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Menorah · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Gelber, N. M., Aus zwei Jahrhunderten ... [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 14 (sequence 1)
Language
German
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14 MENORAH 1' BIBLIOGRAPHIE .....""IlllllilllllllllllllllllllllllliW ........""' GELDER N. M., Dr. Aus zwei Jahrhundert e n. Beiträge zur Geschichte der Juden. Wien und Leipzig, R. Löwit, 1924. 266 S. Eine Sammlung von siebzehn Aufsätzen, die einen -willkommenen Beitrag zur politischen, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im alten Österreich, insbesondere in den polnischen Teilen desselben bieten. Die umfangreichste Studie in der Sammlung „Zur Geschichte der Republik Krakau, 1815—1846" macht uns zum ersten Male mit dem Verhältnisse der von den Aufteilungsmächten geschaffenen Republik zu ihren Juden bekannt. Der polnischen Geschichte sind auch andere mehr oder minder wichtige Studien gewidmet. Der Wert der Arbeit wird noch dadurch erhöht, daß der Autor sein Material aus archivalischen nicht jedermann erreichbaren Quellen schöpft. Freilich stellt auch ein solches Material ganz besondere Aufgaben an den Forscher. So hatte ich mir gerne über den ersten und gleichzeitig letzten Oberlandesrabbiner Galiziens, Ar je Lob Bernstein, den uns Gelber S. 14 ff. vorführt, ein selbständiges Urteil gebildet. Aber das Aktenmaterial, aus dem der Autor sein Bild meißelt, scheint mir hierfür unzureichend zu sein. Zu dem Sprichwort „Armut ist keine Schande" existiert ein Zusatz „aber auch kein Verdienst". Ob das Recht auf Seite seiner zumeist den untern Ständen angehörenden Gegner war, das ist die Frage. Das Gezanke in den Kehilloth ist gerade kein erfreuliches Kapitel in der jüdischen Geschichte. Die Erscheinung der Welt in den Akten ist zuweilen noch trügerischer als ihre anderweitigen Erscheinungen. Schön ist das Denkmal, das Gelber seinem Landsmann Levin-Satanower errichtet, dem Manne, der aus einem tiefen Verständnis der Volksseele heraus im Gegensatze zu allen seinen Gesinnungsgenossen die von ihnen verachtete jüdische Muttersprache als Werkzeug zur Umformung und Europäisierung der Massen erwählt. Die Liebe zum Volkselement hat die Feder Gelbers geführt bei der Zeichnung des Bildes Berl Broders, des ersten jüdischen Volkssängers. Ich konnte in den mitgeteilten Piecen bei aller Würdigung des folkloristischen Elementes in dem Urheber keinen Dichter, geschweige denn einen Vorgänger Morris Rosen felds erblicken. Fühle ich mich dem Autor für die Fülle neuer Tatsachen, die er bietet, zu aufrichtigem Danke verpflichtet, so kann ich vielfach seinen Standpunkt in der Gruppierung und Deutung der Geschehnisse und Wertung der handelnden Personen nicht teilen. Ich greife ein Beispiel heraus. In dem Kapitel „Die österreichische Polizei und die Alliance Israelite Universelle" schildert Gelber die Gründungsgeschichte der Wiener Israelitischen Allianz, die den Zeitraum von 1860 bis 1872 umfaßt. Die Regierung verfolgt mit Argusaugen jeden Fetzen gedruckten " Papiers, der von Frankreich herüberkommt. Der ganze Regio ungsapparat wird in Bewegung gesetzt, um die k. k. israelitischen Untertanen vor einer Infektion durch das von Frankreich aus sich verbreitende Gift zu verhüten. Die Wiener Juden, die so väterlich behütet werden, stehen ihrerseits einer Organisation der Juden vollständig indifferent gegenüber. Der Energie Josef Wertheimers gelingt es endlich angesichts der rumänischen Zustände 13 Jahre später die Israelitische Allianz nicht als Gruppe der Pariser Allianz, sondern als eine selbständige Organisation innerhalb des großen österreichischen Kaiserstaates zu gründen. Unser Historiker, der wohl an die Kongresse unserer Tage denkt, spottet über die „patriotische" (von ihm in Anführungszeichen gesetzt) Engherzigkeit der Gründer. Dies gegenüber dem Autor der „Juden in Österreich"! Ich will Josef Wertheimer durchaus nicht als historischen Schriftsteller hervorheben, obzwar seine Leistung in Berücksichtigung des damaligen Standes der Wissenschaft auch nicht gering einzuschätzen ist. Aber die „Juden in Österreich" war als Tat gedacht und hat auch als solche gewirkt. Es steht wohl dem Historiker frei, von seinem politischen Standpunkte aus die Bilanz der Vergangenheit zu ziehen, die Hoffnungen der früheren Menschen als irrig, die Voraussetzungen als falsch zu erweisen. Die Posten, die in die Rechnung eingestellt werden, müssen jedoch historisch, das heißt nach den biologischen Tendenzen der behandelten Zeit gewertet werden. Sehr gerne hätte ich gesehen, wenn Gelber die Personen, die sozusagen seine Geschichte machen, systematisch nachgewiesen hätte. Dies ist nicht nur ein Erfordernis vom Standpunkt der Ökonomie des Wissens, sondern auch für den Leser von Wichtigkeit, der sich über die Personen auch anderweitig informieren will. Diesem Zwecke sollen teilweise die nachfolgenden Bemerkungen dienen. S. 17, n. 3, unverständlich, da von Aron Lemberg (wer ist er denn?) nicht die Rede war. S. 29, n. 4. Hirsch Zamosc. Eine Quellenangabe, daß Hirsch der Schwiegervater Bernsteins war, wäre sehr erwünscht. Hirsch Z. wurde 1740, während B. nach der Angabe Gelbers, S. 18, um das zweite Dez. d. XVIII. Jh. geboren wurde! Es trifft auch nicht zu, daß er in Brody nur kurze Zeit das Rabbinat bekleidete. Aus Löwensteins Index Approbationum, S. 205. ist zu ersehen, daß er 1773—1785 jedenfalls in Brody war. Einer handschriftlichen Quelle entnehme ich, daß er 1770—71 Rabbiner in Hotzenplotz und Zilz war. Sein Amtsantritt in Brody dürfte demnach richtig gegen 1773 erfolgt sein, zu einem Zeitpunkte, wo B. noch nicht Landesrabbiner war. S. 36 ist in der Grabschrift statt r>'~"C? richtig zu lesen T^Z^zi . Die ganze Redensart nach Targum Scheni zu Ester. S. 38. Stammbaum Bernsteins. Wenn auch die Angaben aus Brodyer Quellen stammen und auch bisher Unbekanntes bieten, so wäre doch auf Dembitzer, Kelilath Jofi II, 39 ff. speziell Bl. 70 hinzuweisen gewesen. Gelber hätte dann eine Persönlichkeit vom Range Heschels nicht mit der Charakteristik „Er gehörte zu dem Rabbanim Machmmm" charakterisieren müssen. Dasselbst n. 1, Z. 2: Der Vater Jakobs ist unter dem Namen Naftali Hirsch bekannt. Man kann den vollen Namen Efraim Naftali Hirsch anführen, aber keineswegs Efraim allein. S. 42, Z. 9 v. u. soll wohl statt Mathematik Metaphysik heißen. S. 105. Mayer Kallirs Abkunft aus einer geachteten Familie hebt G. hervor. Die Herkunft ist aus Wachstein, „Die Grabschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt", S. 81 ff., zu ersehen. S. 109, Z. 14 soll es heißen: Busser b'chulow, Taariwcs (statt Bschulow Taariwes). S. 125 J u d a P o r g e s ist der später geadelte Leopold v. Portheim, vergl. über ihn Lieben, „Die Eröffnung des . . . Wolschaner Friedhofes" S. 31. S.153zuBordaki vergl. Wachstein v~ttr,r. rre S. 34, n. 1. S. 156 Einen Bär Sichrovsky hat es damals in Wien nicht gegeben, gemeint ist Heinrich Sichrovsky, der Generalsekretär der Nordbahn, vergl. Wachstein, „Inschriften", II., S. 485, n. 3. S. 173, zweiter Absatz. Z. 3, Franzos ist Schreibfehler für K o m p e r t. S. 157, Ignatz Deutsch. Der Verfasser des „Beitrag zur Geschichte jüdischer Tartüffe" ist Gerson Wolf. Israel Levi Kohn (alle Stämme Israels!) ist Pseudonym. Zu Deutsch siehe noch B. Chan, 1864, S. 883—889. In dem S. 145 überschriebenen Kapitel: „Zu Ignatz Deutsch* Biographie" ist man enttäuscht, nichts zu finden. Es sei hingewiesen auf Weisz, Abne beth ha-jozer, Bl. 39. Aus der Mitteilung an G. (S. 177, n. 1) können auch nicht unbedingte Schlüsse gezogen werden. Mir sind zwei gedruckte Hespcdim über ihn bekannt (s. E*~£C"~ ~~Ee, S. 31), was doch auf ein Ansehen in seinen Kreisen schließen läßt. S. 1 79 erwähnt G. nebenbei, daß Cremieux 1840 bei seinem Schwager Bär abstieg. Diese Tatsache, daß C. verwandtschaftliche Beziehungen zu Wien hatte, war nicht bekannt. G. bezeichnet Bär auf S. 180 als den „Ökonomen des israelitischen Bethauses", in der Tat eine Würde, die in der Toleranzära geeignet war. ihren Besitzer in Wien wohnen zu lassen und seinen Geschäften nachzugehen. M. H. (das ist Meschulam Hirsch) Beer ist im „Verzeichnis der im Dienste der Tolerierten stehenden Individuen" vom Jahre 1834 als Ökonom des Bethauses (laut Dekret vom 2. Mai 1832) angeführt. Hier ist auch seine Herkunft richtig Saargemünd in Lothringen (nicht wie in der Ehematrikcl bei Pribram, „Urkunden", II., S. 536, sub 1815: München) angegeben. Seine Frau Silny Eugenia war aus Metz. Beide lebten unter dem Schutze ihres aus Mainz stammenden Verwandten Josef Löwy als „Kommis" und „Wirtschafterin". Zur Stellung Beers in der Gemeinde sind die Notizen bei Krauß, „Geschichte der israelitischen Armenanstalt in Wien" (laut Index) zu vergleichen, wo S. 98, n. 1, zu verbessern ist. Josef Löwy, seit 1782 auf den

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