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Menorah · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Article
Schutzjuden
Date
1924-01-01
Page
Seite 2 (sequence 1)
Language
German
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2 MENORAH Wladimir Jabotinsky / „Schutzjuden" i. Einer der verhängnisvollsten Fehler der Zionistcn war es, die Auflösung der jüdischen Bataillone in Palästina zuzulassen. In den jähren 1918/19 standen dort 5000 jüdische Soldaten. Im Frühjahr 1920 sind es nur mehr 400 gewesen. Anfang 1921 wurde auch dieser Rest demobilisiert. Dadurch hatten sich die Zionisten freiwillig in die Rolle derer begeben, die im alten Deutschen Reiche als „Schutzjuden" bezeichnet wurden. Der Status „Schutzjuden" entstand manchmal dadurch, daß ein Kurfürst oder Markgraf einer bestimmten Zahl Juden gestattete, sich in seiner Residenz anzusiedeln, und übernahm die Verpflichtung, sie vor Angriffen des Pöbels zu schützen. Dabei verloren „seine" Juden jenen letzten Rest von Menschenrechten, mit denen ihre Glaubensgenossen in anderen Gemeinden noch rechnen konnten. Und das war ganz natürlich. Da jeder Versuch des Pöbels, mit den angesiedelten Juden aufzuräumen, für den Kurfürsten die Notwendigkeit mit sich brachte, seine Landsknechte aufzubieten, eventuell auch Verluste an Toten und Verwundeten zu verzeichnen, konnte er mit einem gewissen logischen Rechte von „seinen" Juden alles verlangen und ihnen alles verbieten, unter dem einfachen Vorwande, daß es sonst zu einem Aufruhr des Pöbels kommen könnte. War der Kurfürst dazu Diplomat, so erfand er Volksunwillens, wann immer Schlimmer war es in jenen seid in der Vergangenheit entwickelt hat. Der grundlegende Unterschied besteht nur darin, daß bei anderen kolonisatorischen Unternehmungen diese bewaffnete Macht von dem kolonisierenden Volke selbst aufgestellt wurde, während in unserem Falle die Pflicht zum Schutze englischen Truppen obliegt, die aus Soldaten und OiTizicien noch ein schlauer die Gefahr eines ihm paßte. Fällen, da JUDA MAKKABI Tuschzeichnung Von Uriel Birnbaum (Wien) fremder Nationen bestehen. Bei dem geringsten t > gegen die Juden gerichteten „Volksaufrühr" wird aktiven Eingreifen auf diese der Kurfürst ehrlichen Willens war. Hier erlangte der Pöbel tatsächlich eine unbeschränke Herrschaft über die Juden. Es genügte, daß ein beliebiger Mönch die Anzeichen eines Volksaufruhrs inszenierte, um den Kurfürsten zu veranlassen, von „seinen Beschützten" widerspruchslose Erfüllung aller Forderungen der Menge :/u verlangen. Und dies ist mutatis mutandis das genaue Vorbild unserer derzeitigen Situation in Palästina. Wir kolonisieren das Land gegen den Willen der einheimischen Bevölkerung, deren Zahl im Lande etwa siebenmal größer ist als die der dort ansässigen Juden. Deshalb kann sich unsere Kolonisation nur unter dem Schutze einer bewaffneten Macht entwickeln, wie sich jede Kolonisation die Pflicht zum Soldaten fallen, und bei allfälligcn Verlusten der Truppen werden in den in England veröffentlichten Listen der Opfer die Namen „Peter Robinson" und „John Smith" erscheinen. Und sollte sich einmal der Zwang ergeben, aut die Menge zu feuern — eine Handlung, die fiii einen intelligenten Soldaten weit unangenehmer ist, als sein eigene? Leben zu riskieren — so wird diese unangenehme Pflicht auch auf die „Peter Robinson" und „John Smith" fallen. In diesem Umstände liegt die Wurzel unserer Tragödie. Der Verfasser dieser Zeilen ist sicher nicht geneigt, Sir Samuel oder die zionistische Organisation zu rechtfertigen. Wäre das Vorgehen dieser beiden haktoren stets zielbewußt und stark gewesen, so hätten nie die Fülle des bei keiner zivilisierten Verwaltung zulässigen Unfuges vorkommcnl^JiRichtung tätig ist. Rechnet können, die man jetzt in Palästina beobachten kann. Aber selbst im günstigsten Falle wäre es über eine Beseitigung des Unfuges nicht hinausgekommen. Denn es ist nicht denkbar, jene günstigen Verhältnisse zu schaffen, die Voraussetzung einer größeren Kolonisation sind, solange wir in Palästina die Rolle der „Beschützten" spielen, deren Schutz englische, irländische und indische Soldaten besorgen. Um das zu verstehen, genügt es, die Argumentation unserer Gegner zu verfolgen. Es sind drei Gruppen: die palästinische Verwaltung, deren Vertreter Sir Samuel ist; die arabische Bevölkerung, vertreten durch den arabischen Kongreß, die arabische Delegation und die arabische Presse, schließlich ein großer Teil der englischen Öffentlichkeit, deren Stimmung in der guten Hälfte der englischen Presse Ausdruck findet. Bereits nach dem Pogrom in Jaffa — Mai 1921 — sind Sir Samuel zahlreiche Anfragen aus dem Jischub wie auch seitens seiner Freunde in England zugekommen. Mit Erstaunen fragten alle, worauf diese unerwartete Nachgiebigkeit gegenüber dem Ansturm der Araber zurückzuführen war. Ich kann auf Grund genauer Kenntnis des Materials feststellen, daß in allen Antworten, die Sir Samuel auf Anfragen und Proteste gab, ausgeführt war: „Eine feste Politik sei nur dann möglich, wenn wir bereit wären, äußerstenfalls die britische Garnison voll auszunützen, was in England sicher nicht populär wäre, auch abgesehen von der Frage, ob eine solche Taktik wünschenswert wäre." Dasselbe Argument — aber schon in Form einer Drohung — zieht sich wie ein roter Faden durch alle Vorstellungen der arabischen Delegation, die während dieser Zeit London aufgesucht hat. In ihrer Darstellung wird dieses Argument ungefähr so ausgedrückt: „Wenn ihr (die Engländer) die Juden nicht wegschaffen wollt, werden wir gezwungen sein, dies mit eigenen Mitteln durchzuführen, und dann werdet ihr eure Truppen gegen uns einsetzen müssen mit Opfern für uns und für euch, überlegt euch also, ob ..." Noch deutlicher und charakteristischer traten diese Argumente in der englischen antizionistischen Presse hervor. Ich habe schon erwähnt, daß die ,gutc Hälfte der englischen Zeitungen in dieser man aber nur mit

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