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Menorah · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Article
Die Menorah des Chanukkafestes
Date
1924-02-01
Page
Seite 6 (sequence 5)
Language
German
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6 MENORAH i (Stunden Ölbehälter miteinander verbunden sind, über dem sich ein schweres Rankenwerk erhebt, braucht nicht zu verwundern. Der zusammen fügende Stil der napoleonischen Zeit gibt dem Ganzen jenes Unharmonische, dem die feinen Einzelteile nicht abhelfen können. Ein Motiv aus Berlin um löOO ist trotz guter Einzelheilen als grobe Geschmacklosigkeit zu betrachten; es zeigt über zwei runden Säulen einen Kasten für die Brenner, aus diesem ragt ein schmaler Stift hervor, dessen letztes Dritel den Mast eines kleinen Schiffes — Schammes — bildet. Tauwerk und Flagge fehlen nicht. Hier schliefen sich jene Mcnoroth an, die in Verkennung der ursprünglichen Bestimmung einer Hausmenorah die synagogaie Standmenorah in verkleinertem Maßstab schufen. Wie sinnlos dies Unternehmen war, wird am deutlichsten durch die ungefähr eine Spanne hohen Stücke gekennzeichnet, die geradenwegs ins Museum der Geschmacksverirrungen gart) gehören dürften. Vom jüdischen Standpunkt betrachtet, zeugen diejenigen Menorolh wider sich selbst, die den Leuchter auf dem Titusbogen zu kopieren versuchen; es muß schon jede Verbundenheit mit dem Judentum aufgehört haben, wenn man das Anstößige und Widersinnige dieser Idee nicht empfindet. Bevor wir nun mit den Wandmenorolh schließen, müssen wir noch die Gestaltung der Lämpchen selber, deT Schammes und der Füße, auf denen die Mcnoroth meistens stehen, betrachten. Die Lämpchen haben sehr häufig die Form von Löwen, deren Schnauze den Docht trägt, auch Ölkannen sind nicht selten für diesen Zweck benutzt worden, ferner kommen Granatäpfel, Blüten und Vasen vor, daneben bleibt natürlich die einfache offene Öllampe immer bestehen. Der Schammes wird entweder von einem Krieger getragen JL^ oder von einem Vogel, in Italien gelegentlich von Fabeltieren oder --—-r Karyatiden- Bisweilen sind sehr 7 / hübsche und originelle Gebilde enl- ^| standen, wie etwa das Leuchtermännchen in der Tracht eines Juden aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, das einen Kerzenhalter in der Hand trägt. Die Füße sind neben einlachen Kugeln oder Klauen von Löwen hin und wieder mit einem Wappenschild von Ölkannen, Adlern und anderem Getier gebildet. Es mag auch noch erwähnt werden, daß die Geräte für die Reinigung der Lampen und die Kanne zum Auffüllen oft in kleiner Ausführung den Mcnoroth beigegeben sind. Bisher hatten wir uns mit den Wandmcnoroth beschäftigt, die für die ursprünglich nur im Hause stattfindende Feier benutzt werden. Vom Mittelalter an bezeugen die rabbinischen Quellen den Gebrauch, die Menorah der Fremden und der Armen wegen auch in der Synagoge zu enlgassc, jetzt .( München / Nationalmuscum zünden. Dafür mußten Leuchter von größeren Ausmaßen geschaffen weiden, die sich aus dem großen Standleuchter entwickelt zu haben scheinen. Auf einem Fußgestell, das häufig auf Löwen oder Klauen ruht, erhebt sich ein vielfach mit Ranken und Blüten verzierter Schaft, von dem an jeder Seite vier Arme ausgehen, die die Lichter tragen. Der Schammes ist entweder auf der Achse oder auf einem vor den Lichtern angeordneten Arm angebracht, im letzteren Fall endet die Achse in eine Flamme, einen Adler, einen Löwen, einen Krieger oder in dergleichen. Die meisten bisher aufgetauchten Stücke sind Arbeiten des 17. Jahrhunderls, die sich im großen und ganzen nicht erheblich voneinander unterscheiden (siehe Mitt. III IV, S. 39). Wie das bekannte Stück aus der Synagoge Heidereuthcr- 5 i i.^.^t. ,; \? v * f r 6 h^'l-'' * 4 1 ^v-" v -N \' "U ~-\ \/ c;- \') v> ' [- ») r. - fr': l-/ jüdischen Museum, beweist, waren auch die Slanclmenoroth früher für Ölbeleuchtung eingerichtet, die später meist verändert worden ist. Die ältesten Slanclmenoroth scheinen aus der Renaissance zu stammen; bekannt ist die italienische aus Padua'-) (Mitt. III IV. S. 40) vr.il einer feinen Szene der Tempelweihe am Sockel. Dieser Leuchter hat ungleich hohe Arme, wie es mir bisher nur bei zwei anderen unbekannter Herkunft aufgefallen ist. Der Schulchan- Aruch hat bekanntlich die Herstellung von Mcnoroth mit ungleich hohen Armen später verholen. Um 1600 werden reich verzierte Arbeilen gefertigt, wie sie aus Frankfurter Privatbesitz, jetzt im jüdischen Museum Frankfurt am Main (Mitt. III IV, S. 42) und unter A. J. H. E. Nr. 1903 bekannt geworden sind. Gehen wir von dem etwas einfacheren Stück A. J. II. E. Nr. 1 732 aus, das über den Lampen kleine Bäumchen und unter ihnen Glocken zeigt, und dessen Achse eine Krone und einen Zapfen schmückt, so geben die beiden anderen untereinander ziemlich ähnlichen Mcnoroth eine Erweiterung des Typus. Jede Ölfiamme trägt vor dem Bäumchen symbolische Tiere: Eichkatze, Hirsch, Adler und Pelikan, Krieger sind an verschiedenen Stellen angebracht, und die Achse wird von Jchuda Makkabi, der das Haupt seines Gegners Nikanor in der einen, das erhobene Schwert in der anderen Hand trägt, bekrönt. Diese Tiergestalten finden sich auch an anderen jüdischen Kunstgegenständen, die Deutungsversuche scheinen nicht recht befriedigend, so daß sie hier nicht berücksichtigt werden sollen. Die Standmenorah aus Pogrebyszcze (Mitt. III: IV, S. 41) ist schon so häufig abgebildet und beschrieben worden, daß hier nicht näher aut diese bizarre Arbeit eingegangen wer- 1 den soll, die völlig aus dem Rahmen herauszufallen scheint. Das Chanukkafest hat der häuslichen Feier die größere Bedeutung gegeben, infolgedessen tritt die Standmenorah weder in der Ausgestaltung noch in der Zahl so in den Vordergrund wie die Wandmenorah, der wir deshalb auch das größere Interesse widmeten. Da wir ne:h in den Anfängen einer jüdischen Kunstlorschung stehen, bleiben viele Zusammenhänge ungeklärt, das bisher bekannt gewordene Material zeig!, wie viel Neues und Interessantes bei einer gründlichen Beschäftigung mit den jüdischen Kunstdenkmälein zutage gefördert wird. Wie denn überhaupt die Beschäftigung mit dem gegenständlichen I eil der jüdischen Kultur ein lebendigeres Bild der jüdischen Vergangenheit vermittelt, als es das geschriebene Wort allein zu geben vermag. \ v C. f I \ n Synagoge in Cleve Bei Datierungen und Lokalisierungen bleibt die Möglichkeit späterer stilgerechter Kopien, die auch a. O. hergestellt sein könnten, unberücksichtigt.

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