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Menorah · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Gelber, N. M., Aus zwei Jahrhunderten ... [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 15 (sequence 2)
Language
German
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15 MENORAH schichte des damaligen Kulturzustandcs werden durch die Memoiren Bolechowers nicht nur bereichert, sondern auch bedeutend erweitert. Diesen Memoiren entnehmen wir genaue Mitteilungen über den Stand der jüdischen und „weltlichen" Bildung der polnischen Judcnhcit, und Bolcchower selbst ist der Typus eines aufgeklärten und „weltlich" gebildeten Juden lange Jahre vor der Mendelssohnsch.cn Aufklärungsperiode. Zu bemerken ist, dafi diese Memoiren mit den von Brawer im „Haschiloach" veröffentlichten Schilderungen Bolechowers über die Frankistenbcwegung nicht identisch sind. Der Herausgeber hat diese Memoiren mit ungemein wertvollen wissenschaftlichen Notizen und Anmerkungen verschen. Einer besonderen Erwähnung verdient die umfangreiche Einleitung, in der Dr. Vischnitzer auf Grund einer sehr reichen Qucllenliteratur eine glänzende Schilderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zustünde der polnischen Judenschaft in der Zeit Bolechowers liefert. Diese Memoiren sind auch vom „Klal-Verlag", Berlin, in jiddischer und hebräischer Sprache herausgegeben worden. Porträt Herr M. M. Grete Wolf-Krakauer Wien Handel mit Staatspapieren für Lebensdauer toleriert, ist auch sonst bekannt. Ihm widmet Ben-Zceb seinen Ozar ha-Scheraschim, Bd. III. S. 183 statt Krisch lies T r i e s c h, wo die Familie Österreicher zu finden ist. S. 209, zu Kalahory Isak Ahron vcrgl. Friedberg, Luchot Sikkaron S. 104, zu S a I o m o n F i s c h 1 o w i c z (in hebräischen Quellen Fischls), ibidem S. 103. S. 214, Jakob Eichhorn vergl. Friedberg, 1. c. S. 110. S. 219, Leopold von Wertheimer, das ist Leopold v. Wertheimstein, der eben Prokurist des Bankhauses Rothschild war. Gerade im selben Jahre berief ihn die Wiener Judenschaft in das Vertreterkollegium, vergl. Wachstein, IL, S. 516—517. S. 209, David Levy (S. 254 Lcvi), der Vorgänger Meiseis im Krakauer Rabbinatc, ist Zebi Hirsch David b. Isak ha- Levi, vergl. Dernbitzer, Kclilath Jofi, II., Bl. 79'1 und zuletzt Friedberg, S. 43—44. Dr. B. Wachstem. THE MEMOIRS OF BER OF BOLE- CHOW (1723—1805), Translated From The Original Hebrevv with an introduetion, notes and a map by Dr. M. Vishnitzer. Humphrey Milford Oxford University Press (8" 188 Seiten, 1 Karte). Dem bekannten jüdischen Historiker Dr. M. Vischnitzer, der vor dem Kriege als Herausgeber der „Jüdisch-Russischen Enzyklopädie" und der „Russisch-jüdischen Geschichte" auf dem Gebiete der Erforschung der polnisch-russischen Juden Bedeutendes geleistet hat, ist es vor einiger Zeit gelungen, in der Bibliothek des Jewish Jews College die hebräische Handschrift der Memoiren des polnischen Juden Beer aus Bolechow, der in den Jahren 1723 bis 1805 gelebt hat. zu finden. Der Name dieses Memoirenschreibers ist uns aus einer vor mehreren Jahren im „Haschiloach" veröffentlichten Beschreibung des Frankistendisputs, die Dr. Abraham Brawer herausgegeben hat, bekannt. In den von Vischnitzer herausgegebenen Memoiren linden wir ungemein wertvolle Beiträge zur Geschichte des inneren Lebens der polnischen Judenheit vor der ersten Teilung Polens. Als Weinhändlcr hatte Bolcchower Gelegenheit, viel zu reisen, und dank diesem Umstände war er in der Lage, in seinen Memoiren als guier Beobachter die damaligen Zustände der polnisch-galizischen Judenschaft zu schildern. Diese Memoiren werfen ein neues Licht auf die Wirtschaftsverhältnisse der polnischen Judenschaft in der Tcilungscpoche, in welcher Zeit eben ein großer Teil der am Lande angesiedelten Juden eine Rückwanderung in die kleinen Städtchen antritt. Die bisnun spärlich vorhandenen Quellen zur Gc- ZIONISTISCHE NEUERSCHEINUNGEN MOSES HESS. Der Vorkämpfer des Sozialismus und Zionismus. 1812 bis 1875. Die Moses Heß-Ausgabe, von Theodor Zlocisti gesammelt und bearbeitet, wird drei Bände umfassen. Hiervon liegen zwei Bände bereits vor. Der erste Band, die umfangreiche Biographie, bietet einen ungeahnten Genuß. Theodor Zlocisti hat seit 1905 die einstige Einleitung zu Moses Heß' „Jüdische Schriften" zu einem wissenschaftlichen Werke über Moses Heß gestattet. Er zeigt den tiefen Einfluß, den Moses Heß auf Karl Marx ausübte und seine Lebensschicksalc als mit den Anfängen der sozialistischen Bewegung innig verknüpft; seine sozialistischen Aufsätze 1841 bis 1847 wurden im zweiten Bande der Ausgabe gesammelt. Der dritte Band wird „Rom und Jerusalem" und „Jüdische Schriften" umfassen. Das im biographischen Bande über „Rom und Jerusalem", über die jüdische Einstellung Moses Heß*, seine jüdischen Freundesbeziehungen, seine Beziehungen zur Chibath-Zion-Bewegung Ausgesagte gehört zu den feinsinnigsten Betrachtungen, die wir in der zionistischen Literatur besitzen. — Die schöne Leistung des Welt Verlages wird allgemeine Anerkennung finden. A C H AD-HA AM. Am Scheidewege. I. Band. Die neue Ausgabe (komplett vier Bände, im Jüd. Verlage) erscheint diesmal in der lebendigen, faszinierenden Reihenfolge des Originals. Sie wird eine ganz ursprüngliche Wirkung auch auf den des Hebräischen unkundigen Leser ausüben. Die innige Sorge um den werdenden Tischuw der achtziger Jahre wirkt auch heute, nach 40 Jahren, noch unvermindert. Der Einblick in das hebräische Kulturproblem, den die vollständige Ausgabe gewähren wird, wird im westlichen Judentum nachhaltige Wirkung auslösen. MAX NORD AU. Zionistische Schrift e n. Zweite Auflage. Die Neuausgabe ist um die wichtigsten, seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe gehaltenen Reden und erschienenen Aufsätze vermehrt. Ein Titelbild des Führers nach einem Gemälde seiner Tochter Maxa wurde beigegeben. Warum gingen wir zum I. Z i onistenkongreß. Eine zum 25 jährigen Gedenktage des I. Kongresses veranstaltete Sammelschrift mit Beiträgen und Bildbeigaben aller noch lebenden Teilnehmer desselben. Protokoll des XII. Kongresses. Der XII., vorletzte, Kongreß nach langer Pause, nach den politischen Erfolgen der Balfourdeklaration und des Beschlusses von San Remo, mit ungeheurer Palästinaintensität tagend, rollt alle praktischen Palästinafragen mit solcher Breite und Deutlichkeit auf, daß das ganze Tatsachenmaterial uns aktuell vor Augen steht. Hier ist kein Protokoll für den Liebhaber, der fein, hübsch alle „Kongreßprotokolle" gesammelt haben will, womöglich in nationalem Hellblau ausgestattet, sondern hier müssen die einzelnen Arbeitsgebiete sorgfältig studiert werden. Der letzte, XIII. Kongreß konnte die wahren Arbeitserfordernisse überhaupt nicht erfüllen, da die „Tewish-Agency"- und die Leitungsfrage dominierten. Nunmehr tut eine Rückkehr zur Palästinaarbeit des XII. Kongresses besonders not, zumal wir mangels eines zionistischen Zentralorgans in deutscher Sprache meist Uninformiertheit antreffen. Auf ein Interessantes, besonders Wichtiges sei hier nachdrücklichst aufmerksam gemacht. Man zitiert gewöhnlich den Beschluß des XII. Kongresses über das Palästinabudget in einer Höhe von 11/y Millionen Pfund, auf dessen Größe der Referent Direktor Halpcrn und in dei Folge alle Zionisten sehr stolz waren, ebenso aber betrübt, daß dieses Budget auf 500.000 Pfund herabgesetzt werden mußte. Vergleicht man aber den damaligen Etat mit dem der letzten drei Jahre und dem für die nächste Kongreßperiode angenommenen von zirka 500.000 Pfund in den einzelnen Posten, so wird man unschwer finden, daß auf dem XII. Kongresse die 20?^ Abgabe des Herrn Hajeßod an den Nationalfonds, also eine rein theoretische Vereinbarung, mit 300.000 Pfund im Budget erschien, daß ferner geplante Kreditinstitute mit 500.000 Pfund im Budget erscheinen, wo es doch von vornherein klar sein mußte, daß diese Neugründungen nur in separaten Aktionen Kapitalien würden aufbringen können, was auch bei der seither entstandenen Hypothekenbank der Fall war und welchen Weg auch die Finanzierung des Ruthenbcrgprojekts ging. Das eigentliche Palästinabudset, damals mit 656.000 Pfund festgesetzt, ist mit 500.000 Pfund ungefähr erreicht worden und auch weiter zu erreichen, wenn unsere Arbeit nicht ermüden wird. BERMANN—RUNDT. Ein Palästin areisebuch. Das Buch ist gut. Der judenchristliche Europäer bei liebevoller Betrachtung. Der Schlußsatz des Vorwortes: „Sich zu dieser Meinung bekennen, heißt nicht, ein Zionist sein", ist ein Fehler, den dieses so persönliche Buch nicht verträgt. Dr. H. C. Porträt Dr. Max Adler Grete Wolf-Ka.-kauer Wien

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