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Menorah · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Ökonomische Ausnützung ...
Date
1923-01-01
Page
Seite 19 (sequence 2)
Language
German
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19 MENORAH clernis für die Ausübung wichtigrr Gebote, wie derjenigen, die sich auf die Unterstützung der Armen beziehen! Jetzt kannst du dir vorstellen, wie es mir geht." „Mich haben sie so zugerichtet," klagte Elia, „daß ich nicht mehr weiß, wie ich heiße. Wie du vvcif.it, besuche ich regelmäßig jede Woche am Ausgange des Sabbats die jüdischen Wohnungen. An diesem Abend rezitieren sie allerhand Gebete, darunter auch eines, in welchem mein Name nicht weniger als 130mal verdreht wird. Elia, Elii, Uhaeli usf.1"). ') Selbstverständlich. ~) Jüdin in der Bedeutung von Frau. ::) Ofen. Vielleicht. '') Bedauerlicherweise. Il) Fem. von Schlimm-maselnik, Pechvogel, Taugenichts, ungeschickter Mensch. 7) Die Hausfrau. H) Ofenkrücke, Feuerhaken. s<1) Land, auf der M. sich lassen — schnorren gehen. °) Jemand zum Narren halten. ,n) Damit nicht ein Körnchen Gesäuertes (Chomcz) ins Haus dringe. 31) Die Rabbinersfrau. rJ) Landstreicher vom lalmudischen Orchc u - Porchc. 13) Branntwein. 1%) Gebctmantel. ln) Namen der Lektionen der Tora für die Wochen des Jahres. Die R. orientiert sich über den Ablauf der Zeit innerhalb des Jahres nach diesen Lektionen. i0) Gemeint die Zusammenstellung der Buchstabenkombinationen des Namens *~,t7° in manchen chassidischen Gebetbüchern. Daß diese Lektion in jüdischen Häusern allgemein üblich war, ist unter anderen aus A. H. Heymann, Lebenserinncrungen ed. Heinrich Löwe, S. 160, zu ersehen. 20. DIE KONKURRENZ (Am Kassaschaltcr der Nordbahn.) ,,Eine Karte nach Krakau." — „1 1 fl. 47 kr." — „Nehmen Sie 10 fl., sonst fahre ich mit der Südbahn!" 21. ZWECKMÄSSIGER ABBAU „Wenn ich Kaiser wäre," sagte ein Schnorrer, „würde ich alle Stockwerke abtragen lassen, um bei der Ausübung meines Berufes nicht die vielen Stufen steigen zu müssen." 22. DIE ECHTEN TÖNE Auf einer Eisenbahnfahrt, Strecke Stanislau— Czortkow, 1698, saßen mir gegenüber zwei schöne jüdische Mcidalich und unterhielten sich in einer polnisch klingenden Sprache. Bevor der Zug in die Station einfuhr, wo die beiden Fahrgäste aussteigen sollten, bemerkte das eine Mädchen, daß ihnen eine Schachtel mit einem kostbaren Inhalt — gerade neu gekaufte Flütc — fehle. „Dzie moja podolka?"1) jammerte die eine. „Wous tojg mir dan pojlisch", schrie die andere, „die Pydl is nistu'-')." ') „Wo ist meine Schachtel?" 2) „Was nützt, mir dein Polnisch, die Schachtel ist nicht da." — Man wird erinnert an die Geschichte bei Rawnitzki, Nr. 425. 23. DIE SORGE DER BRAUT. Ein Randar hatte zur Verlobung seiner Tochter ein solennes Fest gegeben. Plötzlich verschwand jedoch die Hauptperson, die Braut, und es bedurfte langen Suchens, bis man sie im Keller weinend fand. Auf die Frage, warum sie denn weine, ob ihr der Chussen etwa nicht gefalle, antwortete sie: Der Chussen gefällt mir schon taky gut, aber der Tata lebt, die Mama lebt, der Sejde lebt ün die Babe lebt. Wenn ich wel Chasscne hoben ün ein Kind bekommen, nach wem wel ich ihm a Noumen geben? BADESEIFE ELIDA HAT WELTRUF! THEATER UND KINO / DER JÜDISCHE FILM Unseres Wissens hat der jüdische Film von Wien aus seinen siegreichen Zug in die Welt begonnen, denn hier wurde der erste Ghettofilm hergestellt, der in voller Echtheit die Bräuche und Lebensformen orthodoxer Juden in einem spannenden Drama vorführt. Das ausgezeichnete Manuskript zu diesem Filmdrama „Shylock von Krakau" stammte von Felix Saiten und die Darstellung mit Schildkraut und Lia Rosen war meisterhaft. Man sollte nicht daran vergessen, daß sich Saiten, abgesehen von der Echtheit im psychologischen Aufbau und in der Darstellung des Stückes, auch noch in einer anderen Richtung für die Entwicklung der Filmindustrie ein Verdienst erwarb. In der damaligen Zeit klebten die Filmfabrikanten noch ängstlich an der künstlichen Kulisse und man bekam in den Dramen nur selten Freiaufnahmen zu sehen. Im „Shylock von Krakau" aber wurde nun die alte polnische Stadt mit ihren prachtvollen Architekturen und die ganze Romantik der Gassen, Höfe, Häuser, Tempel und Gottesacker eines jüdischen Ghetto gezeigt. In den folgenden Jahren kamen noch einige jüdische Filme in Wien zur Ausführung, unter denen wohl der Film „Theodor Hcrlz" von Heinrich Glücks mann mit Kreislcrs Regie aus der Flelios-Fabrik die weiteste Verbreitung in der Welt fand. Auch der Allianz film, unter der Regie Herterichs, „Der König einer Nacht" und des weiteren noch „Die trennende Brücke" wären hier rühmlich zu nennen. Von Deutschland kamen einige jüdische Filme, unter denen die Golem-Dramen von Wegener den höchsten Rang einnehmen. In neuerer Zeit wurde von der Emelkafabrik in München Lessings „Nathan der Weise" im Film ausgearbeitet und gegenwärtig zeigen viele Kinos den Berliner Film „Graf Cohn", der das Problem der Ehe eines Juden mit einer Aristokratin in einem spannenden, psychologisch gut fundierten Drama aufrollt. In Wien bereitet der Regisseur Land einen großen Ghetto-Film vor und eine Fabrik befaßt sich mit der Verfilmung des bekannten Romancs von Bettauer „Die Stadt ohne Juden". Eines der hervorstechendsten Erzeugnisse aus der Reihe der jüdischen Filme ist das Drama „Ost und West", das gegenwärtig in den Kinos zu sehen ist. Es ist von der Listo-Film in Wien unter der Regie Sidney M. Goldins hergestellt worden, nach einem Manuskript, das Goldin mit Eugen Preis zusammen verfaßt hat. Goldin stammt aus Kiew, ist als Filmregisseur durch die gute amerikanische Schule von Los Angelos gegangen. Er hat als Regisseur viel Kraft und derben Humor und brachte für diese Aufgabe die gründliche Kenntnis des Milieus mit. Für den großen Erfolg des Dramas war es ausschlaggebend, daß sich Goldin für die Hauptrollen die eminenten Künstler May Picon und Jakob Kaiisch zu sichern wußte. in einem entlegenen galizischen Nest wird in einer jüdischen Familie eine Hochzeit vorbereitet. Da kommt die große Überraschung. Des Brautvaters Bruder, der Onkel Robert aus Amerika, kommt mit seiner Tochter Molly bis von New York, um dem Familienfest beizuwohnen. Robert hat seit seiner Kindheit die Heimat nicht mehr gesehen und Molly, die als freie Amerikanerin erzogen ist, soll hier eine ganz neue Welt vorfinden. Der Vater gerät alsbald in den Bann der altercrbten Sitten, der Inbrunst der Gebete, der ^WIG WüP^tLO^ V WIEN, VI, 'S MARIAWLPERSTR, 3/

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