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Menorah · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Article
Drei Gedichte nach dem Talmud
Date
1924-01-01
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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12 MENORAH Die Farm Migdal „Lache! denn du bist begnadigt; Denn du bist der Sünde lcdig. Die dich lockte, — die dich trog Dir zum Heil; ob auch zur Lehre?" „Wärest du nur, was ich suchte. Und ich bliebe, der ich brannte. Und die Sonne, unser Drittes, Sag', wo wäre Sünde dann?" „Dir im Herzen!" spricht der Rabbi. „Mir im Herzen steckt sie auch. Wenn ich fehlgesprungen habe." Tief erstaunt der erhöne Rabbi. „Eine junge Schwester blüht mir — Neben ihr im Kranz der Mädchen Unter Männern ich als Mann, Bin ein Schatten ihres Glanzes. Folge mir! Zu höherm Streite, Will dich Gottes Gnade sparen. Sei ein Schüler, werd' ein Meister! Meine Schwester geb' ich dir," Simon lacht. „Ich folge, folge! Nun voran! Ich war der Meister In den Wäldern — hier wie dorten Werde ich der Meister sein." Palmen in Migdal am Tiberiasse W. benhard / Fo 1 k 1 oristisches Allerlei 23. GEHEIME WIRKUNG Vor R. Motclc 1 schernoblcr, dem großen Zadik, standen zwei Männer zu Gericht. Der e;nc war arm, der andere reich. Das Recht stand nach der Meinung des Richters auf der Seite des Armen, er neigte aber trotzdem zur Seite des anderen. Alle Überlegungen halfen nicht, diese Doppelerscheinung zu bannen. R. Motele beschied nun die Parteien auf den folgenden Tag. Dem heiligen Manne ließ die Sache keine Ruhe. Immerzu schlug er den Schulchan-Aruch und die großen Decisorcn nach. Immer wieder dasselbe Bild. Noch auf dem Nachtlager beschäftigte ihn die Prozeßangelegenheit, die morgen zur Entscheidung kommen sollte. Zur Beförderung der Gedanken tat er ungefähr dasselbe wie wir, nur daß wir zur Hcrvorlockung glücklicher Gedanken uns der Zigaretten bedienen, während R. Motele dies durch Schnupftabak zu bewirken suchte. Als er nun, in den Sachverhalt vertieft, eine Prise nach der anderen der Dose entnahm, bemerkte er zwischen den zwei Fingern einen blanken Golddukaten. Nun erkannte er mit einem Male, warum es ihn trieb, die Partei des Ungerechten zu ergreifen. 24. EINE FRAGE, DIE EINEN ANDEREN ANGEHT Ein frommer Mann, der oftmals in der Woche mit Toralcrnen die Nacht in Beth ha-Midrasch , zubrachte, hielt einmal bei einer solchen Nachtwache, auf seinem Stocke gestützt, eine kleine Schlummerpartie. Als er erwachte, bemerkte er zu seinem Entsetzen die Abwesenheit seines Spodaks1). Auf einem Haken bemerkte er jedoch einen anderen Spodak. Er nahm nun diesen in die Hand und stellte folgende Betrachtung an: Lomir) nur sehn, wi'1) is man Spodak? soll 'ch sugen, as dus s man Spodak is doch die Kasche1), wi is san Spodak? Sol 'ch wider sugen, as dus is san Spodak, is doch di Kasche. wi is man Spodak? ---Le ojlem taky dus is man Spodak, aj wi is san Spodak? Darf 'ch fregin, wi is man Spodak, sol er fregin, wi is san Spodak!r>) ') Zobelmütze, die Kopfbekleidung frommer Leute der alten Generation. '-') Wir wollen.;l) Wo. A) Die Frage. 5) Variante bei Rawnitzki, Nr. 332, ohne diese dialektische Finesse. 25. DIE GELEHRSAMKEIT IST SCHULD DARAN R. Jankcle Ornstcin. unabhängig, reich und Oberrabbiner von Lemberg, besuchte auf der Durchreise in Stryj den dortigen in kümmerlichen Verhältnissen lebenden Dajjan R. Löbele1). Ura das Selbstbewußtsein R. Löbeles zu heben, sagte R. Jankele Ornstein zu ihm:. „Wie groß ist der Kibud ha-Tora'), wenn der Lemberger Rouw die Mühe nicht scheut, den Weg in dieses Gäßchcn zu finden, um Euch, den großen Gelehrten, aufzusuchen?" „Umgekehrt, Lemberger Rouw," erwiderte der Angesprochene, „wie groß ist der Bisjon ha-Tora?*) Wäret Ihr bloß ein reicher Mann, Ihr wäret sicher zu mir armem Schlucker nicht gekommen, da Ihr aber obendrein Lemberger Rouw seid, erniedrigt Ihr Euch, einem solch Geringen wie mir Euere Aufwartung zu machen." «) Löb Heller, der Verfasser des Werkes „K ezoth ha-Choschen" und Schwiegervater S. L. Rapaports. '-') Respekt vor der Gelehrsamkeit. ::) Verachtung der Gelehrsamkeit. Eine feinsinnige Satyre, deren Ausdeutung so manches in das richtige Licht rücken würde. Die MENORAH interessiert jedermann, bringt Unterhaltendes, Belehrendes, Wissenswertes.

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