Ghetto", die seinen Namen als jiddischen Dichter in Amerika und in Europa bekannt gemacht haben. Und als jiddischer Dichter beansprucht Morris Rosen leid eine gesonderte Stellung. Dieser Dichter steht, als jiddischer Lyriker, sozusagen auf eigenen Füßen. Er kommt aus einem ganz andern Bezirk als die jiddischen Dichter vor ihm und bringt einen neuen Ion in die jiddische Dichtung. Das abgebrauchte Wort vom „Neutöner" paßt auf ihn ganz ausgezeichnet. Die jiddischen Lyriker vor ihm sind mehr oder weniger von der jüdischen Volksdichtung abhängig; sie stehen alle zu den jüdischen Volksdichtern in mehr oder minder enger Beziehung. In ihnen hat die jüdische Volksdichtung einen Gipfelpunkt erreicht. Sie haben lür den Gedankenkreis und die Gefühlsmomente der jüdischen Volksdichtung die richtige Kunst form geschaffen. Das erhebt sie von Volksclichtern zu Dichtern des Volkes. Ganz Hei man anders Morris Rosen feld. Er geht seinen eigenen Weg und schallt einen Absland zwischen sich und den jüdischen V olksdichlern. Freilich lassen sich auch in Rosen felds Dichtungen, namentlich in denen seiner ersten Schaffenszeit, Spuren der Volksdichtung nachweisen. Aber sie haften nicht unzertrennlich an den Schöpfungen dieses Dichters. Man kann diese Spuren verwischen, ohne dadurch ein Jota von der poetischen Empfindungsart Rosenf-Ids zu rauben. Morris Rosen feld sang Lieder der Arbeit. Lieder des Volkes und Lieder des Leben«. Alkdiese Lieder „sind von einer Stimmung getragen: einem gewaltigem Schmerz, der sich empört gegen die Grausamkeit des Schicksals und der Menhen, der wild aufschreit, ohne einen Widerhall zu finden, der sich verzweifelt krümmt und endlich kraftlos zusammenbricht, um den letzten halberstickten Seulzer in einer Flut von Tränen zu begraben". Rosen feld setzte häulig unbewuf.it statt des Spezifisch-Jüdischen das Allgemein-Menschliche in den Vordergrund. Er hat <omit da:', lyrische Stoffgebiet in der jiddischen Literatur wesentlich, erweitert. Und wer einer Literatur neue Stoff- I Morris Rosenfcld Struck L-ltcliiusi gebiete zuführt, der hat die Literatur mit neuen Werten bereichert. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist Monis Rosenfeld ein Bahnbrecher gewesen. Li grill zum erstenmal über die Grenzen de* Ghetto hinaus und ins volle Menschenleben hinein. Das Schicksal wollte es, daß der Dichte. Morris Rosen feld au:h außerhalb des Ghetto nur Disteln und Dornen fand, die in sein Herz drangen und es bluten machten. Von Kindheit an an jüdische Schmerze» und Tränen gewohnt, giaub'e er in jedem Schmerz und m jeder I räne etwas Jüdisches erblicken zu dürfen, l.r übersah, daß von jeher die Tragik im Leben des Juden eben jener Zuschuß zu den menschlichen Leiden war, den er vom Schicksal erhielt, nämlich d.r. j'i'ler.- leid. Das allgemein-menschliche und das spezifisch-jüdische Leiden fließen in Rosen felds Liedern eng ineinander. In Morris Rosen leid ist der Jude aF Proletarier zum Sänger geworden. Aber nicht alles, was er singt, ist jüdisch. Als „Lieder des Ghetto" hat er seine Gedichte in die Welt geschickt, aber sie haben vielfach, außer dem sprachlichen Gewand, nicht viel vom Ghetto an sich. Die Arbeiterlieder: „Die Werkstatt", „An der | Nähmaschine", ,Die Nachtigall zum Arbeiter'', „Das Lied der Not", „Die Träne auf dem leisen", „Was st die Welt", „Auf dem Totengarten" — haben mit dem Ghetto wenig zu schallen. Die Lieder des I ebens: „Blumen im Herbst", „Die Not und der Dichter", „Die Fricdhofsnachtigall" — klingen fernab von der stillen Well, die wir gemeinhin Ghetto nennen. Nur die Lieder des \ olkes stammen aus dei rem jüdischen Gemütssphäre. Gewiß, Rosen felds Lieder haben dadurch, daß sie dem Inhalt nach nicht immer spezifischjüdisch sind, keinen geringeren poetischen Wert. Aber mau soll die Seufzer, die aus rauchgeschwängerten Fabriksmauern kommen, mit den Klagen, die aus dem Ghetto hervortönen, nicht identifizieren. Morris Rosen feid ist ein Dichter von großer Sprachgewalt und voll Temperament. Er ist eine impulsive Dichternatur, bei der alles nach außen, an die Oberfläche drängt. Die tiefinnerlichen Töne, wobei die Tränen nur so in den Augen schwimmen, aber nicht die Wangen hinunterlaufen, verj missen wir bei ihm ganz. Rosen felds ' Stärke ist die Naturmalcrei. Er malt _j keine Kabinettbilder, weil er mit einfachen Mitteln nicht zu arbeiten versteht. Er entwirft übergroße Gemälde, dierun^ in clenen er einen Farbenreichtum entwickelt, daß er glänzt und schillert von allen Seiten. Wir staunen oft, wie sich in diesem darbenden S'hneidergesellen ein solcher Natursinn entwickeln konnte. hin Bild von großartiger Plastik und meisterhafter Klangmalerei in das Gedicht „Der Sturm", Wild rast der Sturm über des Meer. Tief liähnt der .Abgrund der brüllenden See, aus der die Wogen ho;h auf Iiiegen, als drohten sie die Welt zu verschlingen. Gegen diesen Meeressturm setzt rieh ein Schill zur Wehr. „Es biegt <ich und bäumt sich und sti'hnt und ächzt." Es -c hnaubt der Kessel, es zischt im Kamin, es krachen die Balken, Spezialhaus Sportvatter Neuheiten in Smokingjäckchen, flparte Sportausrüstung K Setdenwesten u. Wollwesten ,., wippüngerscrane Inhaber Max Reiss Größte Auswahl in Strümpfen, Socken, Stutzen u. Handschuhen

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